Wirtschaft
Anshu Jain hat die Rechnung ohne die Bafin gemacht.
Anshu Jain hat die Rechnung ohne die Bafin gemacht.(Foto: REUTERS)

Bafin blockt bei Deutscher Bank: Jain-Vertrauter droht zu scheitern

Dem künftigen Deutsche-Bank-Chef Jain droht schon vor seinem Wechsel an die Führungsspitze eine peinliche Schlappe: Die Bankenaufsicht Bafin hat einem Bericht zufolge Zweifel an der Eignung des designierten Risikovorstands Broeksmit. Ohne Zustimmung der Aufseher müsste die Bank rasch einen Ersatz finden.

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Unmittelbar vor einem radikalen Umbau des Vorstands der Deutschen Bank zeichnet sich unerwarteter Widerstand der Finanzaufsicht gegen eine zentrale Personalentscheidung an: Nach Informationen des "Spiegel" hat die Bankenaufsicht Bafin dem Kandidaten für den Posten des Risikovorstands, William Broeksmit, bislang keine Freigabe erteilt. Die Aufseher hätten offenbar schwere Bedenken, ob Broeksmit für den Posten geeignet sei, heißt es.

Broeksmit gilt als enger Vertrauter des designierten neuen Vorstandschefs "Regenmacher" aus Indien und arbeitet seit 2008 im Risikomanagement der Deutschen Bank. Deutsche Bank weniger deutsch wurde bereits in den vergangenen Tagen laut. Dabei wurde Broeksmit fehlende Führungserfahrung vorgeworfen.

Großer Umbau

Eigentlich sollte Broeksmit am heutigen Freitag vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank zum Nachfolger von Hugo Bänziger gewählt werden. Bleibt die Bafin bei ihrer Ablehnung, wäre dies ein Eklat.

In Finanzkreisen hieß es, statt Broeksmit solle nun der Schotte Stuart Lewis dem Aufsichtsrat vorgeschlagen werden. Das berichten zwei Personen aus dem Umfeld des Gremiums. Lewis ist derzeit Stellvertreter des Amtsinhabers Bänziger. Weder die Deutsche Bank noch die Bafin wollten sich zu der Personalie äußern.

Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung war durchgesickert, dass das ab Juni amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen mindestens zwei Vertraute von Noch-Deutsche-Bank-Chef Ackermann zieht in die Heimat austauschen will. Risikovorstand Hugo Bänziger soll ebenso gehen wie Personal- und IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Ackermann verlässt die Deutsche Bank am 31. Mai - nach zehn Jahren an deren Spitze.

Als eines der neuen Vorstandsmitglieder war Broeksmit gehandelt worden. Er soll als Risikomanager der Deutschen Bank besonders enge Kontakte zu Jain haben. Dem "Spiegel" zufolge baute er das Geschäft mit außerbörslich gehandelten Derivaten in Europa auf - jener Kategorie von Wertpapieren, der eine Mitschuld am Ausbruch der Finanzkrise gegeben werde.

Für Personal, Recht und das Europageschäft soll bei der Deutschen Bank der Investmentbanker Stephan Leithner zuständig sein, als Nachfolger Lambertis ist nach bisherigen Angaben der Jain-Vertraute Henry Ritchotte vorgesehen.

Quelle: n-tv.de

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