Wirtschaft
Das Handwerk als ehrbarer Ausweg "nach oben": Laut ZdH bricht rund ein Drittel der Studierenden die Uni-Karriere frühzeitig ab.
Das Handwerk als ehrbarer Ausweg "nach oben": Laut ZdH bricht rund ein Drittel der Studierenden die Uni-Karriere frühzeitig ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Akademiker sollen Hand anlegen: Handwerker umwerben Studenten

Werkbank statt Hörsaal: Wenn es nach dem Zentralverband des Deutschen Handwerks geht, sollen Studienabbrecher künftig in der Praxis auf goldenen Boden stoßen. Den "Trend zur Akademisierung" hält Handwerker-Präsident Kentzler für "fatal".

Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks: Otto Kenzler.
Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks: Otto Kenzler.(Foto: ZDH/Stegner)

Das deutsche Handwerk will angesichts des Nachwuchsmangels verstärkt um frustrierte Studenten buhlen. "Die Handwerkskammern haben begonnen, gezielt um diese enttäuschten Studenten zu werben", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZdH), Otto Kentzler, der "Saarbrücker Zeitung".

Der "Trend zur Akademisierung" im deutschen Bildungswesen sei "fatal". An Universitäten gebe rund ein Drittel der Studierenden frühzeitig auf. "In naturwissenschaftlichen Fächern werden mit jeder Zwischenprüfung Leistungsschwächere in großer Zahl ausgesiebt", sagte Kentzler. Demgegenüber bekämen Studenten im Handwerk "eine klare Orientierung - und zwar nach oben".

Kritik am Bildungssystem

Zugleich bekräftigte Kentzler seine Kritik an der mangelnden Ausbildungsreife vieler Schulabgänger. "Viele Handwerksmeister nehmen das mittlerweile in ihrer Not selbst in die Hand und verpassen ihren Azubis Nachhilfestunden", sagte der Handwerkspräsident. Außerdem werde versucht, mit externen Betreuern zu verhindern, dass Lehrlinge ihre Ausbildungen abbrächen.

Für seine Zunft sei ausschlaggebend, "dass auch die nächste Bundesregierung erkennt, wie wichtig für die Stabilität in Wirtschaft und Gesellschaft ein stabiles Handwerk ist", sagte Kentzler.

In Deutschland sind nach Verbandsangaben rund 5,15 Millionen Menschen in Handwerksbetrieben und "handwerksähnlichen" Unternehmen beschäftigt. "Damit sind 12,5 Prozent aller Erwerbstätigen und 28,3 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland im Handwerk tätig", heißt es beim ZdH. Im Jahr 2011 habe der Gesamtumsatz im Handwerk ein Volumen von rund 497 Mrd. Euro erreicht.

Quelle: n-tv.de

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