Wirtschaft
Athener Stühlerücken: Gikas Hardouvelis (r) folgt Yannis Stournaras im Amt als Finanzminister.
Athener Stühlerücken: Gikas Hardouvelis (r) folgt Yannis Stournaras im Amt als Finanzminister.(Foto: REUTERS)

Lücken im Haushalt: IWF: Griechenland wird neue Hilfe brauchen

Die Europäer sollten sich nach Einschätzung des IWF auf neue Finanzhilfen für Griechenland einstellen. Das Land sei bei der Krisenbewältigung zwar ein gutes Stück vorangekommen- doch ab 2015 drohe eine weitere Milliardenlücke.

Griechenland wird trotz großer Reform- und Sparfortschritte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch in den kommenden Jahren ein Sorgenkind bleiben und seinen Schuldenberg nicht schnell genug abbauen können. Wie der IWF in seinem jüngsten Griechenland-Bericht erklärte, seien in den nächsten zwei Jahren noch erhebliche Finanzlücken absehbar. Das Athener Finanzministerium war anderer Ansicht: Es werde keine neuen Finanzlücken geben, hieß es.

Weil das Land bis 2022 hinter den Zielen zum Abbau der Verschuldung zurückbleiben werde, sei es unabdingbar, dass seine europäischen Partner wie zugesagt bereitstünden, weitere finanzielle Erleichterungen zu gewähren, meinte der IWF. Die griechische Regierung gehe allerdings davon aus, dass ihre Berechnungen sich bewahrheiten und 2015 und 2016 keine weiteren Maßnahmen notwendig sein werden, hielt das Finanzministerium dagegen. Vorrangig sei jetzt, dass die Partner ihre Versprechungen erfüllten und Griechenland selbst seinen Verpflichtungen nachkomme.

Zweistelliger Milliardenbedarf?

Nach Ansicht des IWF droht 2015 im Haushalt eine Finanzlücke von einem Prozent der Wirtschaftsleistung - das wären rund zwei Milliarden Euro - und ein Jahr später eine von einem dreiviertel Prozent. An anderer Stelle spricht der Fonds von einem Finanzbedarf von 12,6 Milliarden Euro nach Mai 2015, wenn nicht zusätzlich Kapital über die Märkte aufgebracht oder eine Entlastung bei den Schulden erzielt werde.

Die Eurogruppe hatte schon im November 2012 in Aussicht gestellt, den Griechen unter die Arme zu greifen - vorausgesetzt, Athen erreicht einen primären Haushaltsüberschuss (ohne Zinslasten), was die Regierung im vergangenen Jahr schaffte. Im April hatte die EU-Kommission jedoch auch bekanntgegeben, dass das krisengeplagte Land beim Schuldenabbau die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Ziele verfehlen wird.

Schuldenstand sinkt langsamer als geplant

Bis 2020 wird der Schuldenstand laut dem EU-Bericht auf 125 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts sinken, bis 2022 auf 112 Prozent. Ursprünglich angepeilt waren für 2022 aber "deutlich weniger als 110 Prozent", als kritische Marke gelten 100 Prozent. Der IWF-Analyse zufolge dürfte der Schuldenstand von 174 Prozent in diesem Jahr nur auf 117 Prozent im Jahr 2022 sinken.

Für Griechenland wurde das größte Hilfspaket in der Eurozone geschnürt. Um die Staatspleite zu verhindern, hatte das Land zwei Hilfspakete mit einem Umfang von insgesamt rund 240 Milliarden Euro bekommen. Von europäischer Seite läuft das Programm Ende dieses Jahres aus.

Rückkehr zum Wirtschaftswachstum

Die Experten in Washington sehen aber auch deutliche Fortschritte, die Anlass zu vorsichtigem Optimismus gäben. Zugleich warnt der Währungsfonds vor politischer Instabilität nach den Europa-Wahlen und Reformmüdigkeit.

Für 2014 geht der IWF davon aus, dass Griechenland erstmals ein geringes Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent ausweisen wird, das griechische Finanzministerium erwartete zuletzt 0,6 Prozent. Die Banken säßen noch auf einem Berg von faulen Krediten.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass der Schuldenabbau in den Euro-Krisenländern noch kaum begonnen habe, was die wirtschaftliche Erholung noch jahrelang hemmen werde. Jedoch hätten die steigenden öffentlichen Schulden einen wertvollen Puffer geschaffen, der eine deflationäre Spirale mit einem noch stärkeren Absinken von Nachfrage und Beschäftigungsquote verhindert habe.

Quelle: n-tv.de

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