Wirtschaft
Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis verbreitet Zuversicht.
Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis verbreitet Zuversicht.(Foto: REUTERS)

Der Brief ist angekommen: Griechenland reicht Antrag auf Hilfen ein

Der angekündigte Antrag Griechenlands auf eine Verlängerung des Hilfsprogramms ist gestellt. Der genaue Inhalt ist allerdings weiter unbekannt. Die EZB rät unterdessen zu drastischen Maßnahmen zum Schutz der griechischen Banken.

Griechenland hat am Donnerstagmorgen einen seit Tagen angekündigten Brief mit dem Antrag für die Verlängerung der Kredithilfen an die Eurogruppe abgeschickt. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bestätigte per Twitter, das Schreiben erhalten zu haben. Der griechische Regierungssprecher Gavriil Sakellarides sagte am Morgen im heimischen Fernsehen: "Unser Ziel ist, das Abkommen bald abzuschließen." Der Inhalt des Briefes wurde zunächst nicht bekannt. Die Euro-Finanzminister kündigten sofort ein Treffen am Freitag an, um über den griechischen Vorschlag zu beraten.

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Die griechische Regierung lehnt die bisherigen Spar- und Reformauflagen von EU, EZB und Internationalem Währungsfonds ab, riskiert ohne die weitere Unterstützung der Euro-Länder aber den Staatsbankrott. Das jetzige Hilfsprogramm endet am 28. Februar. Die Finanzminister der Eurogruppe hatten Athen ein Ultimatum gestellt, bis Freitag eine Verlängerung des Hilfsprogramms einschließlich der dazugehörigen Auflagen zu beantragen.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bemühte sich, Zuversicht zu verbreiten, dass die Verhandlungen mit der Eurogruppe am Freitag erfolgreich abgeschlossen werden können. "Tag für Tag, Stunde um Stunde kommen wir uns näher", sagte Varoufakis am Mittwochabend im griechischen Fernsehen.

Spekulationen über Kapitalkontrollen

Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzt die Lage der griechischen Banken als dramatisch ein. Einem Zeitungsbericht zufolge hält sie wegen hoher Mittelabflüsse die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland für sinnvoll. "Dem EZB-Rat und den EZB-Bankenaufsehern wäre wohler, wenn es Kapitalverkehrskontrollen gäbe, um das Ausbluten der Banken zu verhindern", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" EZB-Insider. Die Zentralbank dementierte in einer Stellungnahme, dass der EZB-Rat über das Thema diskutiert habe.

Wegen der Hängepartie im Schuldenstreit hatten Bankkunden zuletzt in größerem Umfang Guthaben von ihren Konten abgezogen. Würden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, könnten diese Abflüsse begrenzt werden. Zuletzt hatte im Euroraum Zypern im Zuge der Krise 2013 solche Beschränkungen eingeführt und unter anderem die Menge an Bargeld begrenzt, die Privatpersonen von ihren Konten abheben durften.

Die Währungshüter hatten am Mittwoch im EZB-Rat einer mit den Vorgang vertrauten Person zufolge den Spielraum für die Gewährung von Notfallhilfen um 3,3 Milliarden Euro ausgeweitet. Der Rahmen für solche Geldspritzen beträgt damit nunmehr 68,3 Milliarden Euro. In Athen hatte man Bankenkreisen zufolge mehr erhofft. Griechische Geldhäuser sind inzwischen stark auf solche ELA-Liquiditätshilfen der griechischen Notenbank in Athen angewiesen. ELA-Hilfen (Emergency Liquidity Assistance), die von den jeweiligen nationalen Notenbanken bereitgestellt werden, dienen zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsprobleme solventer Banken. Sie werden von der EZB genehmigt und laufend überprüft.

Quelle: n-tv.de

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