Wirtschaft
Was passiert, wenn Griechenland pleite ist?
Was passiert, wenn Griechenland pleite ist?(Foto: picture alliance / dpa)

Letzter Akt im Griechenland-Drama?: Eine Pleite und die Folgen

Die Pleite Griechenlands wird derzeit genauso heftig diskutiert wie ein möglicher Austritt oder Rauswurf des Landes aus der Eurozone. Aber was würde die Insolvenz eigentlich bedeuten - für die Griechen, die Deutschen, die Banken, die Eurozonen-Wirtschaft?

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Für das mit gut 350 Mrd. Euro verschuldete Griechenland wird es eng: Am Wochenende hat Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker ein Tabu gebrochen und eine Staatsleite öffentlich als reale Möglichkeit benannt. Am Montag setzten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Regierung in Athen weiter unter Druck. Auch innenpolitisch wird in Deutschland immer offener ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone diskutiert. Welche Folgen hätte aber eine Insolvenz?

Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft

Scheitern die Verhandlungen mit der Eurozone und dem IWF über ein zweites Hellas-Hilfspaket im Umfang von 130 Mrd. Euro, geht voraussichtlich im März das Licht aus. Der Regierung in Athen bliebe wohl keine Wahl mehr, als einen Zahlungsstopp für die Staatsschulden zu verkünden. Fraglich wäre auch, ob der Staat weiter in vollem Umfang Gehälter an Lehrer, Polizisten und andere Beamte bezahlen könnte. Unternehmen wie Baufirmen müssten außerdem darum bangen, ob der Staat Rechnungen begleichen kann.

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Der Zahlungsstopp würde in erster Linie griechische Banken treffen, die mit etwa 50 Mrd. Euro die meisten Anleihen halten. Weil sie die Papiere nicht mehr als Sicherheiten für Darlehen bei der EZB hinterlegen könnten, stünden sie vor dem Kollaps. Die Bürger würden wohl wie beim Bankrott Argentiniens 2011/2 ihre Bankfilialen stürmen, um ihr Erspartes zu retten.

Experten rechnen damit, dass die Geldhäuser verstaatlicht würden. Außerdem würden Obergrenzen eingeführt, wie viel Geld die Bürger pro Woche abheben dürften. Wie in ähnlichen Fällen würden Überweisungen von Geld in andere Länder wohl untersagt.

Bei einem Unternehmen würde nun ein Insolvenzverwalter installiert, den es für Staaten nicht gibt. Als Mittler würden voraussichtlich - getrennt für private und öffentliche Gläubiger - zwei internationale Gremien mit Erfahrungen bei Umschuldungen eingeschaltet: der Londoner und der Pariser Club. Sie würden mit der Regierung feilschen, wie viel das Land noch rückzahlen kann.

Die Regierung könnte versuchen, ihr Heil in einem Austritt aus der Eurozone zu suchen und die Drachme wieder einführen. Die neue alte Währung würde Experten zufolge um mindestens 50 Prozent zum Euro abwerten. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft schlagartig verbessern, weil sich griechische Produkte im Ausland massiv verbilligen würden. Allerdings würde auch die Schuldenlast relativ betrachtet stark steigen: Denn der Staat und große Unternehmen haben sich in Euro verschuldet.

Ansteckungsgefahr in der Eurozone

Eine Staatspleite Griechenlands wäre auch ein Sündenfall für die Eurozone: Sie hätte es nicht geschafft, Griechenland zu retten, warum sollte es in anderen Fällen anders sein? Sofort würden die Kapitalmärkte auch eine Pleite Portugals und wohl auch Italiens und Spaniens durchspielen: Schon heute fallen und steigen die Risikoaufschläge für portugiesische Anleihen parallel zu den griechischen - je nachdem, welche Signale aus Athen kommen.

Die direkten Folgen der Pleite für die Wirtschaft der Eurozone dürften indes nicht mehr so groß sein wie noch vor zwei Jahren. Denn viele Banken haben ihre Hellas-Bonds bereits deutlich abgeschrieben und Risikopuffer gebildet. Insgesamt dürften sie nominal noch rund 40 Milliarden Euro in den Büchern halten.

Auch die Folgen für den international verzweigten Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) werden nicht mehr als so gravierend eingeschätzt. Das Volumen ausstehender CDS, die fällig würden, wird auf unter 4 Mrd. Euro geschätzt.

Zeche wartet auch auf Deutschland

Größter deutscher Einzelgläubiger Griechenlands ist die Commerzbank, die Ende September noch mit knapp 3 Mrd. Euro engagiert war. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank waren es Ende 2011 weniger als 500 Mio. Euro. Wie es in anderen Ländern aussieht, ist unklar.

Bei einer Staatspleite wäre außerdem fraglich, was aus den Krediten wird, die Deutschland und die anderen Euro-Länder unter dem ersten Hellas-Hilfspaket überwiesen haben. Aus dem Programm mit einem ursprünglichen Volumen von 110 Mrd. Euro sind schon 73 Mrd. Euro nach Athen geflossen. Davon kamen gut 15 Mrd. Euro von der deutschen Staatsbank KfW.

Die KfW-Kredite sind vollständig durch den Bundeshaushalt abgesichert: Jeden Verlust müsste der Steuerzahler ersetzen.

Nur der Internationale Währungsfonds, der bis jetzt mit Krediten von 20 Mrd. Euro geholfen hat, würde wohl glimpflich davonkommen: Er genießt bevorzugten Gläubigerstatus.

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Quelle: n-tv.de

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