Wirtschaft
Im Januar hatte der Manager Suizid verübt.
Im Januar hatte der Manager Suizid verübt.(Foto: picture alliance / dpa)

Angst vor Ermittlungen: Jain-Vertrauter hinterließ Abschiedsbriefe

Die Angst vor Nachforschungen bei der Deutschen Bank hat einen ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter der Frankfurter Bank in den Freitod getrieben. Der 58 Jahre alte Manager hatte als hochrangiger Risikomanager gearbeitet und ging vorzeitig in Ruhestand.

Der ehemalige Deutsche-Bank -Risikomanager William Broeksmit hat vor seinem Selbstmord mehrere Abschiedsbriefe an seine Familie und Freunde hinterlassen. Das ist das Ergebnis der offiziellen Untersuchung der Todesumstände des 58-Jährigen, der Ende Januar tot in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Kensington aufgefunden worden war. Broeksmit galt als enger Vertrauter von Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain. Die leitende Ermittlerin Fiona Wilcox sagte bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts, aus den Abschiedsbriefen gehe "klare Selbstmordabsicht" hervor. Zum Inhalt der Briefe äußerte sie sich nicht.

Der Amerikaner Broeksmit hatte als führender Risikomanager für die Deutsche Bank gearbeitet und war vor gut einem Jahr vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Aus ärztlichen Dokumenten, die bei der Untersuchung vor dem High Court vorgelegt wurden, geht hervor, dass Broeksmit wenige Monate später, im Sommer 2013, "sehr ängstlich" darüber gewesen sei, dass die Behörden in Bereichen ermittelten, in denen er gearbeitet hatte. Bei seinem offenbar letzten Arztbesuch im Dezember 2013 habe er dann aber weder ängstlich noch depressiv gewirkt. Auch ein Psychologe berichtete, Broeksmit habe letztlich selbst eingeräumt, dass seine Angstzustände rational nicht zu begründen seien. "Bill Broeksmit stand unter keinerlei Verdacht eines Fehlverhaltens", betonte die Bank.

Als Risikovorstand gehandelt

Broeksmit, der als Leiter der Risiko- und Kapitalsteuerung zuletzt eine Hierarchiestufe unter dem Vorstand tätig war, galt als eine der Schlüsselfiguren der Deutschen Bank im Bemühen, die komplexen Transaktionen aus der Finanzkrise zu entwirren. Jain hatte ihn 2012 in seiner Führungsmannschaft eigentlich als Risikovorstand vorgesehen. Doch die deutsche Finanzaufsicht Bafin legte sich quer: Sie zweifelte zwar Broeksmits fachliche Qualitäten nicht an, bemängelte aber seine fehlende Führungserfahrung. Anstelle von Broeksmit wurde schließlich Stuart Lewis Nachfolger des Risiko-Managers Hugo Bänziger.

Broeksmits Familie war bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts nicht zugegen. Ein Anwalt verlas vor Reportern später jedoch eine persönliche Erklärung der Ehefrau Alla, in der es hieß: "Bill war ein liebender Ehemann und hingebungsvoller Vater. Sein Verlust bricht den Kindern und mir das Herz."

Quelle: n-tv.de

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