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Preisverfall geht in nächste Runde: Iran-Öl heizt Abwärtsspirale an

Der Iran kündigt nach dem Ende der westlichen Sanktionen einen raschen Ausbau seiner Ölexporte an. Welche Rolle spielt Teheran am Ölmarkt? Welche Folgen sind absehbar? Was macht die Opec?

Mit Blick auf den Ölmarkt könnte der Zeitpunkt kaum ungünstiger sein: Iran darf nach der Aufhebung von Handelsbeschränkungen, die wegen seines Atomprogramms auferlegt wurden, wieder mehr Rohöl ausführen. Was für die sanktionsgeplagte Wirtschaft Irans eine gute Botschaft ist, spitzt die Lage am Rohölmarkt noch weiter zu. In der Nacht erreichten der Preis für Nordsee-Öl bei 27,70 Dollar je Barrel (159 Liter) und der Preis für US-Öl der Sorte WTI bei 28,36 Dollar je Fass den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Damit sind die beiden wichtigen Ölpreise für die Weltwirtschaft seit Jahresbeginn um etwa ein Viertel eingebrochen.

Am Abend war zwar ein Teil der frühen Verluste wieder wettgemacht. Ein Fass Nordsee-Öl der Sorte Brent mit Lieferung im März kostete mit um 29 Dollar aber immer noch weniger als am Freitag. Ein Fass WTI zur Lieferung im Februar kostete um 30 Dollar.

Opec mit Zuversicht

Der Preis für Opec-Rohöl fällt ebenfalls immer weiter. Am Montag teilte das Opec-Sekretariat mit, dass der Korbpreis am Freitag 24,74 US-Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 26 Cent weniger als am Vortag. Opec-Rohöl ist damit ebenfalls so günstig wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

Die Opec setzt darauf, dass sich der Ölmarkt im Laufe dieses Jahres auszubalancieren beginnt. Den Optimismus zieht die Organisation aus der Erwartung, dass sich die Preisschwäche auf die Fördermengen außerhalb des Kartells auswirken wird. "Nach sieben Jahren mit einem kräftigen Wachstum des Angebots von Nicht-Opec-Staaten, teilweise von mehr als 2 Millionen Barrel pro Tag, dürfte 2016 das Jahr eines Förderrückgangs sein, da sich jetzt die Folgen deutlicher Investitionskürzungen bemerkbar machen werden", heißt es in dem Monatsbericht Januar des Kartells. Obwohl die Opec einräumt, dass für dieses Jahr neue Projekte mit einer Förderung von mehr als 2 Millionen Barrel pro Tag geplant seien, rechnet sie mit einem Rückgang der durchschnittlichen Nicht-Opec-Produktion um 700.000 Barrel pro Tag.

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Wegen der deutlichen Verringerung seines Atomprogramms hat der Iran, wichtiges Mitgliedsland der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), den Weg für ein Ende der Wirtschaftssanktionen frei gemacht. Mit der Aufhebung der Sanktionen darf das islamische Land wieder Öl und Gas in die EU exportieren.

Welche Rolle spielt Iran am Ölmarkt?

Bevor der Streit über das iranische Atomprogramm eskalierte, war Iran ein sehr wichtiger Ölförderer. Im Ölkartell Opec (Organisation Erdöl exportierender Länder) war es nach Saudi-Arabien, dem mit Abstand mächtigsten Mitgliedsland, lange Zeit der größte Produzent. Infolge der Handelssanktionen fiel das Land in der Bedeutung aber zurück. Zuletzt lag die Tagesproduktion bei weniger als drei Millionen Barrel (je 159 Liter), verglichen mit mehr als zehn Millionen Fass pro Tag in Saudi-Arabien. In der Opec rangiert Iran zurzeit an fünfter Stelle.

Wie will Iran auf die Sanktionsaufhebung reagieren?

Die Ankündigung der Europäischen Union vom Wochenende, Einfuhrverbote für iranisches Rohöl aufzuheben, kam nicht überraschend. Weil Iran seinen Verpflichtungen aus dem Atomabkommen laut der Aufsichtsbehörde IAEA nachgekommen ist, war eine rasche Aufhebung der Sanktionen bereits erwartet worden. Das Land hat im Vorgriff bereits angekündigt, seine Ausfuhren schnell um eine halbe Million Barrel je Tag steigern zu wollen. Ob eine rasche Erhöhung von Produktion und Ausfuhr gelingt, ist unter Experten aber umstritten. Zunächst muss etwa die Ölindustrie modernisiert werden. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani betont, ein kurzfristiger Boom sei unrealistisch. Welche Folgen hat eine Rückkehr Irans an den Ölmarkt? Eine ganz erhebliche, denn die Welt schwimmt bereits in Rohöl.

Die Opec produziert etwa eine Million Barrel je Tag mehr als nachgefragt wird. Wichtigster Grund dafür ist ein Preiskampf, mit dem vor allem Saudi-Arabien seine Marktanteile verteidigen will. Das richtet sich in erster Linie gegen aufstrebende Produzenten aus den USA, die ihre Förderung durch die umstrittene Fracking-Technologie stark erhöht haben. Aber auch andere größere Föderländer wie Russland oder Kanada pumpen immer mehr Öl in den Markt. Das hat die Weltmarktpreise für Rohöl auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren einbrechen lassen. Derzeit liegt er unter 30 Dollar, verglichen mit 110 Dollar Mitte 2014.

Was bedeutet der Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Die Folgen sind zweischneidig, weil es Gewinner und Verlierer gibt. Zu den Profiteuren zählen Verbraucher sowie Unternehmen in Ölimportländern wie Deutschland. «Niedrigere Ölpreise kommen in Europa einer Steuersenkung gleich», sagt Erik Nielsen, Chefvolkswirt der Großbank Unicredit. Und Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg, betont: «Für die Welt als Ganzes ist die zusätzliche Versorgung mit Öl ein Segen.» Verlierer sind dagegen Unternehmen und Länder, die an dem Verkauf von Rohöl verdienen. Das kann zu zahlreichen Problemen führen, weil Firmen Personal abbauen und Staaten Sozialausgaben kürzen müssen.

Fallen die Ölpreise jetzt noch weiter?

 Das ist eine schwierige Frage, weil die Antwort von vielen Faktoren abhängt. Grundsätzlich spricht ein noch höheres Angebot für noch niedrigere Preise. Allerdings rechnen Experten mit einem bald fallenden Angebot in den USA, weil viele der dortigen Produzenten schon jetzt nicht mehr rentabel arbeiten können. Die Fachleute von der Commerzbank erwarten deshalb eine deutliche Verringerung der US-Förderung im Laufe des Jahres. Auf längere Sicht könnte es sogar zu einer Ölknappheit und steigenden Preisen kommen, weil viele Förderer wegen des Ölpreisverfalls zurzeit ihre Investitionen zurückstellen.

Quelle: n-tv.de

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