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Muss viele Fragen beantworten: Bernie Ecclestone.
Muss viele Fragen beantworten: Bernie Ecclestone.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Prozess in England: Ecclestone droht neues Ungemach

Der juristische Ärger für Formel-1-Boss Ecclestone nimmt zu. In London muss sich der Brite vor einem Gericht verantworten. Für Ecclestone geht es um viel: Der Kläger verlangt Schadenersatz in Millionenhöhe.

Die Affäre um den Ausstieg der BayernLB aus dem Motorrennsport vor acht Jahren holt Formel-1 -Chef Bernie Ecclestone wieder ein. Ab Dienstag befasst sich das oberste Zivilgericht Englands mit der Frage, ob die Landesbank ihre Formel-1-Anteile im November 2005 auf Ecclestones Betreiben unter Wert verkauft hat. Der Brite und der damals verantwortliche BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky sehen sich mit Schadenersatzansprüchen von offenbar mehr als 100 Millionen Dollar konfrontiert, in einigen Medienberichten ist sogar von 171 Millionen Dollar die Rede.

Kläger ist der Münchner Film- und Sportkonzern Constantin Medien. Er zählte zu den Vorbesitzern der Formel 1 und wurde nach eigener Darstellung um einen vereinbarten Nachschlag auf den Verkaufserlös betrogen. Das bis vor kurzem im Kleinwerteindex SDax notierte Unternehmen, das an der Börse mit rund 135 Millionen Euro bewertet wird, äußert sich nicht zur Höhe seiner Forderung.

Mit Spannung wird erwartet, ob Ecclestone am Dienstag persönlich in London auftritt. Der Prozess vor dem High Court of Justice ist eine von mehreren Rechtsstreitigkeiten, von denen viel abhängt für Ecclestone, für den möglichen Börsengang der Formel 1 und für die BayernLB. Wegen des Formel-1-Verkaufs an den Finanzinvestor CVC hat Ecclestone schon weitere Schadenersatzforderungen und eine Anklage am Hals. Die Staatsanwaltschaft München beschuldigt ihn, Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben, damit dieser die Rennsportserie an den gewünschten Investor verkaufte. Der Ex-BayernLB-Manager sitzt deswegen bereits verurteilt im Gefängnis.

Schmiergeld oder Schweigegeld

Eine Entscheidung der Münchner Justiz über einen Strafprozess gegen Ecclestone wird erst im kommenden Jahr erwartet. Offen ist, wie lange CVC dem erfolgreichen Sportmanager die Stange hält und ob dem 83-Jährigen äußerstenfalls eine Gefängnisstrafe in Deutschland droht. Ein milliardenschwerer Börsengang der schillernden Rennsportserie war im vergangenen Jahr abgebrochen worden, weil das Interesse der Investoren zu unsicher erschien.

Der Londoner Prozess, der mindestens einen Monat dauern dürfte, könnte nicht nur für die Münchner Justiz und für CVC neue Anhaltspunkte zutage fördern. Auch die BayernLB, die dort nach eigenen Angaben nicht involviert ist, beobachtet das Verfahren. Denn sie hat ebenfalls eine Rechnung mit Ecclestone offen: Die Bank fordert mehr als 400 Millionen Dollar Schadenersatz von ihm - bisher noch ohne Gerichtsverfahren. Sie argumentiert wie Constantin, sie hätte ohne die Geheimabsprachen von Ecclestone und Gribkowsky einen wesentlich höheren Preis erzielen können. Die Bank erlöste damals mehr als 800 Millionen Dollar. Da Ecclestone alle Vorwürfe zurückweist, dürfte auch dieser Fall vor Gericht landen. Der Formel-1-Chef hat erklärt, seine Zahlungen an Gribkowsky seien kein Schmiergeld, sondern Schweigegeld gewesen. Denn Gribkowsky habe ihn mit der Drohung erpresst, ihn bei den britischen Steuerbehörden anzuschwärzen.

Von EM.TV zu Kirch, von Kirch zur Bayern LB

Der Streit um die Formel 1 geht zurück auf zwei Skandale in der deutschen Medienbranche zu Beginn des Jahrtausends: den Absturz des Münchner Medienunternehmens EM.TV und den später folgenden Zusammenbruch des wesentlich größeren Kirch-Konzerns, der ebenfalls der bayerischen Landeshauptstadt ansässig war. EM.TV - das Vorgängerunternehmen von Constantin Medien - hatte sich im Jahr 2000 unter anderem mit einem groß angelegten Einstieg bei der Formel 1 verhoben. Als Retter sprang damals die Kirch-Gruppe ein. Sie wurde Aktionär bei dem Filmrechtehändler und kaufte ihm zudem den Löwenanteil seiner Beteiligung an dem Rennzirkus ab.

Der mittlerweile verstorbene Medienmogul Leo Kirch wiederum verpfändete das Paket als Sicherheit für einen Milliardenkredit an die BayernLB. Darunter waren aber nicht nur seine eigenen Formel-1-Anteile, sondern auch der 16,7-prozentige Rest, der noch immer EM.TV gehörte. Diese Option hatte sich Kirch bei der Rettung von EM.TV ausbedungen. Als die Formel 1 nach der Kirch-Pleite 2002 an die BayernLB fiel, kam es prompt zum Streit. Die neue EM.TV-Führung beharrte auf ihrem 16,7-Prozent-Paket, einigte sich dann aber mit der Bank auf einen Vergleich: EM.TV veräußerte die Beteiligung für 8,5 Millionen Euro an das Institut und ließ sich einen Nachschlag für den Fall zusichern, dass die BayernLB bei einem Weiterverkauf mehr als ihren Kreditanspruch erlösen sollte. Auf diese Vereinbarung stützt Constantin nun die Klage gegen Ecclestone und Gribkowsky.

Quelle: n-tv.de

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