Wirtschaft
Der französische Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty ist sicher: Der Kapitalismus fördert ökonomische Ungleichgewichte enorm.
Der französische Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty ist sicher: Der Kapitalismus fördert ökonomische Ungleichgewichte enorm.(Foto: REUTERS)

Kapitalismuskritik in der Kritik: "FT" greift Ökonom Piketty an

Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer. Was wie eine linke Stammtischparole klingt, ist auch eine Feststellung des Ökonoms Thomas Piketty. In seinem Buch will er sie wissenschaftlich bewiesen haben. Doch nun muss er sich gegen Kritik wehren.

Slums und Bankentürme in Panama: Piketty zufolge kann der einfache Arbeitslohn nie den Vermögenszuwachs durch schon vorhandenes Kapital einholen.
Slums und Bankentürme in Panama: Piketty zufolge kann der einfache Arbeitslohn nie den Vermögenszuwachs durch schon vorhandenes Kapital einholen.(Foto: REUTERS)

Mit seiner auf Wirtschaftsdaten aus mehreren Jahrzehnten gestützten These, dass die Erträge auf Kapitalanlagen in aller Regel das Gesamtwachstum einer Volkswirtschaft übersteigen, sorgte der französische Ökonom Thomas Piketty unlängst in Politik und Medien für Aufsehen. Die sich daraus ergebende Schlussfolgerung, dass Reiche immer reicher und Arme verhältnismäßig immer ärmer werden, stieß sogar bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf Zuspruch, obwohl diese sonst nicht unbedingt als große Kapitalismuskritikerin bekannt ist.

Doch nun sieht sich der 43-Jährige Autor des bisher noch nicht auf Deutsch erschienenen Bestsellers "Capital in the 21st Century" ("Das Kapital im 21. Jahrhundert") von der Zeitung "Financial Times" ("FT")grundsätzlicher Kritik an seinem Werk ausgesetzt. Piketty habe bei seinen Berechnungen zur Einkommensungleichheit, dem zentralen Bestandteil seines Buches, bei der Definition seiner Werte sowie bei der Nennung von Quellen etliche Fehler gemacht. Überdies seien manche Zahlen offenbar glatt erfunden, wie die Zeitung schreibt.

"'Financial Times' sagt nicht die Wahrheit"

Nachdem der Zeitungsautor Chris Giles nach eigenen Angaben eine Neuberechnung von Pikettys Modellen vornahm, zeigte sich ihm angeblich ein gänzlich anderes Resultat. Die Feststellung, dass die Ungleichheit in den letzten 30 Jahren gewachsen sei und dass die USA prinzipiell ungleicher seien als Europa, stelle sich damit als hinfällig heraus. Der "zentrale Widerspruch des Kapitalismus", wie Piketty die Tendenz zur Ansammlung von Geld in den Händen einiger weniger nennt, sei damit null und nichtig, so Giles.

Piketty selbst verwahrt sich entschieden gegen die Kritik derZeitung. Er nannte die Aussagen des Blattes "lächerlich". Wie der Ökonom in der britischen Zeitung "The Guardian" sagte, würden außer der "Financial Times" "alle ihre Zeitgenossen anerkennen, dass die größten Vermögen am schnellsten gewachsen sind".  Zwar seien die verfügbaren Daten zum Teil "unvollkommen", doch bliebe seine zentrale Aussage über die wachsende Ungleichheit davon unberührt.

"Die 'Financial Times' sagt nicht die Wahrheit, wenn sie dadurch meine Ergebnisse infrage stellt", entgegnete Piketty. Er habe keinen Zweifel daran, dass sein historischer Datensatz verbessert werden könne und auch in der Zukunft weiter verbessert werde, weshalb er die Zahlen schon längst online zur Verfügung gestellt habe. "Doch ich wäre sehr überrascht, wenn eine meiner Schlussfolgerungen über die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung sich dadurch ändern würde."

Lob vom Nobelpreisträger

In seinem Buch analysiert der Franzose wirtschaftliche Kennziffern aus zwei Jahrhunderten und 20 Ländern. Er folgert, dass sich die westliche Welt derzeit auf ein Niveau der Ungleichheit zubewegt, wie es zuletzt um das Jahr 1900 bestand. Ein Ausweg aus dem Prozess der punktuellen Kapitalanhäufung bestünde laut Piketty in der stärkeren Besteuerung großer Vermögen.

Die Ergebnisse stießen unter anderem bei den Wirtschaftsberatern von US-Präsident Barack Obama auf großes Interesse, die den Professor bereits zu einem Treffen einluden. Auch Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman sprang seinem jungen Kollegen schon zur Seite. "Jeder der glaubt, die ganze Idee von der wachsenden Einkommensungleichheit sei widerlegt, wird mit Sicherheit enttäuscht werden", schrieb Krugman in seinem Blog.

Quelle: n-tv.de

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