Wirtschaft
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Aktion mit Geschmäckle: Ist Zalando der letzte Schrei im Depot?

Das Börsendebüt des Online-Versenders Zalando verläuft eher mau. Inzwischen handelt das Papier fast ein Drittel unter dem Ausgabepreis. Doch nun werfen Analysten mit Kaufempfehlungen um sich. Doch wem nutzen diese wirklich?

Für die Zalando-Aktie hagelt es zu beginn der neuen Handelswoche Kaufempfehlungen. Der US-Broker Jefferies hat sein Votum schon öffentlich gemacht. Und auch die Investmentbanken Citigroup, Credit Suisse und Morgen Stanley sollen ihren Kunden laut Händlern in internen Studien zum Kauf des Internet-Kleiderhändlers geraten haben. Im frühen Geschäft sorgte das noch für ein Kursplus von fünf Prozent bei Zalando - inzwischen nimmt sich der Kursanstieg der Aktie mit 0,5 Prozent eher kläglich aus.

Offenbar legte sich die positive Wirkung der konzertierten Aktion, als den Händlern klar wurde, dass Zeitpunkt und die positive Grundstimmung der Analysen kein Zufall sind: Die 40-tägige Stillhaltefrist der beratenden Banken nach dem Börsengang von Zalando ist jetzt zu Ende. Und zumindest Jefferies, Credit Suisse und Morgan Stanley waren beim Börsengang mit dabei.

Geht operatives Ergebnis durch die Decke?

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"Der Online-Zug fährt weiter, und das immer schneller", sagt David Reynolds von Jefferies. Vom 420 Milliarden Euro schweren europäischen Textilmarkt würden bislang mit 38 Milliarden Euro gerade einmal neun Prozent online gehandelt. Rechne man noch das Segment "Home & Beauty" hinzu, auf das auch Zalando ein Auge werfen könnte, dann sei man schon bei einem Marktvolumen von 535 Milliarden Euro.

Für diese Märkte sei Zalando gut aufgestellt. Der Online-Händler ist mit insgesamt 150.000 Produkten in 15 europäischen Kernmärkten präsent und erreicht so fast zwei Drittel aller Kunden zwischen 30 und 59 Jahren. Das dürfte die Gewinne rasch in die Höhe treiben. Reynolds prognostiziert, dass das operative Ergebnis von 2014 bis 2016 um den Faktor 15 nach oben schießen wird.

Daraus berechnet der Analyst ein Kursziel für die Aktie von 21,50 Euro. Das entspricht zufällig genau dem Preis, zu dem die Papiere Anfang Oktober ausgegeben wurden. Nach dem folgenden Kursabsturz räumt das neue Ziel von Jefferies Zalando ein Aufwärtspotenzial von 17 Prozent ein und macht die Aktie aus Sicht von Reynolds zu einem "Buy".

Markt bewertet Papier anders

Am Markt hat man das jedoch bislang anders gesehen. Vom Höchstkurs von 24,49 Euro beim Börsendebut brach die Aktie in nur drei Tagen um fast 30 Prozent ein. Seitdem pendelt sie zwischen 17,00 und 19,40 Euro. Auch die Kaufempfehlungen der vier genannten Investmenthäuser kann zunächst keine wirkliche Kursrakete zünden.

Das liegt vor allem daran, dass viele Analysten bei Zalando noch große Risiken wittern. "Eine Gefahr ist die Geschwindigkeit, mit der Europas Modemarkt vom Online-Geschäft durchdrungen wird", mahnt etwa Georgina Johanan von JP Morgan. Dieses Tempo könne sich verlangsamen oder der Trend gar drehen. Ungemach drohe auch von Kontrahenten, vor allem dann, wenn sich ein großer Online-Retailer wie Amazon den Modemarkt aggressiver als bislang vorknöpfen würde. Die Analystin rät deshalb, die Zalando-Aktie im Portfolio neutral zu gewichten.

Goldman schiebt Rocket an

Andere Analysten wie Charlie Muir-Sands von der Deutschen Bank halten die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau schlicht für ausreichend bewertet. "Wir sehen über den gesamten Sektor des Internethandels Druck auf die Gewinnmargen", sagt Muir-Sands. Für ihn ist die Aktie daher kein Kauf mehr, sondern eine Haltposition.

Richtig bergauf geht es am Montag dagegen bei dem anderen prominenten Neuzugang der Börse des Herbstes: Goldman Sachs hat Händlern zufolge die Aktie des deutschen Startup-Motors Rocket Internet auf eine Kaufliste genommen und ein Kursziel von 69 Euro ausgerufen. Das räumt der Aktie mehr als 60 Prozent Kurspotenzial ein und lässt den Kurs um elf Prozent nach oben schnellen. Goldman Sachs ist dafür bekannt, bei Kaufempfehlungen bisweilen nicht zimperlich zu sein und hohe Kursziele zu nennen.

Quelle: n-tv.de

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