Wirtschaft
Mann vor russischem Hauptquartier der Deutschen Bank: Hat das Geldhaus Putins Oligarchen geholfen, Geld beiseite zu schaffen?
Mann vor russischem Hauptquartier der Deutschen Bank: Hat das Geldhaus Putins Oligarchen geholfen, Geld beiseite zu schaffen?(Foto: REUTERS)

USA prüfen Sanktionsverstöße: Hat Deutsche Bank Putin-Buddies geholfen?

Von Hannes Vogel

Die Deutsche Bank soll Milliarden russisches Schwarzgeld gewaschen haben. Nun hat die US-Justiz noch einen Verdacht: Womöglich war auch Geld der engsten Putin-Freunde dabei. Wenn das stimmt, hat sie ein Riesenproblem.

Zuerst sah die Sache in Russland aus wie einer der gewöhnlichen Skandale bei der Deutschen Bank, an die man sich inzwischen fast gewöhnt hat. Im Frühsommer tauchten Berichte auf, das Geldhaus habe für russische Kunden bis zu sechs Milliarden Dollar Schwarzgeld gewaschen. Die Geschichte reihte sich ein in eine schier endlose Liste von Schiebereien, Betrug und Marktmanipulation, die die Bank seit Jahren in Atem halten.

Doch nun könnte sie für die Bank zur Affäre Nummer eins werden. Die US-Justiz weite ihre Untersuchungen aus, berichtet die britische "Financial Times" (FT). Denn womöglich könnten die Moskauer Geschäfte dazu gedient haben, US-Sanktionen zu umgehen, die Washington wegen des Kriegs in der Ost-Ukraine verhängt hatte, vermuten die Ermittler. Und womöglich hat die Bank den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin geholfen, ihr Geld zu waschen. Bei Geschäften mit politischer Sprengkraft kennt die US-Justiz keinen Spaß. 2014 verdonnerte sie BNP Paribas wegen verbotener Geschäfte mit Schurkenstaaten wie dem Iran zu einer Mega-Strafe von rund neun Milliarden Dollar.

Geld von Putins Judo-Buddies?

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen sogenannte "Mirror Trades". Dabei kauften die russischen Kunden über die Deutsche Bank in Moskau Aktien in Rubel und verkauften sie in London wieder in Dollar. Die Ermittler prüfen nun laut "FT", ob die Klienten mit den Koppelgeschäften illegal Geld aus dem Land geschafft haben. Durch den Währungswechsel sollten womöglich die Spuren verwischt werden. Weil sie zum Teil über das US-Finanzsystem abgewickelt wurden, wird die US-Justiz aktiv.

Zu den russischen Kunden der Deutschen Bank soll laut "FT" die Crème de la Crème der Putin-Freunde gehört haben, darunter die Brüder Arkadi und Boris Rotenberg. Den Milliardären gehört die russische SMP-Bank und der Stroygazmontazh-Konzern (SGM), eine der wichtigsten Baufirmen für den russischen Energieriesen Gazprom.

Die Rotenbergs gehören zu Putins engstem Machtzirkel: Arkadi ist laut "FT" Putins langjähriger Judo-Partner und Vizepräsident der russischen Judo-Föderation, Boris Präsident des Fußballclubs Dynamo Moskau. Beide stammen wie Putin aus Leningrad. Die Rotenbergs gehören zu den 20 Offiziellen und Oligarchen, die die USA gleich zu Beginn des Krim-Kriegs im März 2014 auf ihre Sanktionsliste gesetzt haben. Laut US-Finanzministerium hat Putin ihnen Milliardenaufträge für Gazprom und die Winter-Olympiade in Sotschi zugeschanzt, ihr Vermögen sei allein in zwei Jahren um mindestens 2,5 Milliarden Dollar gewachsen.

Opfer der Sanktionen?

Die Deutsche Bank wollte auf Anfrage von n-tv.de zu den Vorwürfen keinerlei Stellung nehmen. Im Zwischenbericht zum zweiten Quartal heißt es lediglich, man führe derzeit "Untersuchungen im Zusammenhang mit Aktienhandelsgeschäften zwischen Kunden und der Deutschen Bank in Moskau und London, die sich gegenseitig entsprochen haben, durch". Es seien "disziplinarische Maßnahmen gegen bestimmte Personen eingeleitet worden" und man werde "weiterhin auch gegen andere Personen vorgehen, falls dies gerechtfertigt ist".

Zentrale Figur in den Augen der US-Ermittler ist laut "FT" der Amerikaner Tim Wiswell, der bis zum Sommer das russische Aktiengeschäft der Deutschen Bank in Moskau leitete. Er ist im Zuge der internen Untersuchung gefeuert worden. Laut einem Insider verdächtige das Geldhaus einen hochrangigen Manager der Bestechlichkeit, meldete die Agentur Reuters im August. Wiswell klagt gegen seine Entlassung. Alle Aktiengeschäfte, die er getätigt habe, seien der Bank bekannt gewesen, sagt seine Anwältin Jekaterina Dushina.

Für sie ist Wiswell ein Opfer: Er habe Geschäfte mit einem Kunden gemacht, der Personen nahestehe, gegen die die Amerikaner Sanktionen verhängt hätten. "Ich vermute, dass europäische und amerikanische Aufsichtsbehörden gegen die Bank nicht wegen Sanktionsverstößen vorgehen konnten, weil der Kunde selbst nicht offiziell auf der Sanktionsliste stand. Aber sie haben einen anderen, einfachen Verstoß entdeckt: Geldwäsche", sagt Dushina.

Weil Wiswell Chef des russischen Aktiengeschäfts war, gehen die Ermittler laut "FT" auch der Frage nach, ob es bei der Bank womöglich einen systematischen Plan gab zur Umgehung der US-Sanktionen gab, der vom oberen Management abgesegnet war. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat die Brisanz der Russland-Connection längst erkannt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat er das russische Investmentbanking dichtgemacht.

Quelle: n-tv.de

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