Wirtschaft

Neue Umschuldung für Alt-Gläubiger: Hedgefonds klopfen Argentinien weich

Im zähen Ringen mit Hedgefonds gerät Argentinien in die Defensive. Doch die Regierung des Landes will sich nicht geschlagen geben und setzt sich gegen die als "Aasgeier" bezeichneten Investoren zur Wehr.

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner.
Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner.(Foto: dpa)

Nachdem Argentinien im Rechtstreit mit einer Gruppe widerspenstiger Anleihegläubiger eine herbe Schlappe erlitten hat, zieht die Regierung Konsequenzen und kündigt eine neue Umschuldung für Gläubiger der seit 2001 fälligen Auslandsschulden an. Die privaten Gläubiger, die die beiden vorangegangenen Forderungsverzichte von 2005 und 2010 abgelehnt hatten, sollten ein neues Angebot bekommen, sagte Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner. Eine entsprechende Gesetzesvorlage sollte am Dienstag ins Parlament eingebracht werden.

Die Präsidentin reagierte damit auf ein am Freitag bekanntgegebenes Urteil eines New Yorker Gerichts, demzufolge das lateinamerikanische Land die Anleiheinhaber vollständig auszahlen soll, die den Schuldenschnitt nach der Staatspleite vor über zehn Jahren abgelehnt hatten.

Dabei geht es um eine Summe von etwa 1,3 Milliarden Dollar. Insgesamt beträgt die nicht umstrukturierte private Auslandsschuld Argentiniens, für die das neue Umschuldungsangebot gelten soll, um die 20 Milliarden Dollar. Nun muss sich noch der Oberste Gerichtshof der USA mit dem Fall beschäftigen - was Monate dauern könnte. Sollte dieser das Urteil bestätigen, würde Argentinien wegen milliardenhoher Forderungen einer erneuten Staatspleite näherrücken.

Seit mehr als einem Jahrzehnt streiten Argentinien und Investoren, die Anleihen des Landes erworben hatten, vor Gerichten über die Folgen der Staatspleite von 2001/2002. Es geht dabei um ein Finanzdesaster in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar. Eine Minderheit von Investoren hatte sich den beiden Schulden-Schnitten der Jahre 2005 und 2010 verweigert. Damals hatten 93 Prozent der Bond-Gläubiger akzeptiert, nur noch 25 Prozent des Nennwertes ihres Engagements zurückzuerhalten.

Regierung sieht "Aasgeier" am Werk

Die neue Umschuldung betreffe nur sieben Prozent der Wertpapiere, für die Argentinien Ende 2001 die Zahlungsunfähigkeit erklärt hatte, so Argentiniens Regierung. Den Besitzern der restlichen 93 Prozent, die auf die vorangegangenen Umschuldungsinitiativen eingegangen waren, sollen neue Bonds angeboten werden, die zu denselben Bedingungen in Buenos Aires statt in New York auszahlbar seien, kündigte Kirchner an

Der Rechtsstreit wird in den USA ausgefochten, weil die Staatsanleihen damals in Dollar unter amerikanischem Recht begeben worden waren. Die Investoren unter Führung der Hedgefonds NML Capital und Aurelius Capital Management liegen nicht nur mit der Regierung über Kreuz. Sie streiten auch mit den anderen Anlegern, die zwei Schuldenschnitten in den Jahren 2005 und 2010 zugestimmt hatten. Diese fürchten, dass im Falle eines neuerlichen Zahlungsausfalls am Ende auch ihre drastisch reduzierten Forderungen nicht erfüllt werden.

Die von Präsidentin Christina Fernandez als "Aasgeier" bezeichneten Hedgefonds bestehen auf einer Komplettauszahlung. Die Mitte-Links-Regierung des lateinamerikanischen Landes will darauf aber keinesfalls eingehen. Ihrer Darstellung zufolge könnte das Urteil dazu führen, dass Schuldenschnitte in Krisenländern künftig unmöglich werden, weil Gläubiger sich darauf nicht mehr einlassen. Die Fonds hatten in der Hoffnung auf hohe Gewinne viele Argentinien-Papiere erst während der Krise zu Ramschpreisen erworben. Argentinien war 2001, als es seine Schulden nicht mehr bedienen konnte, bankrottgegangen.

Quelle: n-tv.de

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