Wirtschaft

Rohstoffhändler wartet auf Anleger: Glencore enttäuscht in London

Das mit Spannung erwartete Debüt von Glencore International geht an der Londoner Börse unerwartet schnell in einen beinahe lustlosen Handel über. Die Aktie des weltgrößten Rohstoffhändlers bleibt in Europa zunächst unter dem Ausgabepreis. Morgen ist Hongkong dran.

Diskreter Händler aus der Schweiz: Glencore-Chef Ivan Glasenberg.
Diskreter Händler aus der Schweiz: Glencore-Chef Ivan Glasenberg.(Foto: dpa)

Die Aktien des weltgrößten Rohstoffhändlers Glencore International sind am ersten offiziellen Handelstag in London zur Eröffnung unter dem Ausgabekurs geblieben. Hoffnungen auf einen Kurssprung am Dienstag wurden damit zunächst enttäuscht.

Die Aktie notierte im Vormittagshandel bei 524 Pence und befand sich damit rund 2 Prozent im Plus. Der Aufschlag sei allerdings vor allem durch eine allgemeine Aufwärtsbewegung im Sektor getrieben, hieß es aus London. Der offizielle Ausgabepreis lag bei 530 Pence. Am Graumarkt waren die Papiere im Vorfeld zeitweise bis auf 506 Pence gesunken.

Mit einem Ausgabepreis zwischen 480 und 580 britische Pence kam Glencore auf eine Unternehmensbewertung von etwa 61 Mrd. Dollar. Angesichts eines Emissionsvolumens von bis zu 11 Mrd. Dollar (7,7 Mrd. Euro) zählt der Glencore-Schritt zu den bislang größten Börsengängen in Europa.

Der Schweizer Rohstoffhändler will mit dem Börsengang eigenen Angaben zufolge einen Kapitalstock für künftiges Wachstum ausbauen. Das eigentlich Debüt im asiatischen Aktienmarkt steht noch aus: In Hongkong werden die Glencore-Papiere erst ab Mittwoch gehandelt.

Schwerer als Nestle?

Glencore gilt mittlerweile als das größte Unternehmen der Schweiz. Zuletzt kam der Rohstoffhändler mit seinen rund 60.000 Mitarbeitern auf einen Jahresgewinn von 3,8 Mrd. US-Dollar. Das bislang eher im Hintergrund agierende größte Unternehmen will insgesamt 15 bis 20 Prozent seiner Anteile über die Börse verkaufen.

Mit Aufnahme an der Londoner Börse steht Glencore auch vor einem Aufstieg in den britischen Leitindex FTSE-100-Index. Marktteilnehmern zufolge dürften dafür Invensys aus dem Index absteigen. Die Titel liefern sich Beobachtern zufolge derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Investec um den letzten Platz in dem Marktbarometer.

Ein Kandidat für den Footsie

Eine Aufnahme gilt als Ritterschlag am Londoner Aktienmarkt und ist in etwa mit einer Notierung im Dax zu vergleichen. Ein Platz in einem weltbekannten Börsenbarometer sichert nicht nur dauerhafte Aufmerksamkeit, sondern liefert über Indexfonds und andere passiv gemanagte Anlageprodukte auch zusätzlichen Rückhalt.

Ausschlaggebend für die FTSE-Aufnahme ist vor allem die Marktkapitalisierung. Ende vergangener Woche sah es Marktteilnehmern zufolge eher nach einem Abstieg des Steuer- und Automatisierungsexperten Invensys aus. Das Unternehmen kam auf eine Marktkapitalisierung von 2,418 Mrd. Pfund gegenüber 2,616 Mrd. Pfund für das britisch-südafrikanische Geldinstitut Investec.

Quelle: n-tv.de

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