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Hochzeit der Zementgiganten: Holcim und Lafarge gehen zusammen

Im Baustoffgeschäft entsteht ein neuer, übermächtiger Branchenführer. Seit dem frühen Morgen ist es offiziell: Die beiden größten Zementhersteller der Welt entscheiden sich für die Fusion. Wolfgang Reitzle wird Chef im Verwaltungsrat.

Zementproduktion im Schweizerischen Siggenthal: Holcim gilt bislang als Nummer Zwei hinter Lafarge.
Zementproduktion im Schweizerischen Siggenthal: Holcim gilt bislang als Nummer Zwei hinter Lafarge.(Foto: REUTERS)

Die beiden weltgrößten Zementhersteller wagen den Zusammenschluss: Mit der Fusion des Schweizer Konzerns Holcim und des französischen Wettbewerbers Lafarge entsteht ein Branchenriese mit einem Umsatz von 32 Milliarden Euro und einem Betriebsergebnis (Ebitda) von rund 6,5 Milliarden Euro, wie die beiden Unternehmen zu Wochenbeginn mitteilten. Beobachtern zufolge zementieren die beiden Marktführer damit ihre Vormachtsstellung in der von Überkapazitäten gebeutelten Baustoffbranche.

"Beide Gruppen haben lange darüber nachgedacht, wie man dieser Branche neuen Schub geben kann, wie man die Branche transformieren kann und wie man sie zu etwas machen kann, das für die Anleger wieder interessant ist", erklärte der scheidende Holcim-Verwaltungsratspräsident Rolf Soiron in einer Telefonkonferenz. Die größte Fusion in Europa seit der Mega-Übernahme von Xstrata durch Glencore 2013 dürfte aber auch die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen.

Um die Regulatoren zu befriedigen, plant der neue Konzern, Geschäftsbereiche mit einem Anteil von zehn bis 15 Prozent des operativen Ergebnisses zu veräußern. Zwei Drittel davon dürften auf Europa entfallen. Gleichzeitig will LafargeHolcim, Synergien von über 1,4 Milliarde Euro zu heben. Durch den Abbau von Überkapazitäten dürften auch Konkurrenten auf ein Ende des harten Preiskampfs hoffen.

Der Zusammenschluss hatte sich bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Durch die konkreten Angaben zu Umsatz und Betriebsergebnis machen die beiden Konzerne die Großfusion nun öffentlich.

Holcim bietet eigenen Angaben zufolge jeweils eine eigene Aktie für eine Lafarge-Aktie. Beide Verwaltungsräte hätten dem Zusammenschluss einstimmig zugestimmt und auch die Hauptaktionäre beider Unternehmen zeigten volle Unterstützung, hieß es. Mit Wolfgang Reitzle - langjähriger Chef es deutschen Industriegasekonzerns Linde - stelle Holcim den Verwaltungsratspräsidenten, Lafarge-Konzernchef Bruno Lafont übernehme den Chefsessel des neuen Zementgiganten, der unter dem Namen LafargeHolcim firmieren soll. Der Vollzug der Transaktion sei für das erste Halbjahr 2015 vorgesehen.

Zuvor hatte es in einem Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro" geheißen, die beiden Zementhersteller hätten sich auf die Konditionen einer Fusion geeinigt. Durch den Zusammenschluss entstehe ein neuer Branchenprimus mit einer Marktkapitalisierung von 55 Milliarden US-Dollar. Vertreter der beiden Unternehmen hatten diese Angaben zunächst nicht kommentieren wollen. Das Blatt nannte keine Quellen für seine Information.

Am Freitag hatten beide Unternehmen mitgeteilt, sie seien in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Zusammenschluss unter Gleichen. Mit der Fusion entstünde ein Konzern mit einem Umsatz von mehr als 30 Milliarden Euro und weit über 100.000 Mitarbeitern.

Hohe kartellrechtliche Hürden

Trotz der dominierenden Stellung des neuen Riesen in Europa und den USA könnte eine Fusion der gebeutelten Branche neuen Schub geben und Firmen wie die deutsche HeidelbergCement dürften auf ein Ende des harten Preiskampfs hoffen.

