Wirtschaft
Die Notenbank versucht, den Fall der Rupie zu stoppen.
Die Notenbank versucht, den Fall der Rupie zu stoppen.(Foto: REUTERS)

Angst vor stotterndem Wirtschaftsmotor: Indische Zentralbank lockert die Bremse

Der massive Kapitalabzug setzt den Schwellenländern zu. Die Notenbank Indiens drosselt nun die erst vor wenigen Wochen beschlossene Liquiditätsverknappung, um die ohnehin strauchelnde Konjunktur nicht gänzlich abzuwürgen. Kritiker monieren den Zick-Zack-Kurs. Analysten rechnen indes mit einem weiteren Kursverfall der Rupie zum Dollar.

Aus Angst vor einem Abwürgen des ohnehin nur schwachen Wirtschaftswachstums hat die indische Notenbank die Liquiditätsbremse wieder etwas gelockert. Trotz der anhaltenden Talfahrt der Landeswährung wird sie die Mitte Juli eingeführten Maßnahmen zur Liquiditätsverknappung teilweise wieder aufheben. Die Reserve Bank of India (RBI) wird am Freitag Staatstitel für 80 Milliarden indische Rupien zurückkaufen (rund 935 Millionen Euro), um die Liquidität im Bankensystem zu erhöhen.

Zudem kündigte sie an, dass weitere Käufe - abhängig von der Marktentwicklung - möglich seien. Das Absaugen von Liquidität dürfe nicht zu einem Anstieg der Renditen langlaufender Papiere führen und damit die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten beeinträchtigen, hieß es zur Begründung.

Rupie fällt auf Rekordtief

Mitte Juli hatte die Notenbank begonnen, die Liquidität im Bankensektor zu verringern und damit den Kursverfall der Rupie einzudämmen. Eine starke Abwertung kann die Inflation in die Höhe treiben; das erste Mandat der Notenbank ist die Wahrung von Preisstabilität. Daher begrenzte sie unter anderem den Betrag, den Banken bei der Notenbank zum Schlüsselzins von 7,25 Prozent leihen können.

Die Rupie blieb aber wie andere Währungen in Asien weiter unter Druck und fiel am Mittwoch vorübergehend auf das Rekordtief von 64,52 Rupien je US-Dollar. Der Verkaufsdruck bei asiatischen Währungen geht unter anderem auf die Erwartung zurück, dass die US-Notenbank in absehbarer Zeit ihre Anleihekäufe zurückführen könnte. Dies dürfte die Liquiditätsschwemme versiegen lassen, die in den vergangenen Jahren auch die Märkte in Asien gestützt hatte.

Nach Ansicht der Societe Generale (SocGen) wird die Rupie in den kommenden Monaten zum US-Dollar aber noch stärker abwerten. Im dritten Quartal dürften für einen Dollar 64,50 Rupien fällig werden, hieß es. Bis zum Jahresende dürfte der Dollar bei 66,25 Rupien stehen. Im kommenden Jahr erwartet SocGen eine kleine Erholungsbewegung. Die Bank rechnet zum Ende des ersten Quartals 2014 mit 64 Rupien je Dollar. Die Bank bleibt skeptisch, was die Rupie angeht, und verweist auf das voraussichtlich schwächere indische Wirtschaftswachstum und die Angst vor dem Ausstieg der US-Notenbank aus ihrer lockeren Geldpolitik. Vor den Wahlen im kommenden Jahr dürfte sich die Stimmung mit Blick auf Indien noch stärker eintrüben.

Experten der Deutschen Bank rechnen sogar damit, dass die Rupie innerhalb eines Monats auf 70 Rupien zum US-Dollar abrutschen könnte. Immerhin sinke das Leistungsbilanzdefizit nun endlich etwas, deswegen könnte sich die Rupie am Jahresende etwas fangen, hieß es.

Indonesien stützt Währung

Auch die indonesische Notenbank sah sich am Dienstag gezwungen, zur Stützung der Landeswährung zu intervenieren. Dies führte zwar am Aktienmarkt zu einer leichten Erholung, der Kurs der indonesischen Rupie fiel aber weiter auf ein neues Vierjahrestief.

Den Kursverfall der Landeswährung konnten die Maßnahmen der indischen Notenbank seit Mitte Juli also nicht aufhalten, aber sie führten zu höheren Zinsen für die Wirtschaft, da die Geschäftsbanken sowohl die Einlagen- als auch die Kreditzinsen anhoben. Damit wurden die Aussichten auf eine Belebung des Wirtschaftswachstums in Indien getrübt, was die Notenbank nun zu einem Gegensteuern veranlasste.

Ökonomen vermissen klare Linie

Einige Ökonomen kritisierten den Zickzackkurs der Notenbank. Bereits in den vergangenen Wochen sei ein Flickenteppich an Maßnahmen beschlossen worden, eine stringente Strategie sei nicht erkennbar, sagte Taimur Baig, Volkswirt bei der Deutschen Bank in Singapur.

Auch die Barclays-Volkswirte kritisierten, dass der rasche Umschwung die langfristige Glaubwürdigkeit der Notenbank nicht erhöhe. Dennoch wird die Kurskorrektur als erfreulich bezeichnet, weil das Wachstum der indischen Wirtschaft mit rund fünf Prozent auf das niedrigste Niveau seit mehreren Jahren zurückgegangen ist.

Vielleicht wird der Kurs der Notenbank wieder vorhersehbarer, wenn am 4. September mit Raghuram Rajan ein früherer Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds die Leitung der Reserve Bank of India übernimmt. Der gegenwärtige Notenbankgouverneur Duvvuri Subbarao hat aus Sorge über die schwache Landeswährung und wegen der hohen Inflation Zinssenkungen sehr zurückhaltend gegenübergestanden, während das indische Finanzministerium auf niedrigere Zinsen drängte, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen