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So hätte der Gewinn sein können - doch dann waren da noch die Rückstellungen für Rechtskosten.
So hätte der Gewinn sein können - doch dann waren da noch die Rückstellungen für Rechtskosten.(Foto: REUTERS)

Rechtskosten fressen Gewinn: JP Morgan bringt sich um den Lohn

Die US-Banken profitieren von der robusten Konjunktur. Zu Beginn der Berichtssaison vermelden zwei Schwergewichte glänzende Geschäfte. Allerdings reißen zumindest in einem Fall frühere Fehltritte das Geldhaus dennoch tief ins Minus.

Die Sünden der Vergangenheit verhageln der erfolgsverwöhnten US-Großbank JP Morgan das dritte Quartal. Überraschend rutschte das Finanzinstitut in die roten Zahlen. Immense Kosten für Rechtsstreitigkeiten führten zu einem Nettoverlust von 380 Millionen Dollar, wie JP Morgan mitteilte. Vor einem Jahr hatte unter dem Strich noch ein Gewinn von 5,7 Milliarden Dollar gestanden. Ohne die Rechtskosten hätte die Bank nun einen Gewinn von 5,8 Milliarden Dollar ausweisen können. Die Einnahmen erreichten 23,1 Milliarden Dollar.

Die Bank hat immer wieder Ärger wegen Unregelmäßigkeiten im Handel. Allein von Juli bis September summierten sich die Kosten für Rechtsstreitigkeiten auf 9,2 Milliarden Dollar. Zuletzt hatte das Geldhaus Insidern zufolge mit den Behörden verhandelt, um alle offenen Vorwürfe und Klagen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Wertpapieren und Immobilienkrediten vor Ausbruch der Finanzkrise aus der Welt zu schaffen. Das nun zurückgelegte Geld soll genau dafür verwendet werden.

Wegen ähnlicher Fälle muss sich auch die Deutsche Bank immer wieder juristisch verantworten. Meist konnten die Amerikaner aber die Sonderlasten im Kerngeschäft mehr als ausgleichen. Verluste gab es nur sehr selten. 

Spätestens seit dem Handelsskandal um den sogenannten "Wal von London" im Mai 2012 stehen JP Morgan und Bankchef Jamie Dimon unter besonderer Beobachtung. Ein Londoner Händler hatte mit riesigen Derivate-Positionen 6,2 Milliarden Dollar verzockt.

Wells Fargo verdient erneut mehr

Neben JP Morgan legte auch Wells Fargo Zahlen vor. Dabei ließ sich die Bank im dritten Quartal vom geringeren Hypothekenaufkommen in den USA nicht beeindrucken. Der größte Hypothekenfinanzierer des Landes erzielte dank deutlich geringerer Rückstellungen für faule Kredite sowie seinem Sparprogramm ein Rekordergebnis, das die Erwartungen der Analysten zudem leicht übertraf.

Der US-Immobilienmarkt lässt Wells Fargo gut verdienen.
Der US-Immobilienmarkt lässt Wells Fargo gut verdienen.(Foto: Reuters)

Im Zeitraum von Juli bis September stieg der Gewinn der Bank auf Jahressicht um 13 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Je Aktie erzielte Wells Fargo einen Überschuss von 0,99 Dollar, etwas mehr als von Analysten erwartet. Die Einnahmen gingen um 3,5 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar zurück.

Die Einnahmen aus dem Hypothekengeschäft seien im abgelaufenen Quartal zwar wie erwartet niedriger ausgefallen, sagte Finanzchef Tim Sloan. Die ansteigenden Zinsen hätten das Refinanzierungsvolumen reduziert. Das habe die Bank jedoch durch Einsparungen und eine deutlich geringere Risikovorsorge ausgleichen können.

Wells Fargo gehört zu den größten Gewinnern der Finanzkrise. Es profitiert auch von der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank und deren besonderen Stützungsmaßnahmen für den Immobiliensektor. Inzwischen bremsen die wieder steigenden Zinsen für Hausbesitzer die Geschäfte. Mit einem Sparprogramm will sich Wells Fargo daher auf die Zeit nach dem Ende des billigen Geldes vorbereiten: Mindestens 4800 von zuletzt 274.000 Stellen sollen wegfallen.

Auftakt der Banken-Berichte

JP Morgan und Wells Fargo läuteten nun die Berichtssaison für die großen amerikanischen Institute ein. Wie die amerikanischen Banken insgesamt dastehen, wird sich kommende Woche zeigen, wenn die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Hierzulande wird die Deutsche Bank ihre Zahlen am 29. Oktober vorlegen, die Commerzbank Anfang November.

Erst vor gut zwei Wochen hatte eine Studie ergeben, dass US-Banken die Belastungen aus der weltweiten Finanzkrise deutlich schneller verarbeitet haben als europäische Geldinstitute. "Der Nettogewinn der größten zehn US-Banken lag im ersten Halbjahr mit 96 Milliarden Euro viermal so hoch wie der Nettogewinn der europäischen Top-Banken", teilte die Beratungsunternehmen EY (früher Ernst & Young) mit. Im Vergleich zum Vorjahr habe der Nettogewinn der US-Geldinstitute um 160 Prozent zugelegt, während die europäischen Geldhäuser nur ein Plus von 54 Prozent.

Robuste Konjunktur beflügelt

"Die US-Banken haben die Belastungen aus der Finanzkrise schneller und konsequenter verarbeitet - Stichworte Zwangskapitalisierung und Ausweisung von Milliardenverlusten. Heute sind sie daher weitgehend frei von Altlasten und somit handlungsfähiger", sagte EY-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier. Zudem profitierten sie von der im Vergleich zu Europa deutlich stärkeren US-Wirtschaft und der Erholung auf dem heimischen Immobilienmarkt. Und sie seien stärker auf das Investmentbanking ausgerichtet, das derzeit dank der guten Entwicklung an den Kapitalmärkten hohe Gewinne abwerfe.

Müller-Tronniers ist zudem der Überzeugung , dass sich Europas Banken auf eine längere Durststrecke einrichten müssen: "Die Konjunkturkrise wird sich weiter negativ auf die Performance der europäischen Banken auswirken und eine hohe Risikovorsorge nötig machen." Auch seien weitere Belastungen aus der Staatsschuldenkrise in Form von Wertminderungen im Kreditportfolio ebenfalls nicht auszuschließen.

Quelle: n-tv.de

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