Wirtschaft

Investieren? Nein, danke!: Japans Unternehmen horten Geld wie nie

Es ist der Fluch jahrelanger Deflation: Statt ihr Geld zu investieren, das sie dank "Abenomics" verdient haben, legen es die japanischen Unternehmen lieber auf die hohe Kante. Die Folge: ein riesiger Berg unproduktiven Geldes. Was nun?

Premier Abe kann da predigen, wie er will.
Premier Abe kann da predigen, wie er will.(Foto: REUTERS)

Die Geldberge in japanischen Unternehmen wachsen. Die Ersparnisse der Firmen im Land der aufgehenden Sonne summieren sich inzwischen fast auf die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Einem missfällt diese Entwicklung ganz besonders: Premierminister Shinzo Abe fordert die Unternehmen schon lange auf, das Geld produktiv werden zu lassen und zu investieren. Die Firmen warten jedoch lieber auf Strukturreformen.

Im dritten Quartal stiegen die Barguthaben der Firmen um 4,2 Prozent auf 233 Billionen Yen, wie die japanische Notenbank mitteilte. Diese Rekordsumme zeigt, wie vorsichtig die Firmen in Japan bleiben. Zu unsicher ist ihnen die Lage der Konjunktur und angesichts der Gefahr neuer Schocks für die Wirtschaft.

Folgen jahrelanger Deflation

Seit Abe vor zwei Jahren mit dem Versprechen antrat, die Wirtschaft anzukurbeln, haben sich die Barguthaben der Firmen um 12 Prozent vergrößert. Das wachsende Vermögen spiegelt einerseits die gute Ertragslage vieler Firmen wider. Es zeige aber auch, dass in der Unternehmenswelt immer noch das Denkmuster aus der Zeit der jahrelangen Deflation vorherrsche, sagte Toshihiro Nagahama, Chefvolkswirt beim Dai-ichi Life Insurance Research Institute. Der Wandel in Richtung der von Abe angestrebten Inflation sei noch nicht abgeschlossen.

Die Unternehmen haben Abe einen Teil ihrer üppigen Barguthaben zu verdanken. Seine Politik - die "Abenomics" - hat unter anderem den Yen geschwächt, und dies hat exportorientierten Unternehmen fürstliche Gewinne beschwert.

Abe hat die Unternehmen erst kürzlich aufgefordert, nun auch den nächsten Schritt zu tun und die Gehälter zu erhöhen, was wiederum die Nachfrage ankurbeln soll. Statt Japan auf den Wachstumspfad zu führen, hat Abe mit seiner Mehrwertsteuererhöhung im April das Land in die Rezession gestürzt. Nach dem großen Erfolg Abes in den Neuwahlen am vergangenen Wochenende dürfte sein Druck auf die Unternehmen, die Löhne zu erhöhen, nun noch steigen.

Manager sind aber frustriert über den nur langsamen Fortschritt der Regierung, auch Strukturreformen anzugehen. Sie halten Deregulierung für viel wichtiger, um das Land langfristig wieder auf Wachstum zu trimmen.

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Quelle: n-tv.de

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