Wirtschaft
Durch die Fusion entsteht die viertgrößte Linienreederei der Welt.
Durch die Fusion entsteht die viertgrößte Linienreederei der Welt.(Foto: picture alliance / dpa)

Grünes Licht für Fusion: Hapag-Lloyd und CSAV stechen in See

Aus Hapag-Lloyd und der chilenischen CSAV wird die viertgrößte Linien-Reederei der Welt. Die Fusion ist abgesegnet. Wie sich der neue Branchenriese entwickelt, ist jedoch noch unklar. Beide Unternehmen machen stürmische Zeiten durch.

Nach monatelangen Vorbereitungen ist die Fusion der deutschen Linienreederei Hapag-Lloyd mit der Containersparte der chilenischen CSAV abgeschlossen. Mit der Freigabe aller wichtigen Wettbewerbsbehörden weltweit wurde die letzte entscheidende Hürde aus dem Weg geräumt und der Abschluss (Closing) vollzogen. Das teilte Hapag-Lloyd mit. Mit 200 Schiffen und einer Kapazität von rund einer Million Standardcontainer werde Hapag-Lloyd rund 7,5 Millionen Container jährlich transportieren. Das bedeutet den vierten Rang hinter den drei Branchenführern Maersk, MSC und CMA CGM.

Francisco Perez Mackenna (li.), Geschäftsführer von Quinenco und Vorsitzender des Verwaltungsrats von CSAV, Michael Behrendt, Vorsitzender des Vorstands von Hapag-Lloyd (M.), und Oscar Hasbun, Geschäftsführer von CSAV nach der beschlossenen Fusion.
Francisco Perez Mackenna (li.), Geschäftsführer von Quinenco und Vorsitzender des Verwaltungsrats von CSAV, Michael Behrendt, Vorsitzender des Vorstands von Hapag-Lloyd (M.), und Oscar Hasbun, Geschäftsführer von CSAV nach der beschlossenen Fusion.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Jahresumsatz des neuen Unternehmens wird bei rund neun Milliarden Euro liegen. Über die Gewinnsituation lässt sich aus heutiger Sicht noch wenig sagen. Sowohl Hapag-Lloyd als auch CSAV (Compania Sud Americana de Vapores) hatten in ihren Neun-Monats-Quartalsberichten Verluste ausgewiesen. Der Zusammenschluss soll jedoch hohe Einsparungen von 300 Millionen US-Dollar jährlich nach sich ziehen - allein durch ein optimiertes Netzwerk, bessere Produktivität und niedrigere Kosten. Das Geschäft der CSAV-Containersparte soll Ende des ersten Quartals in die Hapag-Lloyd-Systeme überführt werden. Bis dahin werde sich an der täglichen Arbeit beider Unternehmen nichts grundlegendes verändern.

Die Fusion zieht auch auf der Kapitalseite des Unternehmens Änderungen nach sich. Nach einer Reihe von Kapitalmaßnahmen wird CSAV mit 34 Prozent größter Gesellschafter von Hapag-Lloyd sein. Weitere Anteilseigner sind die Stadt Hamburg mit 23,2 Prozent, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne mit 20,8 Prozent und die TUI mit 13,9 Prozent der Anteile sowie einige Hamburger Banken und Versicherungen. Die CSAV, die Stadt Hamburg und Kühne haben vereinbart, 51 Prozent der Anteile zu "poolen" und wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen.

Die Entwicklung ist noch nicht am Ende

An diesem Pool hält CSAV 50 Prozent und Kühne Maritime sowie die Stadt jeweils 25 Prozent. "Das ist ein großer Tag für beide Unternehmen", sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. "Mit Hapag-Lloyds Stärke im Asienverkehr und auf dem Atlantik sowie CSAVs starker Position in Lateinamerika werden wir zum führenden Schifffahrtsunternehmen in dieser Region und können unseren Kunden weltweit ein noch attraktiveres Netzwerk und eine breitere Produktpalette bieten." Auch der Hamburger Senat, der bislang noch 37 Prozent an Hapag-Lloyd hält, begrüßte den Vollzug der Fusion.

Mit dem Closing der Fusion hat die Entwicklung des Hamburger Schifffahrtskonzerns jedoch noch nicht einmal einen vorläufigen Abschluss gefunden. Die nächsten Schritte sind bereits im Kaufvertrag festgelegt. Im nächsten oder übernächsten Jahr soll Hapag-Lloyd an die Börse gehen. Darauf drängt vor allem der Großaktionär TUI, der seine Anteile an dem Schifffahrtskonzern schon seit langem gern loswerden möchte.

Bislang allerdings sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Börsengang nicht gegeben. "Dazu braucht man natürlich auch die richtige Story", sagt ein Insider. Soll heißen: Um Aktionäre für ein Investment zu gewinnen, müsste Hapag-Lloyd die Hoffnung auf steigende Aktienkurse oder stetige Dividenden wecken. Die letzten Quartalszahlen des Konzerns wären für einen Börsengang zu schlecht gewesen. Die Frage ist, wann in den Unternehmensbilanzen ein klarer Aufwärtstrend sichtbar wird. Dann erst rückt der Börsengang in Reichweite.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen