Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Niedrigere Zinsen am Geldmarkt: Italien spürt Rückenwind

Entwarnung für Italien am Anleihemarkt: Das drittgrößte Land der Eurozone muss weniger Zinsen für frisches Geld bezahlen. Der Markt fasst hinsichtlich der Reformen der Regierung Monti scheinbar Vertrauen. Allerdings ist die Auktion einjähriger Anleihen nur 1,1-fach überzeichnet.

Trotz zuletzt gesunkener Kreditwürdigkeit hat sich Italien zu den günstigsten Zinsen seit vorigem Sommer mit frischem Geld eingedeckt. Für die Papiere mit zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 8,5 Milliarden Euro musste das hoch verschuldete Land den Investoren lediglich eine Rendite von 2,23 Prozent zahlen.

Derart niedrige Zinsen hatte Italien zuletzt im Juni 2011 auf den Tisch legen müssen. Zum Vergleich: Zuletzt lag die Rendite noch bei 2,735 Prozent. Die jüngste Auktion war jedoch nur knapp 1,1-fach überzeichnet, während die Nachfrage bei der vorherigen Versteigerung noch fast anderthalb Mal so hoch wie das Angebot war. Reuters erfuhr von einem Vertreter der Notenbank Italiens, dass technische Probleme in der Schlussphase der Auktion womöglich der Grund für das "nicht zufriedenstellende" Interesse an den Papieren war. Die Panne werde untersucht.

Nach Standard & Poor's (S&P) hatte Ende Januar auch die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von Italien und anderen Schuldenstaaten der Euro-Zone herabgestuft. Ministerpräsident Mario Monti schaffte es mit seinem Reformkurs jedoch offensichtlich, die Investoren bei der Stange zu halten. Ökonom Alessandro Giansanti von ING wertet es vor diesem Hintergrund als "positives Zeichen", dass der Trend nachgebender Zinsen anhält. Helaba-Analyst Ralf Umlauf plädiert dafür, die nachlassende Nachfrage angesichts der insgesamt erfolgreichen Emission nicht überzubewerten: "Man muss ja jetzt nicht überall ein Haar in der Suppe suchen."  

Italien war mit der Eskalation der Euro-Krise im vorigen Sommer ins Visier der Märkte geraten. Die EZB hatte daraufhin zur Marktstabilisierung auch Papiere von Italien und Spanien aufgekauft und damit de facto die Zinskosten der beiden klammen Länder gedrückt. Weitere Erleichterung verschaffte im Dezember eine langlaufende Kreditlinie der EZB für die Banken, über die sich die Institute zum Leitzins von 1,0 Prozent mit knapp einer halben Billion Euro eindecken konnten.

Extrem niedrige Zinsen für Deutschland

Deutschland profitiert unterdessen weiter von seinem Status als sicherer Hafen und konnte sich erneut zu Minizinsen am Markt mit frischem Geld eindecken. Bei der Emission sechsmonatiger Schatzanweisungen (Bubills) nahm die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur insgesamt 3,01 Milliarden Euro ein. Dafür zahlte sie den Anlegern einen Zins von 0,076 Prozent. Im Januar hatten die von der Euro-Krise verschreckten Investoren dem deutschen Staat sogar Geld gezahlt, um an die als praktisch ausfallsicher geltenden Papiere zu gelangen: Der Zins lag damals bei minus 0,012 Prozent.    

Der Appetit der Anleger nach den Papieren ließ nun dennoch nach. Die Auktion war 1,5-fach überzeichnet. Im Januar hatte die Nachfrage das Angebot noch um das 1,8-Fache übertroffen. Die Finanzagentur sprach von einem soliden Ergebnis.

Quelle: n-tv.de

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