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So stellt man sich das vor als EU-Energiekommissar: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
So stellt man sich das vor als EU-Energiekommissar: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Stromkabel quer durchs Mittelmeer: Franzosen unterstützen Desertec

Die Wüstenstrom-Initiative deutscher Konzerne findet im Nachbarland Frankreich neue Freunde: Eine Gruppe französischer Unternehmer schließt sich dem milliardenschweren Vorhaben an. EU-Energiekommissar Oettinger lobt den Zusammenschluss in hohen Tönen. Er spricht vom Nutzen für "Bürger in Europa, Nordafrika und im Nahen Osten."

Das deutsche Prestigeprojekt Desertec für Solarstrom aus der Wüste bekommt Verstärkung aus Frankreich: Deutsche und französische Unternehmen wollen das milliardenschwere Vorhaben künftig Hand in Hand vorantreiben.

Ingenieursdenken in der Wüste: Dii-Chef Paul van Son (Archivbild).
Ingenieursdenken in der Wüste: Dii-Chef Paul van Son (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

In Brüssel unterzeichneten Vertreter der deutschen Industrie-Initiative Desertec (Dii) eine Absichtserklärung mit "Medgrid", einer Gruppe von 20 französischen Firmen. Wie die EU-Kommission am Rande des Treffens der EU-Energieminister mitteilte, vereinbaren die Unternehmen darin unter anderem, sich gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen zum Ausbau erneuerbarer Energien in Nordafrika einzusetzen. Abgesehen davon gehe es darum, enger zu kooperieren, Informationen auszutauschen und nicht näher bezeichnete Synergien zu nutzen.

Zu den Dii-Gründungsmitgliedern zählen der weltgrößte Rückversicherer Munich Re, die Deutsche Bank, die Energiekonzerne Eon und RWE sowie die Technologiespezialisten Siemens und ABB. EU-Energiekommissar Günther Oettinger begrüßte die Vereinbarung und sprach von der europäischen Dimension: "Es gibt nun eine konkrete Perspektive für die Produktion von Solar- und Windenergie zum Nutzen der Bürger in Europa, Nordafrika und im Nahen Osten."

Ziel von Desertec ist es, Strom aus Wind- und Solarenergie in den Wüstengebieten der arabischen Staaten zu produzieren. Diese Energie soll dann lokal genutzt und nach Europa exportiert werden. Bis 2050 sollen die Anlagen rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs produzieren, die dann über Fernleitungen bis nach Europa gelangen sollen. Gerade der Ausbau dieser Fernleitung gilt als größter Posten in den Investitionsplanungen. Der überraschend zügig eingeleitete Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie hatte dem Projekt zusätzlichen Schub verliehen.

Wer bezahlt die Kabel?

Die Gruppe französischer Unternehmen - darunter der Franzosen zahlen Millionen-Strafe - will die Verlegung von Kabeln unter dem Mittelmeer für den Transport von Wüsten-Solarstrom nach Europa prüfen. Das erste Dii-Solarkraftwerk mit einer Kapazität von 500 Megawatt entsteht in Marokko, mit dem Bau wird wahrscheinlich 2012 begonnen. Frankreich ist derzeit noch mit bis zu 80 Prozent der erzeugten Energiemenge auf die Nutzung der Kernenergie angewiesen.

Ein Knackpunkt des Dii-Projekts bleibt die Finanzierung. Nach einem Desertec-Szenario müssten bis 2050 rund 400 Mrd. Euro in Wüstenstrom-Projekte gesteckt werden. Da bisher die Kosten für die Stromgewinnung mittels Solarthermie und Photovoltaik noch über Marktniveau liegen, dürfte Desertec zunächst auf staatliche Subventionen in Form von Anreizprogrammen angewiesen sein. Für Pilotprojekte stellt die EU-Kommission Fördergelder in Aussicht.

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Quelle: n-tv.de

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