Wirtschaft

Verstrahlte Schiffe aus JapanEuropas Häfen rüsten sich

30.03.2011, 18:16 Uhr

Die Ereignisse in Japan stellen auch für die Hafenbetreiber und Reedereien in Europa eine neue Herausforderung dar. Fieberhaft arbeiten sie an Maßnahmen für den Umgang mit verstrahlten Schiffen. In Hamburg werden die ersten Schiffe aus Japan Mitte April erwartet. Die Einfuhren sollen laut Verbraucherschutzministerin Aigner mehrfach kontrolliert werden.

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Am Hamburger Hafen gibt es keine Erfahrungen mit dem Umgang mit verseuchten Schiffen. (Foto: dpa)

Hafenbetreiber und Reedereien in Europa bereiten sich auf das Eintreffen radioaktiv kontaminierter Schiffe aus Japan vor. Die Hamburger Innenbehörde erarbeitet derzeit gemeinsam mit der Hafenbehörde und dem Zoll Maßnahmen für den Umgang mit verstrahlten Schiffen. Sie dringen dabei auf Empfehlungen des Bundes, weil niemand Erfahrungen mit dem Umgang mit verseuchten Frachtern hat.

"Wir warten auf Richtwerte des Bundesamtes für Strahlenschutz", sagte ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde. Benötigt werde "mindestens eine bundesweite Lösung". Am besten wären europaweite Regeln. Konkrete Vorgaben waren weder von der Strahlenschutzbehörde in Salzgitter noch vom Bundesumweltministerium in Berlin zu erhalten.

"Die ersten Schiffe aus Japan werden Mitte April erwartet", sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Die Situation werde genau beobachtet. "Und dann wird auch zu entscheiden sein, ob und welche Maßnahmen getroffen werden müssen."

Mehrfache Kontrolle

Während in den Häfen erste Vorbereitungen getroffen werden und Logistikkonzerne den Schutz ihrer Arbeiter vorbereiten, sind Verbraucher nach Einschätzung von Experten trotz der Atomkatastrophe von Fukushima offenbar noch wenig besorgt. Japanische Produkte würden nach wie vor gekauft. Dennoch hinterlasse die Katastrophe ihre Spuren im Konsumklima, weil die Stimmung durch den drohenden Super-GAU belastet werde.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner kündigte eine mehrfache Kontrolle der Einfuhren aus Japan an, die insgesamt nur drei Prozent der deutschen Importe ausmachten. Beim Besuch der Importkontrollen am Frankfurter Flughafen sagte die CSU-Politikerin, jede Ladung, die Deutschland erreiche, werde überprüft.

Strahlenmessgeräte in Häfen gefragt

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Ilse Aigner: "Jede Ladung aus Japan wird überprüft." (Foto: dpa)

Deutschland hat den Vorteil, dass Schiffe aus Japan in der Regel zuerst einen anderen europäischen Hafen anlaufen. Frachter werden also vorher überprüft, bevor sie etwa in der Elbe einlaufen. In Europas größtem Hafen Rotterdam verlangt die Hafenbehörde der "Financial Times Deutschland" zufolge inzwischen, dass Reedereien schriftlich garantieren, dass aus Asien einlaufende Frachter nicht verstrahlt sind. Ein Hafenteam prüfe vor Ort die Strahlenbelastung, berichtete das Blatt. Erik van der Noordaa, Chef der Schiffsprüfungsgesellschaft Germanischer Lloyd, räumte gegenüber der Zeitung ein, dass es noch keine Lösung zum Umgang mit den Schiffen gebe.

"Wenn ganze Schiffe verstrahlt sind, haben wir ein Problem", sagte der Sprecher der Hamburger Innenbehörde. Anders sei dies bei einzelnen kontaminierten Containern. "Mit kleinen Mengen kommen wir gut klar." Der Hamburger Hafenlogistikkonzern HHLA rechnet damit, dass belastete Schiffe zurückgeschickt oder an einen anderen Ort beordert werden, wo sie dekontaminiert werden können.

Für Schiffseigner wird die Lage nach der Atomkatastrophe in den Gewässern vor der Ostküste Japans immer brenzliger. Die Reederei Hapag-Lloyd zog im Umkreis von 100 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk von Fukushima vorsorglich alle Container aus dem Verkehr. Die Boxen werden in Depots gelagert - beladen oder leer. Außerhalb dieses Radius' lasse Hapag-Lloyd Container vor dem Verladen auf Verstrahlung untersuchen, sagte eine Sprecherin.

Quelle: wne/rts