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"Für Geld kann man sich keine Freunde kaufen, aber es verschafft einem ordentlich Feinde."
"Für Geld kann man sich keine Freunde kaufen, aber es verschafft einem ordentlich Feinde."(Foto: picture alliance / dpa)

Auftakt im Formel-1-Prozess: Gribkowsky sagt "Nein danke"

Vor dem Landgericht München I beginnt der Schmiergeldprozess gegen den frühere BayernLB-Manager Gribkowsky mit dürren Worten der Ablehnung. Der Angeklagte lässt seine Anwälte sprechen. Die halten die Millionenzahlungen zwischen Formel-1-Chef Ecclestone, der Landesbank und dem einstigen Risikovorstand für durchaus angemessen.

Zum Auftakt des Prozesses um die Formel-1-Affäre hat sich der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky in Schweigen gehüllt. Der 53-Jährige beantwortete nur die Fragen des Gerichts nach seinem Geburtsdatum und Beruf. Zu den Vorwürfen der Anklage wollte er sich nicht äußern. "Nein danke", sagte er. Auch während der Untersuchungshaft hatte der Manager geschwiegen. Gribkowsky sitzt seit Januar in Haft.

Risikovorstand auf der Anklagebank: Gerhard Gribkowsky (Mitte) überlässt das Reden seinem Anwalt Rainer Brüssow (rechts).
Risikovorstand auf der Anklagebank: Gerhard Gribkowsky (Mitte) überlässt das Reden seinem Anwalt Rainer Brüssow (rechts).(Foto: picture alliance / dpa)

Das frühere Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank (BayernLB) muss sich im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB an einen Investor wegen Bestechlichkeit, Veruntreuung von Bankvermögen und Steuerhinterziehung vor dem Landgericht München I verantworten. Die Anwälte des ehemaligen Risikovorstands der Bank erklärten, die Anklage gegen Gribkowsky entbehre jeder Grundlage. "Die Vorwürfe gegen unseren Mandanten haben mehr als nur einen Haken", sagte Rechtsanwalt Rainer Brüssow. Er strebt eigenen Angaben zufolge einen Freispruch für Gribkowsky an.

Im Rahmen des Üblichen?

"Fakt ist, dass unser Mandant eine Bombe entschärft hat", sagte Brüssow zum Prozessauftakt. Gribkowsky habe durch sein geschicktes Verhandeln beim Verkauf der Formel-1-Rechte durch die Landesbank den Steuerzahler vor dem Verlust von hunderten von Millionen Euro bewahrt. Zuvor hatte Co-Verteidiger Dirk Petri die Unabhängigkeit der Richter bezweifelt, da sie im Dienste des Freistaats Bayern stünden, dem wiederum die mutmaßlich geschädigte BayernLB gehört. Zudem forderte die Verteidigung die Zusammenlegung des Verfahrens mit dem noch ausstehenden Strafprozess um den BayernLB-Kauf der maroden Hypo Group Alpe Adria (HGAA).

Die Ermittler seien nach dem Motto vorgegangen, "für Geld kann man sich keine Freunde kaufen, aber es verschafft einem ordentlich Feinde", sagte Verteidiger Brüssow. Tatsächlich seien nämlich die Leistungen Gribkowskys und die finanziellen Gegenleistungen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone für solch ein Geschäft angemessen und im üblichen Rahmen der Rennserie gewesen. "Solche Zahlungen sind in der Formel 1 üblich, auch in dieser Höhe." Es bleibe kein Raum für den Verdacht der Bestechlichkeit. "Die Fakten sprechen eindeutig gegen die behauptete Unrechtsbehauptung", sagte Brüssow.

40 Mio. Euro an Ecclestone?

Die Staatsanwaltschaft habe die Beweise einseitig zu Lasten des Ex-Bankers ausgelegt und betreibe eine "heilige Hetzjagd". Der Manager selbst wollte sich nicht zur Sache äußern. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren BayernLB-Vorstand vor, in seiner Amtszeit als Vorstand bei der Bank rund 44 Mio. Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Chef Ecclestone kassiert zu haben. Dafür habe er dafür gesorgt, dass die Anteile an Ecclestones Wunschkäufer, den britischen Finanzinvestor CVC verkauft wurden. Im Gegensatz zu anderen Interessenten hatte CVC signalisiert, Ecclestones Position als Chef der Rennserie zu akzeptieren. Ecclestone seien die fachfremden Banken am Steuer der Formel1 schon lange ein Dorn im Auge gewesen, sagte Staatsanwalt Martin Bauer.

Gribkowsky droht im Fall einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe. Die Formel-1-Rechte waren der BayernLB durch die Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch als Gegenleistung für Kredite im Volumen von knapp einer Milliarde Euro zugefallen. Das war Ecclestone ein Dorn im Auge, weil Banken keine Erfahrung mit seinem Sport hatten. Die BayernLB verkaufte ihr Paket schließlich gegen Anfang 2006 an den britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners.

Dutzende Zeugen sollen im Prozessverlauf vernommen werden, darunter auch der schillernde Formel-1-Chef Ecclestone. Gegen den Briten wird selbst ermittelt. Er spielt laut Anklage eine Hauptrolle in dem Krimi, schließlich sollen von ihm die Gelder an Gribkowsky stammen, die als Beratungshonorare getarnt waren.

Schaden für die Bank

Der BayernLB soll dadurch laut Anklage ein Schaden von knapp 66,5 Mio. Dollar (rund 48,5 Mio. Euro) entstanden sein. Ohne die Vereinbarungen zwischen Gribkowsky und Ecclestone hätte die Landesbank mehr Geld an dem Verkauf verdient, argumentiert die Anklage. Zwar sei der Verkaufspreis für die Formel-1-Anteile nicht zu niedrig gewesen. Die BayernLB habe aber eine hohe Provisionszahlung an Ecclestone zahlen müssen, die aus Sicht der Anklage ohne die Absprachen nicht nötig geworden wäre. Diese habe mit rund 40 Mio. Euro den Hauptteil des Schadens ausgemacht.

Im ersten Zivilverfahren des Landgerichts wurde im Mai bereits bestätigt, dass Gribkowsky der BayernLB Schadenersatz leisten muss. Ein solcher Anspruch der Bank bestehe sehr wahrscheinlich, hieß es damals. Das Vermögen des Ex-Bankers wurde sichergestellt. Die Formel 1 ist nicht die einzige Sorge von Gribkowsky. Zusammen mit sieben anderen Ex-Vorständen der BayernLB muss er sich noch wegen der fatalen Übernahme der Kärntner Bank HGAA und riskanter US-Wertpapiergeschäfte verantworten. Die BayernLB hat in diesem Zusammenhang Klage gegen ihre ehemaligen Führungskräfte eingereicht und fordert insgesamt 200 Mio. Euro Schadenersatz.

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Quelle: n-tv.de

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