Wirtschaft
Toyota leidet unter Absatzschwäche.
Toyota leidet unter Absatzschwäche.(Foto: REUTERS)

Starker Yen und Inselstreit: Japan in der Rezession

Was der deutschen Wirtschaft der Ifo-Index ist in Japan der Tankan-Bericht. Die jüngste Umfrage unter rund 10.000 Unternehmen malt dabei ein düsteres Stimmungsbild und prognostiziert das zweite Quartal in Folge ein schrumpfendes BIP. Experten sprechen von einer technischen Rezession und begründen diese mit dem starken Yen, der großen Exportabhängigkeit und dem Inselstreit mit China, Japans wichtigstem Handelspartner.

In Japans Industrieunternehmen macht sich zunehmend Pessimismus breit. Die Stimmung in den Chefetagen wurde vor allem von der anhaltenden Yen-Stärke und der globalen Konjunkturflaute getrübt. Wie aus dem von der Bank of Japan (BoJ) vierteljährlich vorgelegten Tankan-Bericht hervorgeht, sank der sogenannte Diffusionsindex, der die Lagebeurteilung der Unternehmen abbildet, in den drei Monaten bis September auf minus 3 Punkte. Im Juni hatte der Index bei minus 1 notiert. Ökonomen hatten mit dieser Entwicklung gerechnet.

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Das Stimmungsbarometer notiert damit das vierte Quartal in Folge im negativen Bereich. Ein Wert unter null signalisiert, dass sich die Ökonomie in einer schlechten Verfassung befindet. Die japanische Wirtschaft ist sehr exportabhängig, deshalb belastet die globale Wachstumsabschwächung sehr stark. Insbesondere das schwächere Wachstum in China besorgt die Manager, da China mittlerweile der wichtigste Handelspartner für Japan ist. Und wegen des Inselstreits droht ein handfester Konflikt, der zumindest die Handelsströme schwer treffen könnte.

"Technische Rezession"

Im Dienstleistungsbereich sieht es im Unterschied zur Industrie nicht ganz so düster aus: Die Großunternehmen im Servicebereich hielten an ihrer Beurteilung der Wirtschaftslage fest, der Indikator notiert wie im Vorquartal bei plus 8 Zähler. Auch damit wurde die Prognose der Ökonomen erfüllt. Der Dienstleistungsbereich profitiert von dem Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe.

"Der Tankan-Bericht hat untermauert, dass die Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfen dürfte. Und nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung von Juli bis September bedeutet das eine technische Rezession", sagte Norio Miyagawa, Ökonom bei Mizuho Securities Research. Allerdings sollte die Rezession milde ausfallen, fügte der Experte hinzu.

Das Geschäftsklima in der Automobilindustrie, ein wichtiger Sektor der japanischen Wirtschaft, wurde von der globalen Konjunkturschwäche und dem Auslaufen der Subventionen für umweltfreundliche Fahrzeuge besonders hart getroffen. Auch die antijapanischen Proteste, in deren Gefolge viele japanische Fabriken in China schließen mussten, waren der Stimmung abträglich.

10.000 Unternehmen befragt

Das Wort Tankan ist eine Abkürzung für "Untersuchung zur kurzfristigen Konjunktureinschätzung der Unternehmen". Der Bericht besteht dabei aus verschiedenen Unterindizes, die zu einem Indikator zusammengefügt werden. Am stärksten im Fokus stehen die Indizes für die Großunternehmen der Industrie und des Dienstleistungsgewerbes.

Der Bericht, für den rund 10.000 Unternehmen aller Größenordnungen befragt werden, gilt als wichtiger Kompass für die Geldpolitik der japanischen Notenbank. Die vierteljährlich erhobene Tankan-Umfrage ist mit dem deutschen Ifo-Index vergleichbar. Der Diffusionsindex zur Wirtschaftsstimmung misst die Differenz zwischen den Unternehmen, die angeben, dass ihre Geschäftslage besser ist, und jenen Betrieben, die ihre Lage schlechter einschätzen.

Ökonomen sagten, es sei unwahrscheinlich, dass die Währungshüter unmittelbar mit weiteren Aktionen auf den Tankan-Bericht reagieren würden. Erst am 19. September hatte die BoJ beschlossen, die Wertpapierkäufe um 10 Billionen Yen aufzustocken und damit die Notenpresse schneller laufen zu lassen. Insbesondere der Beschluss der Federal Reserve, die Geldschleusen wieder zu öffnen, hatte den Yen unter Aufwärtsdruck gesetzt, so dass die BoJ unter politischen Druck geriet, mit einer Aktion dagegenzuhalten.

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Quelle: n-tv.de

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