Noch ist die größte Transaktion in Europa seit der Übernahme von Xstrata durch Glencore im vergangenen Jahr nicht in trockenen Tüchern. So warnten Analysten, dass die Unternehmen hohe kartellrechtliche Hürden überwinden müssten. Ein Zusammenschluss würde Kunden, Mitarbeitern und Aktionären beträchtliche Vorteile bringen, argumentieren dagegen die Zementriesen. Die Geschäfte der beiden Unternehmen ergänzten sich gut.

Lafarge ist Natixis-Analyst Abdelkader Benchiha zufolge in Afrika und im Nahen Osten stark, Holcim dagegen in Lateinamerika. Schwellenländer, die angesichts des starken Bevölkerungswachstums viele Wohnhäuser, Straßen und Dämme bauen, sind der Wachstumsmotor der Zementbranche. Holcim betreibt weltweit Produktionsstätten in rund 70 Ländern und erwirtschaftet mit 71.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 19,7 Milliarden Franken (16,1 Milliarden Euro). Lafarge kam 2013 mit 62.000 Mitarbeitern auf Erlöse von 15,2 Milliarden Euro.

Stark steigende Kurse

Der Baustoff, von dem Architekten träumen: Vor dem Aushärten lässt sich Zement nahezu beliebig in Form bringen.
Der Baustoff, von dem Architekten träumen: Vor dem Aushärten lässt sich Zement nahezu beliebig in Form bringen.(Foto: dpa)

Doch Überkapazitäten machen der Branche seit Jahren zu schaffen. Holcim und Lafarge haben wie andere Unternehmen Zuflucht in Kostensenkungen gesucht. Mit einer Fusion dürften sie noch zu weit tieferen Schnitten ansetzen und damit die Profitabilität verbessern.

Lafarge ist hoch verschuldet, die Kreditwürdigkeit befindet sich nur noch auf Ramschniveau. Bei einem Zusammenschluss mit Holcim würde Lafarge vom besseren Kreditrating der Schweizer profitieren und könnte die Zinskosten drücken, sagte Natixis-Analyst Benchiha.

Die Anleger reagierten am Freitag auf die Meldung euphorisch. Die Lafarge-Aktien gewannen bei weit überdurchschnittlichen Umsätzen 8,9 Prozent auf 64,09 Euro, Holcim kletterten 6,7 Prozent auf 80,20 Franken. Damit war Lafarge an der Börse 18,4 Milliarden Euro wert, Holcim 26,2 Milliarden Franken.

Konkurrenten könnten sich Filet-Stücke schnappen

Schon die Spekulationen auf die Elefantenhochzeit hatten der gesamten Branche Rückenwind verliehen. Die Anteilsscheine von HeidelbergCement kletterten vor dem Wochenende um 4,3 Prozent, und auch CRH aus Irland und die italienischen Buzzi Unichem und Italcementi rückten kräftig vor. Händlern zufolge würde der Abbau der Überkapazitäten in der Branche den Unternehmen Preiserhöhungen erleichtern. Zudem könnten Holcim und Lafarge von den Wettbewerbsbehörden gezwungen werden, Filetstücke aus den Geschäftsportfolios auf den Markt zu werfen.

Natixis-Analyst Benchiha zufolge hätte Lafarge-Holcim in den USA, Kanada, Brasilien und Frankreich eine marktbeherrschende Stellung. Morningstar-Analystin Elizabeth Collins macht in Deutschland, Frankreich, Spanien, Tschechien, Rumänien und Serbien Überlappungen aus. Ein Verkauf von Produktionswerken und Verteilzentren dürfte allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen.

Selbst verschiedene kleinere Transaktionen in der Branche waren zuletzt auf Widerstand der Wettbewerbshüter gestoßen, warnte ein Analyst. So nehmen die Kartellwächter den geplanten Beteiligungstausch von Holcim und der mexikanischen Cemex in Europa unter die Lupe. Holcim will in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Geschäftsteile von Cemex übernehmen. Im Gegenzug soll die tschechische Holcim-Tochter Csesko an Cemex verkauft werden.

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Quelle: n-tv.de

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