Wirtschaft
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Donnerstag, 15. September 2011

UBS-Aktien brechen ein: Händler verzockt zwei Milliarden

Gezockt und verloren: Ein Händler, der ein viel zu großes Rad drehte, brockt der größten Schweizer Bank UBS mit nicht autorisierten Handelsgeschäften einen Milliardenverlust ein. Möglicherweise muss die UBS deshalb im dritten Quartal einen Verlust ausweisen. Die britische Polizei nimmt Medienberichten zufolge einen 31-jährigen Mann fest.

Die Schweizer Großbank UBS ist nach eigenen Angaben Opfer eines milliardenschweren Spekulationsskandals geworden. Das bereits angeschlagene Institut macht einen ihrer Händler dafür verantwortlich, durch nicht genehmigte Geschäfte einen Verlust von rund zwei Milliarden Dollar verursacht zu haben. Die UBS, an deren Verwaltungsratsspitze ab 2013 Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, sah sich deshalb zu einer Gewinnwarnung gezwungen.

Im dritten Quartal müsse der Konzern möglicherweise ein Minus ausweisen, teilte UBS überraschend mit. Der Wertpapierhändler hatte den Angaben zufolge für seine verlustreichen Handelsgeschäfte keine Autorisierung. Die UBS-Aktie brach zeitweise mehr als acht Prozent ein.

Jérôme Kerviel im Oktober vergangenen Oktober auf dem Weg ins Pariser Gericht.
Jérôme Kerviel im Oktober vergangenen Oktober auf dem Weg ins Pariser Gericht.(Foto: Reuters)

Die UBS versuchte nach Bekanntwerden des Skandals zu beruhigen. In einer E-Mail von Konzernchef Oswald Grübel heißt es laut "Neue Zürcher Zeitung", es handele sich um eine "bedauerliche Nachricht". Allerdings werde die "fundamentale Stärke unseres Unternehmens dadurch nicht beeinträchtigt". Die Konzernleitung fordert die Mitarbeiter auf, "sich weiterhin auf Ihre Kunden zu konzentrieren". Diese zählten in diesen unsicheren Zeiten auf ihre Unterstützung.

Auf den Spuren von Kerviel und Leeson

Medienberichten zufolge nahm die britische Polizei im Zusammenhang mit dem Fall in London einen 31 Jahre alten Mann fest. Das berichtete die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Die Milliardenverluste erinnern an spektakuläre Fälle von Finanzbetrügern wie den ehemaligem französischen Börsenhändler Jérôme Kerviel in Paris bei der Société Générale oder den britischen Finanzjongleur Nick Leeson, der der den Zusammenbruch der Barings-Bank auslöste.

Bei der Verlusthöhe von zwei Milliarden US-Dollar (knapp 1,5 Mrd Euro) handele es sich um eine gegenwärtige Schätzung, teilte die UBS ferner mit. Kunden seien von dem Schaden nicht betroffen. Die Untersuchung der Vorfälle dauere an, berichtete die Bank, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

Bad Bank UBS

Die Probleme der UBS reißen nicht ab. Die größte Schweizer Bank gehört in Europa zu den Banken, die am schwersten von der Finanzkrise getroffen wurden. Sie häufte in den Jahren 2007 und 2008 knapp 28 Mrd. Franken an Verlusten an und musste vom Staat gerettet werden. Mit 60 Mrd. Franken wurde die Bank schließlich gestützt. Mehr als 10.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Anfang des Jahres hatte sich der Credit-Suisse-Konkurrent noch auf dem Wege der Besserung gezeigt.

Im zweiten Quartal gab es dann aber wegen Problemen im Investmentbanking erneut einen Rückschlag. Der Gewinn brach wieder ein. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Steuern aus dem operativen Geschäft fast um ein Drittel auf 3,9 Mrd. Franken (3,35 Mrd. Euro). Jetzt droht gar abermals ein Verlust. UBS-Chef Oswald Grübel setzt daher erneut den Rotstift an und will weitere Stellen streichen.

Zocken ohne Grenzen

Der jetzt verursachte Milliardenschaden ist Wasser auf die Mühlen von Kritikern des Bankensystems, in dem noch immer Händler scheinbar ohne Kontrolle zocken. Prominentester Fall ist bisher der französische Händler Kerviel. Er soll Anfang 2008 seinen Arbeitgeber Société Générale mit Wetten auf den Dax und EuroStoxx 50 ohne Wissen seiner Vorgesetzten um knapp fünf Milliarden Euro gebracht haben.

Kerviel wurde deswegen 2010 zu einer fünfjährigen Haftstrafe und zu Schadenersatz in der verursachten Milliardenhöhe verurteilt. Die Richter hatten es als erwiesen angesehen, dass Kerviel auf eigene Faust gehandelt hat. Kritiker bezweifeln dies - und sollte es tatsächlich so sein, so habe das Risikomanagement der französischen Bank versagt, so ihre Argumentation.

Der Fall in Frankreich ist der bisher größte dieser Art. Es gibt jedoch noch eine Reihe ähnlicher Fälle. So hatte beispielsweise Nick Leeson für Schlagzeilen gesorgt. Der Händler hatte mit Wetten auf steigende japanische Aktienkurse 1,4 Mrd. US-Dollar in den Sand gesetzt und damit die britische Traditionsbank Barings zu Fall gebracht.

Aktien tief im Minus

Am Aktienmarkt wurde die Nachricht der UBS mit deutlichen Kursverlusten quittiert. Das Papier verlor zum Handelsstart etwas mehr als acht Prozent auf 10 Franken. Zuletzt erholte sich der Kurs wieder etwas, stand aber immer noch deutlich im Minus. Seit Mitte Februar büßte der Wert der Bank am Aktienmarkt knapp 50 Prozent ein.

Mit Kursen von 10 Franken ist die Aktie so billig wie zuletzt im Frühjahr 2009. Händler fürchten vor allem einen anhaltenden Imageschaden für die Bank. «Die Frage ist, wie sie das wieder hinbekommt», sagte ein Händler. Gerade in ihrem Kerngeschäft, der Verwaltung großer Vermögen, brauche die UBS das Vertrauen der Kunden

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Quelle: n-tv.de

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