Wirtschaft
Die BoJ lockert ihre Geldpolitik deutlich.
Die BoJ lockert ihre Geldpolitik deutlich.(Foto: REUTERS)

Bank of Japan nennt Inflationsziel: Japan lockert Geldpolitik

Bei einem Zinssatz von 0 bis 0,1 Prozent sind der Bank of Japan zinspolitisch die Hände gebunden, wenn es um die Ankurbelung der in Richtung Rezession marschierenden Konjunktur geht. Also werden geldpolitische Hebel in Bewegung gesetzt. Unerwartet, deutlich und mit einem neuen Dreh.

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Japans Wirtschaftswachstum ist keines mehr. Die Bank of Japan (BoJ) hat wohl deshalb ihre extrem expansive Geldpolitik überraschend weiter gelockert und sich zu einem Inflationsziel bekannt. Das Kaufziel für Wertpapiere wurde um 10 Billionen Yen auf 65 Billionen Yen aufgestockt, wie der BoJ-Rat im Anschluss an seine zweitägige Sitzung mitteilte. Ökonomen hatten in überwältigenden Mehrheit erwartet, dass die BoJ ihre Geldpolitik vorerst unverändert lässt. Nur einer von insgesamt elf befragten Experten hatte eine Lockerung vorausgesagt. Der Leitzins wurde indessen bei 0 bis 0,10 Prozent belassen.

In den vergangenen Tagen und Wochen hatte die japanische Regierung die Währungshüter immer deutlicher dazu gedrängt, die Geldpolitik weiter zu lockern. Auch war Kritik an ihrer Definition von Preisstabilität geäußert worden. Ihr Verständnis von Preisstabilität sei zu vage und zu verwickelt, um Erfolge im Kampf gegen die anhaltende Deflation zu erzielen, hatte der Vorwurf gelautet.

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Die BoJ erklärte nun, es werde mittel- und langfristig ein "Preisstabilitätsziel" von 2 Prozent oder niedriger auf der Basis der Verbraucherpreise angestrebt. Zudem verfolge die BoJ ein Wachstumsziel von 1 Prozent für die Volkswirtschaft.

Nachdem sich die Federal Reserve zu einem offiziellen Inflationsziel bekannt hat, war der Druck auf die BoJ gewachsen, ihre Sprachregelung zur Inflation zu überdenken. Die BoJ hatte sich bislang verpflichtet, den Leitzins nahe null zu halten, bis die hartnäckige Deflation, die schon seit über einem Jahrzehnt anhält, überwunden ist. Nach Ansicht von BoJ-Gouverneur Masaaki Shirakawa haben die Federal Reserve und die japanische Notenbank einen ähnlichen Ansatz in der Geldpolitik: Beide Zentralbanken richteten ihren Fokus nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die ökonomischen Bedingungen.

Eine erste Börsenreaktion fiel positiv aus. Der Leitindex Nikkei drehte nach anfänglichen Verlusten, vor allem wegen der Herabstufung mehrerer Euroländer durch die US-Ratingagentur Moody's, ins Plus. Gesucht waren vor allem Exportwerte wie Toyota oder Canon.

Quelle: n-tv.de

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