Wirtschaft
Eon-Konzernumbau wegen Atomausstieg kommt voran.
Eon-Konzernumbau wegen Atomausstieg kommt voran.(Foto: REUTERS)

Stromnachfrage noch zu gering: Eon wieder auf Kurs

Der Energieriese Eon spürt zwar die Folgen der Euro-Schuldenkrise. Ein neuer Vertrag mit Gazprom hebt aber die Stimmung. Der Umbau des Konzerns kommt laut Vorstand zudem voran. Die Kosten sollen dennoch weiter gesenkt werden.

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Der beschleunigte Atomausstieg beschert Eon das schwächste Jahr der Unternehmensgeschichte. Doch diese Zeiten scheinen endgültig ad acta gelegt: Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz und der Gewinn kräftig. Dabei sorgten vor allem die neu verhandelten Gaslieferverträge mit Gazprom für einen kräftigen Schub, wie aus dem Halbjahresbericht hervorgeht. Eon hatte in der Vorwoche bereits erste Eckdaten veröffentlicht.

Die guten Zahlen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schuldenkrise sich auch bei Eon bemerkbar macht. "Während wir beim Gashandel eine positive Wendung erreichen konnten, leiden Auslastung, Preise und Margen in unserem Erzeugungsgeschäft in Europa immer noch an der geringen Nachfrage nach Strom", sagte Konzernchef Johannes Teyssen. Er will auch weiter einzelne Standorte auf ihre Wirtschaftlichkeit prüfen und sie notfalls schließen. Zudem sollen die Kosten weiter gesenkt werden.

Ausblick angehoben

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Eon hat auf die Energiewende in Deutschland mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm reagiert. Es wird massiv an der Kostenschraube gedreht und Unternehmensteile im Volumen von insgesamt 15 Mrd. Euro werden veräußert. Diesem Ziel sei der Konzern "bereits sehr nahe gekommen", so Teyssen. Zuletzt wurde der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe für 3,2 Mrd. Euro abgestoßen, außerdem die Verhandlungen über den Verkauf der Anteile an drei deutschen Regionalversorgern aufgenommen.

Das Gasgeschäft dagegen ist nach der Gasprom-Einigung laut Teyssen "keine strategische Baustelle mehr". Anfang Juli hatte Eon einen Durchbruch vermelden können, nachdem das Unternehmen mittlerweile 100 Prozent der langfristigen Gaslieferverträge neu verhandelt hat.

Gleichzeitig hob Eon den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr an: Ein Konzern-EBITDA zwischen 10,4 Mrd. und 11 Mrd. Euro sowie einen nachhaltigen Konzernüberschuss zwischen 4,1 Mrd. und 4,5 Mrd. Euro will das Unternehmen erreichen.

Eon "gut positioniert"

Die bisherigen Vereinbarungen koppelten den Gas- an den Ölpreis. Da sich Gas auf dem Markt aber in der Zwischenzeit deutlich verbilligt hat, musste der Konzern bei seinen Lieferanten mehr Geld für das Gas berappen als er bei seinen eigenen Großkunden erlöste. RWE hat im Gegensatz zu Eon immer noch daran zu knabbern. Deutschlands Versorger Nummmer Zwei steckt derzeit noch mitten in den Verhandlungen. RWE legt die Geschäftszahlen für das zweite Quartal am Dienstag vor.

Analyst Hasim Sengül von der DZ Bank sieht Eon nach dem Durchbruch in einem schwierigen Umfeld gut positioniert. "Nach den erfolgreichen Gesprächen mit Gazprom sehen wir das Unternehmen auf einem guten Weg zu weiterem Wachstum", sagte der Analyst. Allerdings stehe der gesamte Sektor vor großen Herausforderungen angesichts der schwachen Nachfrage nach Gas und Strom, was auf Effizienz und Margen drücke.

Gewinn verdreifacht

Im ersten Halbjahr verdiente Eon dennoch prächtig. Der Konzern bestätigte den vor einer Woche vermeldeten Gewinnsprung. Der vielbeachtete nachhaltige Konzernüberschuss, den das Unternehmen um nicht wiederkehrende Effekte bereinigt, legte um 2,4 Mrd. auf 3,3 Mrd. Euro zu. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) stieg von 4,3 Mrd. auf 6,7 Mrd. Euro.

Unterm Strich verdiente Eon im ersten Halbjahr 2,9 Mrd. Euro, das ist mehr als drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte Ebit konnte Eon auf 4,87 Mrd. Euro verdoppeln. Der Umsatz legte um knapp ein Viertel auf 65,4 Mrd. Euro zu.

Eon-Aktien legten zeitweise fast zwei Prozent zu. Seit Jahresbeginn sind es damit mehr als sieben Prozent. Der Dax kommt auf etwa 20 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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