Wirtschaft
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"Auf ganzer Linie versagt": Energiekonzerne poltern gegen EU

Seit über einem Jahrzehnt wird die Energiewende in mehreren europäischen Ländern subventioniert. Dies sorgt für ein kontinuierliches Steigen der Strompreise. Mehrere Energieriesen fordern nun eine Ende dieser Praxis - auch zum eigenen Nutzen.

Mehrere große europäische Energieunternehmen attackieren die Energiepolitik der EU. In einem gemeinsamen Aufruf forderten zehn Konzernchefs, deren Unternehmen insgesamt rund die Hälfte der europäischen Stromerzeugungskapazitäten auf sich vereinigen, die Subventionen für Wind- und Solarenergie zu beenden. Das bestehende System habe die Stromrechnungen für Haushalte und Unternehmen in die Höhe getrieben. Zudem bestehe die Gefahr von Stromausfällen in ganz Europa.

Zudem drängten die Vorstandschefs die Behörden dazu, besser für die Sicherheit und Stabilität der stark vernetzten europäischen Stromnetze zu sorgen. Erzeuger sollten auch dafür vergütet werden, wenn sie Kapazitäten bereithalten. Die Gruppe, in der Konzerne wie Eon, RWE, GDF Suez und Eni vertreten sind, sehen den Ausgangspunkt für die in ihren Augen fehlgeleitete Energiepolitik zur Jahrtausendwende. Damals waren die meisten europäischen Regierungen dazu übergegangen, die erneuerbaren Energien zu fördern.

Jahrelange Subventionen

Allerdings ist die Kritik der europäischen Kraftwerksbetreiber nicht neu. Der Wandel zu erneuerbaren Energien bedroht das traditionelle Erzeugungsgeschäft aus Atom und Kohlekraft. Verschärft wurde der Streit durch die ökonomischen Verwerfungen in Europa, die den Unmut von Unternehmen und Privatleuten über die steigenden Energiekosten verstärkt haben.

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Um die Jahrtausendwende begannen etwa Deutschland, Frankreich und Italien, Wind- und Solarenergie zu subventionieren, um die Abhängigkeit der EU von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und um die Strompreise zu senken. "Wir haben auf ganzer Linie versagt", stellte GDF-Chef Gerard Mestrallet der Politik ein schlechtes Zeugnis aus. "Europa wird von Stromausfällen bedroht, Preise klettern in die Höhe, und die CO2-Emissionen steigen", sagte der Manager. Die EU-Kommission will sich kommende Woche mit dem Thema befassen.

Unter dem derzeitigen Subventionsmechanismus profitieren die Erzeuger von Solar- und Windenergie von der bevorzugten Einspeisung ins Stromnetz und genießen garantierte Preise. In Frankreich beispielsweise liegt der Großhandelspreis bei rund 40 Euro pro Megawatt, während Strom aus Windkraft unabhängig von der Nachfrage nicht unter 83 Euro kostet. Die Differenz bezahlt der Kunde. Ähnlich ist die Situation in Deutschland.

Das System hat Investoren für Wind- und Sonnenstromprojekte angelockt. Deutschland hat Wind- und Solarkapazitäten von 60 Gigawatt, was rund einem Viertel der Gesamterzeugungskapazität entspricht.

Investoren verdienen trotz sinkender Preise

Die Konzernchefs verwiesen darauf, dass der Subventionsmechanismus vor allem seit 2008 große Mängel aufweist. In der Finanzkrise glitten viele europäische Länder in die Rezession. Obwohl die Stromnachfrage in einigen Ländern stagnierte oder fiel und die Großhandelspreise drückte, schaufelten die Investoren dank der garantierten Tarife weiterhin Geld in Solar- und Windkraftkapazitäten.

Derweil klettern die Strompreise weiter. Im Durchschnitt sind sie für Haushalte nach Steuern in den vergangenen vier Jahren um 17 Prozent und für Unternehmen um gut ein Fünftel europaweit gestiegen, wie aus Daten von Eurostat hervorgeht.

Um Überkapazitäten abzubauen, haben die Konzerne fossile Kraftwerke runtergefahren, deren Betrieb nicht länger profitabel ist. In den vergangenen vier Jahren seien Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 51 Gigawatt vom Netz genommen worden, sagte Mestrallet. "Das ist, als würde man die Hälfte der Stromerzeugungskapazitäten Frankreichs auslöschen oder die von Belgien, der Tschechischen Republik und Portugal zusammen", sagte er.

Analysten werten dies als gefährlichen Trend. Denn anders als die schwankenden Energiequellen Wind und Sonne sind Gaskraftwerke zentral wichtig für die Netzstabilität, denn sie kurzfristig hochgefahren aber auch wieder vom Netz genommen werden.

Quelle: n-tv.de

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