Wirtschaft
Während die Preise kaum steigen, erhöhen sich jedoch die Löhne und Gehälter der Deutschen.
Während die Preise kaum steigen, erhöhen sich jedoch die Löhne und Gehälter der Deutschen.(Foto: imago/McPHOTO)

Verbraucher sind die Gewinner: Ist die Null-Inflation gut oder schlecht?

Die Inflation in Deutschland ist schon seit Monaten extrem niedrig. Im September steigen die Verbraucherpreise auf Jahressicht gar nicht. Das stärkt bei steigenden Löhnen die Kaufkraft der Verbraucher. Doch Währungshüter warnen - warum?

Hat die Inflation in Deutschland den Tiefpunkt erreicht? Im September stagnierten die Verbraucherpreise auf Jahressicht - vor allem, weil sich der Absturz der Energiepreise nochmals beschleunigt hat.

Sind sinkende oder stagnierende Preise nicht gut für Verbraucher?

Konsumenten sind die großen Gewinner sinkender oder kaum steigender Preise. Denn sie können sich für ihr Geld mehr leisten, ihre Kaufkraft steigt. Das gilt umso mehr, weil die Einkommen derzeit steigen. Nach einer am Dienstag vorgelegten Studie von Towers Watson steigen die Löhne und Gehälter in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich um 2,9 Prozent. Da die Inflation nur einen kleinen Teil dieses Anstiegs abknabbert, bleibt unterm Strich mehr übrig.

Was ist denn dann schlecht daran, wenn Preise fallen?

Es kann Verbraucher und Unternehmen dazu verleiten, Anschaffungen und Investitionen aufzuschieben - denn diese könnten ja in absehbarer Zeit noch billiger werden. Mögliche Folgen: Die Wirtschaft friert ein, Firmen müssen Mitarbeiter entlassen. Es besteht die Gefahr, dass es zu einer Abwärtsspirale aus rückläufigen Preise quer durch alle Warengruppen und schrumpfender Wirtschaft kommt, einer Deflation.

Droht aktuell eine Deflation?

Stabile Preise

Die Europäische Zentralbank ist verpflichtet, für stabile Preise zu sorgen. Preisstabilität definiert die EZB allerdings nicht bei null Prozent Inflation, sondern bei einer mittelfristigen Steigerung des Preisniveaus "unter, aber nahe" zwei Prozent.

Die EZB will damit vor allem einen Sicherheitsabstand zur Deflation einhalten, also einen länger anhaltenden Rückgang des Preisniveaus vermeiden. Sie berücksichtigt damit auch, dass es zu leichten Messfehlern kommen kann. Eine gemessene Inflationsrate von Null könnte auf einen leichten Rückgang des tatsächlichen Preisniveaus hinweisen.

Die Zielmarke von zwei Prozent verfolgt einen weiteren Zweck: In der Eurozone gibt es Länder mit höheren und Länder mit niedrigeren Inflationsraten. Würde die EZB eine durchschnittliche Preissteigerung von null Prozent anstreben, müssten einige Mitgliedsstaaten entsprechend negative Raten aufweisen, um die Preissteigerung in anderen Staaten auszugleichen.

Die meisten Volkswirte sehen keine solche Gefahr. Denn der jüngste Rückgang des Preisauftriebs sowohl in Deutschland als auch im Euroraum hat seine Ursache vor allem darin, dass Energie deutlich günstiger ist als ein Jahr zuvor. So waren Haushaltsenergie und Kraftstoffe für Verbraucher hierzulande im September 9,3 Prozent billiger als vor einem Jahr. Die Inflationsrate sei in diesem Jahr "ein Spielball des Rohölpreises", hatte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater im Sommer festgestellt. Bei konstantem Ölpreis läge die Inflation in Deutschland etwa bei einem Prozent.

Sind sinkende Ölpreise nicht im Grunde gut für die Konjunktur?

Auf jeden Fall: Verbraucher können tendenziell günstiger tanken und heizen, sie haben deshalb mehr Geld für andere Dinge übrig. Viele Unternehmen können billiger produzieren, weil sie weniger für Energie und Rohstoffe ausgeben müssen. So wirkt ein sinkender Ölpreis wie ein kleines Konjunkturprogramm. Und wenn die Konjunktur anzieht, treibt das auch die Teuerungsraten in der Regel wieder nach oben.

Was tun Währungshüter gegen die Mini-Inflation?

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das garantiert aus Sicht der Notenbank stabile Preise, weil es weit genug entfernt ist von der Nullmarke - und damit von der Gefahr eines Abrutschens in die Deflation. Doch seit Monaten liegt die Teuerung im Euroraum weit unterhalb der Zwei-Prozent-Zielmarke. Die jüngsten Zahlen der europäischen Statistikbehörde für August hatten für den Euroraum eine Jahresinflation von 0,1 Prozent ergeben. Um die Konjunktur und somit zugleich die Inflation wieder nach oben zu treiben, pumpt die EZB seit März monatlich 60 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere - 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Das frische Geld soll über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern ankommen. Geht die Rechnung auf, beflügelt das Konsum und Investitionen - und das treibt Konjunktur und Inflation an.

Welche Folgen hat die niedrige Inflation für Sparer?

Generell gilt, dass Inflation die Ersparnisse auffrisst. Diese Gefahr besteht aktuell nicht. Allerdings sind die Zinsen auch so niedrig wie nie: Die EZB hat den Leitzins im Euroraum mit aktuell 0,05 Prozent praktisch abgeschafft, um die Konjunktur anzuschieben und den Preisauftrieb zu stärken. In der Folge werfen Tagesgeld oder Sparkonto kaum noch Zinsen ab. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge. Kreditnehmer profitieren andererseits von den extrem niedrigen Zinsen: Baugeld etwa ist so günstig wie seit Jahren nicht.

Quelle: n-tv.de

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