Mittwoch, 09. November 2011
Panikartige Verkäufe: Flucht aus Italien-Bonds
Die Rücktritssankündigung von Italiens Ministerpräsident Berlusconi beruhigt die Investoren am Anleihemarkt nicht. Im Gegenteil: Die Kurse fallen weiter, die Renditen italienischer Staatsanleihen schießen entsprechend weiter in die Höhe. Erstmals klettern sie auf ein Rekordhoch von mehr als sieben Prozent.
Die erhoffte Entspannung am italienischen Anleihemarkt bleibt aus - trotz des angekündigten Rücktritts von Regierungschef Silvio Berlusconi. Im Gegenteil: Die Rendite der richtungsweisenden Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg erstmals seit Euro-Einführung über die Marke von sieben Prozent, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) Händlern zufolge diese Papiere aufkaufte, um die Kurse zu stützen. Daten der Handelsplattform Tradeweb zufolge lag das Tageshoch bei 7,12 Prozent.
Noch stärker war der Kursverfall bei den zweijährigen Papieren. Mit über sieben Prozent lag die Rendite auch erstmals seit der Euro-Einführung über derjenigen der zehnjährigen Bonds. Bereits bei Renditeniveaus über sechs Prozent mussten die Euro-Länder Griechenland, Irland und Portugal gerettet werden. Ein Automatismus leitet sich daraus nicht ab.
Die Rendite von 1-jährigen Papieren durchbrach derweil die 6-Prozent-Marke, was insbesondere mit Blick auf eine am Donnerstag anstehende Auktion solcher Papiere im Volumen von 5 Mrd Euro bedeutsam ist.
Ansturm auf deutsche Bonds
Viele Experten halten eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt für Italien auf diesem Niveau für langfristig kaum darstellbar. Dies gilt erst recht, da Italien mit einem ausstehenden Bond-Volumen von 1,6 Bill. Euro ein absolutes Schwergewicht am Anleihemarkt ist. Deutschland kennt diese Sorgen derzeit nicht. Zum Vergleich: Deutschland muss für zweijährige Staatstitel derzeit gerade mal 0,38 Prozent bieten.
Die Risikoaufschläge zu deutschen Staatsanleihen stiegen dementsprechend auf neue Rekordstände. Bei richtungsweisenden zehnjährigen Titeln liegt der Aufschlag mittlerweile deutlich über fünf Prozentpunkten: So muss Deutschland aktuell für zehnjährige Staatstitel lediglich 1,78 Prozent bieten. Hauptgrund ist die nach wie vor hohe Kreditwürdigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Zudem sorgt die Schuldenkrise seit Wochen für einen Ansturm auf deutsche Staatstitel, was zu steigenden Kursen und damit sinkenden Renditen führt.
"Viele versuchen einfach nur, ihre Positionen loszuwerden und nehmen dabei verrückte Preise in Kauf", kommentierte ein Händler des Datenanbieters LCH.Clearnet in London den Ausverkauf bei Italien-Anleihen. Möglicherweise kaufe die Europäische Zentralbank zur Stützung italienische Anleihen, aber sicher nicht in aggressivem Stil, solange die politische Situation in Italien unklar sei, ergänzt er.
Dem brutalen Ausverkauf war zu Beginn des Handels noch eine positive Stimmung nach der Rücktrittsankündigung Berlusconis vorausgegangenen, da mit dessen Abtritt Hoffnungen auf entschiedenere Maßnahmen Italiens zur Eindämmung der Schuldenkrise verbunden sind.
Euro im Sinkflug
Die panikartigen Verkäufe italienischer Anleihen spiegeln sich auch am Devisenmarkt wider, wo der Euro stark unter Druck steht und im Tagesverlauf fast 2 Cent verloren hat. Gegen 12.20 Uhr kostet er 1,3657 US-Dollar, verglichen mit 1,3859 US-Dollar im asiatisch dominierten Handel in der Nacht zum Mittwoch. Verluste verzeichnen auch die Währungen europäischer Schwellenländer, namentlich der Forint, der Zloty und die tschechische Krone.
ddi/dpa/DJ
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