Wirtschaft

Drohung gegen Eurostaaten: Fitch zieht nach

Nach Standard & Poor's holt nun auch Fitch den Hammer heraus: Die amerikanische Ratingagentur erwägt die Harbstufung mehrerer Eurostaaten. Dazu gehören Frankreich, Italien und Spanien. Fitch ist besonders unzufrieden mit den Ergebnissen des jüngsten EU-Gipfels.

(Foto: dpa)

Wegen der Schuldenkrise hat auch die Ratingagentur Fitch mehreren Eurostaaten mit einer Senkung ihrer Bonitätsnote gedroht, darunter Frankreich, Italien und Spanien. Zwar bestätigte Fitch Frankreichs Spitzenrating AAA, setzte aber den Ausblick auf negativ von zuvor stabil. Damit könnte eine Herabstufung in den kommenden zwei Jahren erfolgen. Die Konkurrenzagentur Standard & Poor's(S&P) hatte in der vergangenen Woche gedroht, die Ratings fast aller Euromitglieder zu senken, darunter Deutschland und Frankreich.        

Fitch begründete seine Entscheidung mit höheren Risiken, die Frankreich im Zuge der Schuldenkrise eingehen müsse. Das französische Finanzministerium teilte mit, dass es die Bestätigung des AAA-Ratings zur Kenntnis genommen habe. Noch schärfer fiel das Urteil über Italien, Spanien, Irland, Belgien, Slowenien und Zypern aus: Hier drohte die Ratingagentur mit einer Herabstufung innerhalb von drei Monaten. Fitch fügte hinzu, dass die Überprüfung schon Ende Januar abgeschlossen sein könnte. Sollte sie zu einem negativen Ergebnis kommen, würden die Staaten voraussichtlich um ein bis zwei Noten herabgestuft.      

Hart ins Gericht ging Fitch außerdem mit den Ergebnissen des jüngsten EU-Gipfels, der eigentlich eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung der Schuldenkrise bringen sollte. Eine umfassende Lösung der Schuldenprobleme sei mit den Beschlüssen aber weder technisch noch politisch zu erreichen, urteile die US-Ratingagentur.

Ähnlich kritisch äußerte sich Weltbank-Chef Robert Zoellick. Die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme in der Euro-Zone seien alles andere als gelöst, sagte Zoellick. Besorgt zeigte sich der Amerikaner auch über die zunehmenden Spannungen zwischen Frankreich und Großbritannien. Die Politiker beider Länder sollten sich im Kampf gegen die Schuldenkrise ihrer Verantwortung bewusst sein und deshalb mehr Zurückhaltung üben.

Verstimmungen zwischen London und Paris

Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens hatten sich zuvor erneut einen verbalen Schlagabtausch im Streit über den Kurs in der Schuldenkrise geliefert. Die französische Kritik an der britischen Wirtschaft sei nicht akzeptabel, erklärte der stellvertretende britische Premierminister Nick Clegg nach einem Telefonat mit dem französischen Regierungschef Francois Fillon. Der hatte sich beklagt, dass die Ratingagenturen die britische Wirtschaft offensichtlich positiver bewerteten als die französische. Fillon rief Clegg an, um seine Äußerungen zu erklären. Der französische Politiker habe dabei seine Einschätzung klargestellt, dass die Ratingagenturen sich offenbar mehr an der Wirtschaftspolitik eines Landes als an der Höhe von Defiziten orientierten, erklärte Clegg.        

Der britische Premierminister David Cameron geriet bereits bei einem EU-Gipfel im Oktober mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy aneinander. Teilnehmern zufolge sagte Sarkozy damals: "Wir haben es satt, dass Sie uns ständig kritisieren und uns sagen, was wir tun sollen."

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Quelle: n-tv.de

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