Wirtschaft

Neuer Sparkniff des BilligfliegersEasyjet entdeckt die Drohnen

07.05.2014, 20:46 Uhr

Tablet-Computer statt Bordbücher - das spart rund 500.000 Dollar an Treibstoffkosten. Aber Easyjet hat noch mehr Sparmaßnahmen in petto. Eine betrifft die Inspektion der Flugzeuge und klingt erst einmal ungewöhnlich.

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Klein, schnell - und billiger als Inspekteure: Bei Easyjet könnten demnächst Drohnen die Wartung übernehmen. (Foto: Easyjet)

Bei der Überprüfung von Flugzeugen sollen Easyjet künftig Mini-Drohnen von der Größe eines Fußballs helfen und damit teurere Inspekteure ersetzen. Der Billigflieger stellte das mit Kameras ausgerüstete und von sechs Rotoren angetriebene Fluggerät vor, das Flugzeuge etwa nach einem Blitzeinschlag auf Defekte hin absuchen soll.

Die Bilder sollen dann in der Firmenzentrale ausgewertet werden. Dadurch kann nach Firmenangaben eine Inspektion binnen Stunden erfolgen, für die bislang ein Tag benötigt wurde. Das Flugzeug ist schneller wieder in die Luft, was wirtschaftlicher ist.

Easyjet-Manager Ian Davies sagte, derzeit fielen etwa sieben von tausend Flügen bei der Fluggesellschaft aus technischen Gründen aus. Ziel sei, die Quote bis 2020 auf null zu drücken. Ein Problem, das zur Flug-Verschiebung auf den nächsten Tag und damit zu Kosten für die Hotelunterbringung von Passagieren führt, belaste das Unternehmen mit bis zu 25.000 Dollar. Dies komme bei Easyjet in etwa 100 Fällen pro Jahr vor. Könnte das Flugzeug schneller wieder starten, fielen diese Kosten weg.

Alles ist möglich

Dr. Arthur Richards, Vorsitzender beim Bristol Robotics Laboratory, zeigte sich zuversichtlich bezüglich der Einsatzfähigkeit von Drohnen für Wartungsarbeiten. "Flugzeuginspektionen sind ein großartiges Einsatzgebiet für Drohnen. Gepaart mit intelligenter Navigationstechnik und Computersicht könnten sie genaue Daten über schwer zu erreichende Stellen liefern", sagte er dem "Guardian".

Auch Easyjet-Chefin Carolyn McCall bekräftige ihr Vertrauen in die technologischen Veränderungen ihres Unternehmens. "Wir haben die modernste Technik aus vielen verschiedenen Bereichen genau untersucht und bewertet und werden nun eine Reihe von Neuerungen im Luftfahrtbereich erstmals einsetzen. Das wird uns helfen, unsere Flotte noch effektiver, effizienter und sicherer zu machen."

Viele Ideen zur Kostensenkung

Easyjet zufolge sind die Drohnen nur ein Baustein der Bemühungen, die Kosten ständig weiter zu senken. So soll allein der Austausch von Bordbüchern gegen Tablet-Computer durch die Gewichtsreduzierung dazu führen, dass die jährlichen Kerosinkosten um 500.000 Dollar zurückgehen.

Ferner wird an der Entwicklung spezieller Brillen gearbeitet, die Inspekteure bei der Durchsicht der Flugzeuge tragen sollen. Die Brillen sollen Bilder an einen Spezialisten in der Zentrale übertragen. So will Easyjet mit weniger Personalkosten für dieselbe Sicherheit sorgen.

Hintergrund der Kostensenkungsmaßnahmen ist der seit Jahren tobende harte Konkurrenzkampf unter den Billigfliegern. Auch Hauptkonkurrent Ryanair wartet immer wieder mit zum Teil abstrusen Ideen auf, um seine Kosten zu senken.

Quelle: ntv.de, bad/bwe/rts