Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Kreml hat Gasfelder im Visier: Gazprom soll Zypern retten

Um die Pleite Zyperns abzuwenden, bittet Finanzminister Sarris den Kreml um Hilfe. In Moskau trifft das durchaus auf Wohlwollen, schließlich würde ein Bankrott russische Firmen und Geschäftsleute hart treffen. Doch die Milliarden fließen nur, wenn Zypern dafür Gegenleistungen bringt.

Nach der Ablehnung der von der Eurozone ausgehandelten Finanzhilfen durch das Parlament in Zypern setzt das von der Pleite bedrohte Land nun verstärkt auf Unterstützung aus Russland. Zyperns Finanzminister Michalis Sarris hält sich zu Gesprächen in Moskau auf, wo er am Vormittag mit seinem russischen Kollegen Anton Siluanow zusammenkam. An den Verhandlungen nimmt auch der Gouverneur der russischen Zentralbank, Sergej Ignatjew, teil. Noch am Dienstagabend hatten Russlands Staatschef Wladimir Putin und Zyperns Präsident Nicos Anastasiades in einem Telefongespräch über mögliche russische Hilfen gesprochen.

Es gebe noch keine Entscheidung, die Gespräche gingen weiter, sagte Sarris nach dem Treffen. "Wir hatten eine sehr ehrliche Diskussion, wir haben unterstrichen, wie schwierig die Lage ist", sagte er. "Es gab keine Angebote, nichts Konkretes ... Wir sind zufrieden mit einem guten Auftakt."

Zypern hofft nicht nur auf eine Verlängerung eines russischen Kredits über 2,5 Mrd. Euro zu günstigen Zinsen, sondern auf Milliardenhilfen, um eine finanzielle Kernschmelze zu verhindern. Zypern braucht mindestens weitere 5,8 Mrd. Euro, um seinen Eigenanteil für den Rettungsplan der Eurozone aufzubringen.

Eine Lösung könnte sein, dass der vom Kreml kontrollierte russische Energiekonzern Gazprom Zyperns Banken mit Geld versorgt und im Gegenzug soll Lizenzen zur Gasförderung in zyprischen Energiefeldern im Mittelmeer erhält. Zyprische Medien berichteten zudem, Gazprom sei bereit, mindestens eine der schwer angeschlagenen Banken zu kaufen. Ob es dazu kommt, ist allerdings unsicher. Auch andere Staatsunternehmen hoffen auf Beteiligungen, etwa bei Infrastrukturprojekten.

Putin wettert gegen Zwangsabgabe

Eine Zwangsabgabe auf Konten bei zyprischen Banken würde nicht nur Zyprer, sondern vor allem russische Firmen und Oligarchen treffen, die auf Zypern dank niedriger Unternehmenssteuern ihr Vermögen horten. Je nach Schätzung stammen bis zu 35 Mrd. Euro auf zyprischen Konten aus Russland. Es ist ein offenes Geheimnis, dass russische Steuerflüchtlinge - darunter wohl auch hochrangige Politiker - ihr Schwarzgeld auf Zypern lagern. Auch Weltkonzerne wie der Metallgigant Norilsk Nickel haben dort offiziell ihren Sitz.

Der drohende Verlust russischer Einlagen in Milliardenhöhe auf Zypern treibt den Kreml zur Weißglut. Als ginge es um ihr eigenes Vermögen, geißeln Präsident Wladimir Putin und sein Regierungschef Dmitri Medwedew die Pläne der Europäischen Union für eine Zwangsabgabe.

Dabei bringt der Streit um Zyperns Konten auch Vorteile für Russland. Neben Beteiligungen auf Zypern könnte der Kreml im Gegenzug für Hilfen Details über russische Geldeinlagen bekommen. Das käme der Regierung zupass, die endlich Mittel und Wege gegen die jährliche Kapitalflucht von Dutzenden Milliarden Euro finden will.

Zypern hofft auf Gas-Boom

Der US-Ölkonzern Noble Energy hat südlich der Insel ein bedeutendes Gas-Vorkommen in zyprischen Gewässern entdeckt. Das Feld mit dem Namen "Aphrodite" könnte bis zu 224 Milliarden Kubikmeter Gas enthalten - im Wert von schätzungsweise 100 Mrd. Euro. Und Experten vermuten weitere Vorkommen in der Nachbarschaft, nicht nur Gas, sondern auch Öl.

Zypern gründete für die Erschließung im Januar eigens ein Staatsunternehmen namens Kretyk und begann mit der Vergabe von Förderlizenzen an internationale Energiekonzerne. Doch die Ausbeutung der verheißungsvollen Reserven wird nicht von heute auf morgen anlaufen. Sie liegen tief unter dem Meeresspiegel, was Bohrungen technisch schwierig macht. Zudem hat auch der Nachbar Türkei, der 1974 den Nordteil Zyperns besetzt hatte, ein Auge auf die Vorkommen.

Woher die nötigen Investitionen von allein in der Anfangsphase rund 10 Milliarden Euro kommen sollen, ist unklar. Der Baubeginn wird erst für 2016 anvisiert, die Produktion für den Export 2019.

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