Wirtschaft
Hat mit Apple viel vor: Carl Icahn.
Hat mit Apple viel vor: Carl Icahn.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Nächste, bitte!: Finanzhai Icahn knöpft sich Apple vor

Von Jan Gänger

Das nennt man wohl Einfluss: Der Milliardär Carl Icahn kündigt an, er werde einen Brief an Apple-Chef Tim Cook schreiben. Und schon legt die Aktie deutlich zu. Für den Konzern ist das keine gute Nachricht.

Apple-Chef Tim Cook hat ein Problem. Es ist 78 Jahre alt, hartnäckig, schwer reich und heißt Carl Icahn. Wie schmerzhaft eine Auseinandersetzung mit dem unerbittlichen Milliardär sein kann, bekam jüngst Ebay-Chef John Danahoe zu spüren.

Standhaft weigerte er sich, die Forderung des Aktionärs Icahn zu erfüllen und den Bezahldienst Paypal abzuspalten. Doch am Ende setzte der Investor wie so häufig seinen Willen durch. Paypal wird an die Börse gebracht. Mehr noch: Danahoe muss den Chefposten räumen.

Und nun ist Apple an der Reihe. Die bewährte Strategie von Icahn ist knallhart und überaus erfolgreich. Er kauft Aktien eines Unternehmens und fordert vom Management radikale Schritte, um kurzfristig davon zu profitieren. Ob Dividendenerhöhung, Aktienrückkauf oder Abtrennen von Unternehmensteilen - langfristig mag das keine gute Idee sein. Doch kurzfristig zahlt sich das für Aktionäre aus. Und so gelingt es Icahn, selbst mit geringen Beteiligungen seinen Willen durchzusetzen, indem er andere Investoren auf seine Seite zieht.

Was für einen gewaltigen Einfluss Icahn hat, demonstrierte er eindrucksvoll Mitte der Woche. Er kündigte auf Twitter lediglich an, dass er einen interessanten Brief an Cook schreiben werde. Sofort stieg die Aktie um mehr als zwei Prozent. Icahn ist an Apple mit 0,9 Prozent beteiligt. Sein Aktienpaket von etwa 53 Millionen Stück war somit rund 100 Millionen Dollar wertvoller als zuvor.   

Der Inhalt des Briefes war dann wenig überraschend: Der Aktionär Icahn startet einen neuen Angriff auf die Bargeld-Reserven des iPhone-Herstellers in Höhe von 133 Milliarden Dollar.  Die soll Apple nicht etwa in Forschung, Entwicklung oder höhere Löhne investieren, sondern in Icahns Sinne. Seine Forderung trug er ungewöhnlich freundlich vor: Cook und sein Team lieferten exzellente Arbeit, Anleger würden das aber nicht ausreichend schätzen, deshalb sei Apple an der Börse leider unterbewertet. Um den Kurs auf ein angemessenes Niveau zu hieven, solle das Unternehmen mehr eigene Aktien zurückkaufen.

Wie schnell sich der Ton ändern kann, hatte Icahn im vergangenen Jahr gezeigt. Nachdem er bei Apple eingestiegen war, verlangte er lautstark, die Aktienrückkäufe auszuweiten. Cook hörte nicht auf ihn, im Februar gab er vorerst Ruhe. Im April hob Apple dann den Rahmen für Aktienrückkäufe von 60 auf 90 Milliarden Dollar an. Auch die Dividende wurde angehoben.

Doch das reicht Icahn nicht. Sein Ziel: Der Kurs der Apple-Aktie soll auf rund 200 Dollar steigen und sich somit verdoppeln.

Es braucht also viel, bevor Icahn Ruhe gibt. So jovial sein Brief an Cook auch ist, der Apple-Chef wird wissen, wie der Milliardär tickt. Schließlich gilt er als Vorbild des skupellosen Gordan Gekko in Oliver Stones Film "Wall Street". Dessen bekanntester Satz soll von Icahn stammen: "Wenn du einen Freund brauchst, kauf' dir einen Hund."

Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Version des Textes hatten wir das Apple-Aktienpaket von Icahn versehentlich auf rund 53 Millionen Dollar beziffert - und nicht auf etwa 53 Millionen Stück. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: n-tv.de

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