Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Krisen sorgen für trübe Stimmung: Industrie kämpft mit Auftragsrückgang

Die deutsche Industrie verzeichnet das schwächste Geschäft seit drei Jahren. Überraschend deutlich brechen vor allem Großaufträge ein. Das Wirtschaftsministerium erwartet keine deutliche Besserung - und nennt Gründe für die Entwicklung.

Die weltweiten Krisenherde machen der deutschen Industrie offenbar deutlich zu schaffen. Die Auftragseingänge gingen vor allem wegen eines Einbruchs bei den Großaufträgen im Juni gegenüber dem Vormonat überraschend um 3,2 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Plus von einem Prozent gerechnet. Das Bundeswirtschaftsministerium machte für die Entwicklung hauptsächlich "geopolitische Entwicklungen und Risiken" verantwortlich, die offenbar zu einer Zurückhaltung bei den Bestellungen geführt hätten.

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Im Mai hatte es bereits ein Auftragsminus von 1,6 Prozent gegeben. "Es ist daher zu erwarten, dass sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten eher moderat entwickeln wird", teilte das Bundeswirtschaftsministerium weiter mit.

Zuletzt hatte die Ukraine-Krise die Stimmung in der deutschen Wirtschaft belastet. Vor allem die schärferen Sanktionen gegen Russland sorgten für Verunsicherung. Ökonomen betonten allerdings, die schwächelnden Aufträge seien nicht allein auf diesen Konflikt zurückzuführen. "Die heutigen Daten zeigen, dass die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft nicht nur von geopolitischen Spannungen stammen, sondern auch von einer Nachfrageschwäche aus der Euro-Zone, die länger anhält als erwartet", sagte ING-Bank-Analyst Carsten Brzeski.

Starke US-Konjunktur schadet nicht

Während das gesamte Auslandsgeschäft um 4,1 Prozent nachließ, brachen die Bestellungen aus der Währungsunion um 10,4 Prozent ein. Die Orders von außerhalb der Euro-Zone hingegen blieben stabil. "Möglicherweise hat sogar die kräftigere US-Konjunktur im zweiten Quartal einem noch stärkeren Rückgang entgegengewirkt", sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. Auch Commerzbanker Ralph Solveen führt die Entwicklung weniger auf geopolitische Risiken zurück. Vielmehr spiegelten die Daten das zuletzt schlechtere konjunkturelle Umfeld wider - "stärkerer Euro, schwächere Weltwirtschaft". "Damit steigt das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft - nach einem leichten Minus im zweiten Quartal - auch im dritten Quartal enttäuschen wird", fügte Solveen hinzu.

Zu Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft - beflügelt vom starken Bau im milden Winter - noch kräftig um 0,8 Prozent gewachsen. Für das abgelaufene Quartal rechnen die meisten Ökonomen mit einem deutlich schwächeren Wachstum.

Der Euro ist durch die schwachen Zahlen unter Druck gesetzt worden. Am Morgen fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,3349 US-Dollar und damit auf einen neuen neunmonatigen Tiefstand. Der Dollar stieg auf 0,7487 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,3382 Dollar festgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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