Wirtschaft

Letztes Rating vor der Staatspleite: Fitch gibt Athen den Rest

Als letzte der drei großen Ratingagenturen senkt Fitch ihr Urteil über die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf die schlechteste Stufe vor einem tatsächlichen Zahlungsausfall. Wahrlich schocken kann Fitch an den Märkten damit indes niemanden mehr. Allzu große Eile verspürt auch in der Politik niemand, denn ein eigentlich für Freitag angedachter Euro-Sondergipfel soll nun in der kommenden Woche stattfinden.

(Foto: AP)

Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Griechenland erneut kräftig heruntergestuft. Die Agentur verpasste Griechenland die Note "CCC". Dies ist mehrere Stufen unter der bisherigen Bewertung "B+" und die schlechteste Note vor einem Zahlungsausfall.

Die Herabstufung resultiere daraus, dass es bislang kein neues, komplett finanziertes und glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm von EU und IWF gebe. Schuld sei auch der sich verschlechternde wirtschaftliche Ausblick für das Land sowie die Ungewissheit über die Beteiligung privater Gläubiger an einem zweiten Rettungspaket, erklärte Fitch. Die beiden Konkurrenten Standard&Poor's und Moody's hatten Athen eine vergleichbare Stufe bereits Mitte bzw. Anfang Juni verpasst.

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Der Euro reagierte nicht in stärkerem Ausmaß auf die Herabstufung, sondern konnte seine im Tagesverlauf erzielten Kursgewinne bis auf über 1,41 US-Dollar verteidigen. Die zehnjährigen griechischen Anleihen verzeichneten lediglich einen kleinen Renditeaufschlag, sie rentieren aktuell mit 16,975 Prozent.

Die Regierung in Athen reagierte mit Unverständnis auf die Herabstufung. Die Eurogruppe habe vergangenen Montag beschlossen, das neue Hilfsprogramm bis zum 15. September zu schnüren und es in die Tat umzusetzen, hieß es in Athen. Man müsse sich also wundern, "warum Fitch heute diese Erklärung ausgab, obwohl das Programm der Eurozone und des IWF beschlossen und bekannt ist", erklärte das Finanzministerium in Athen. Die Aktion von Fitch werde das Banksystem Griechenlands nicht beeinflussen. Fitch werde zudem "in der Realität eine Antwort bekommen, sobald das (Rettungs-)Programm voll und ganz in die Tat umgesetzt wird", hieß es weiter.

Derweil sendete auch der Internationale Währungsfonds frische Hiobsbotschaften in Richtung Griechenland. Der IWF erwartet für das Land eine noch schlimmere Rezession als bislang befürchtet. Trotz des Sparprogrammes würden auch die Schulden stärker steigen. Die Euroländer müssten sich entscheiden, wie sie dem Land helfen wollten. Eine Beteiligung privater Investoren sei angemessen. Für dieses Jahr geht der IWf nach eigenem Bekunden davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um 3,8 Prozent schrumpft. Bislang wurden 3,0 Prozent erwartet. Die Schuldenquote werde wohl im Jahr 2012 mit 172 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ihren Höhepunkt erreichen.

Sondergipfel verzögert sich

Der Sondergipfel zur Euro-Schuldenkrise wird nach Informationen aus EU-Kreisen wahrscheinlich erst für die kommende Woche einberufen. Das Spitzentreffen werde aber erst stattfinden, wenn es eine Einigung über die Beteiligung der Privatgläubiger am zweiten Rettungspaket für Griechenland gebe, erklärten mehrere EU-Diplomaten. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte den Krisengipfel angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten zunächst schon für Freitagabend geplant. Doch Deutschland bestand darauf, dass erst eine Lösung in der Kontroverse gefunden werden müsse.

Eine Regierungssprecherin erklärte, die Finanzminister müssten zunächst die Einzelheiten des neuen Hilfspakets festlegen. Andere Euro-Länder halten dagegen das Treffen der Chefs für notwendig, weil sich die Finanzminister am Montag erneut nicht einigen konnten und die Märkte darauf mit Panikverkäufen von Staatsanleihen und Bankaktien reagierten.

Auch unter großem Druck ist aus einem Euro nicht mehr als ein Euro herauszuholen.
Auch unter großem Druck ist aus einem Euro nicht mehr als ein Euro herauszuholen.(Foto: dpa)

Die Euro-Länder stehen unter enormem Druck, ihren Streit über die Beteiligung des Privatsektors an neuen Milliardenhilfen für Griechenland beizulegen. An den Finanzmärkten werden noch stärkere Turbulenzen zu befürchten, sollte der Gipfel nicht zustande kommen oder Beschlüsse weiter ausbleiben.

Rote Linien überschreiten

Ein EU-Diplomat sagte, beim Gipfel gehe es vor allem um die Möglichkeit, die privaten Gläubiger zur Rettung heranzuziehen und über einen Rückkauf griechischer Staatspapiere. Dazu müssten aber rote Linien überschritten werden: Die von Deutschland geforderte Gläubigerbeteiligung über einen Anleihetausch wäre nicht zu haben, ohne dass die Rating-Agenturen Griechenland den Makel eines "teilweisen Zahlungsausfalls" verpassen. Das hatte der jüngste EU-Gipfel ausgeschlossen. Der Euro-Rettungsfonds EFSF soll außerdem Anleiherückkäufe am Sekundärmarkt finanzieren - auch das galt bisher als Tabu.

Diskutiert werde ein Konzept, dass Griechenland eigene Staatsanleihen zurückkauft und dafür im Durchschnitt 50 Prozent des Nominalwertes zahlt, berichtete die "Financial Times Deutschland". Die Verschuldung solle so von derzeit über 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 120 Prozent - absolut um 70 Mrd. Euro - gesenkt werden. Nach der neuesten Prognose des Internationalen Währungsfonds erreicht der Schuldenberg im kommenden Jahr 172 Prozent. Sollte Griechenland das Ruder nicht herumreißen, seien die Schulden bis zum Ende des Jahrzehnts nicht mehr beherrschbar, warnte der Fonds. Ein Beitrag der Privatgläubiger sei angemessen, hieß es in seinem Bericht.

Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erläuterte, schon nach den aktuellen Regeln des EFSF sei es "theoretisch" möglich, Griechenland Geld für den Rückkauf seiner Anleihen zu geben. "In Kürze" sollen Vorschläge einer Arbeitsgruppe vorliegen. Deutschland wolle Einvernehmen mit der EZB. Diese lehnt es aber ab, Griechenland per Definition pleite gehen zu lassen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich außerdem gegen einen Anleiherückkauf aus. Das hätte hohe Kosten, einen geringen Nutzen und gefährliche Nebenwirkungen zur Folge, warnte er in der "Zeit".

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Quelle: n-tv.de

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