Wirtschaft
Die Zeitung scheint als Medium ein überholtes Relikt.
Die Zeitung scheint als Medium ein überholtes Relikt.(Foto: picture alliance / dpa)

Unaufhaltsames Zeitungssterben : Entlassungswelle ebbt nicht ab

Entlassungen und Umstrukturierungen in Verlagen halten an: Durch das Zeitungssterben gehen so viele Stellen verloren wie seit der Gründung der Bundesrepublik. Die Aussichten auf eine neue Anstellung für Journalisten sind düster.

Die deutsche Presse erlebt nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik. "Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen", sagte ein Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg.

Verlage hatten wegen gesunkener Erlöse auf dem Print-Anzeigenmarkt zuletzt Schließungen, den Abbau von Arbeitsplätzen oder Umstrukturierungen angekündigt. Insgesamt sind Hunderte Arbeitsplätze betroffen. Die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" erscheint am nächsten Freitag zum letzten Mal. Die "Frankfurter Rundschau" hatte vor rund zwei Wochen Insolvenz angemeldet. Schon Ende September war die "Abendzeitung Nürnberg" nach 93 Jahren eingestellt worden.

Allein die Insolvenz der "Frankfurter Rundschau" bedroht fast 500 Arbeitsplätze. Bei den Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien, zu denen die "FTD" gehört, sind mehr als 300 Mitarbeiter betroffen. Der "Berliner Verlag" ("Berliner Kurier", "Berliner Zeitung") sieht sich nach eigenen Worten zu der Einsparung von mindestens 40 Stellen gezwungen. Bei der Nürnberger "Abendzeitung" wurden 35 Mitarbeiter arbeitslos.

Wenig Chancen auf Neuanstellung

"Es ist ein schwieriger Markt im Augenblick", sagte die Sprecherin der Bundesagentur. "Die Chancen, dass gerade die Kollegen aus dem Printbereich auch wieder im Printbereich unterkommen, sind nicht wahnsinnig gut." Es gebe Alternativen im Online-Bereich oder in der Unternehmenskommunikation.

"Es wird aber sicher für viele schwierig werden, wieder im Journalismus unterzukommen", erklärte die Sprecherin. "Man kann auch schauen, sich mit freiberuflicher Tätigkeit selbstständig zu machen, aber da braucht man sehr viel Durchhaltevermögen." Die Arbeitsagenturen setzten bei arbeitslosen Journalisten vor allem auf Eigeninitiative, die Agentur könne weniger vermittelnd als beratend tätig werden.

Vorkötter warnt vor Zukunft

Für den früheren Chefredakteur der schwer angeschlagenen "Frankfurter Rundschau", Uwe Vorkötter, sind die Massenentlassungen auf dem Medienmarkt nur der Beginn einer Pleitewelle. "Die Krise, die seit Jahren beschworen wird, hat ihre ersten beiden prominenten Opfer gefordert. Es werden nicht die letzten sein", schreibt Vorkötter in einem Gastbeitrag für das "medium magazin".

Vorkötter warnte die Branche zudem vor weiteren Sparrunden ohne Konzepte für den digitalen Wettbewerb. "Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher. Dann werden bald auch die Starken schwach", schreibt Vorkötter (58). Er hatte bis zum vergangenen Juni die "FR" und das Schwesterblatt "Berliner Zeitung" mit geleitet.

Quelle: n-tv.de

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