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Bill Murray und Scarlett Johansson sind "Lost In Translation".
Bill Murray und Scarlett Johansson sind "Lost In Translation".(Foto: picture-alliance / dpa)

Von "Lost In Translation" bis Fukushima: Kampai! Japans Whisky-Story

von Thomas Badtke

Ein guter Whisky kommt aus Schottland. Vor allem wenn es ein Single Malt ist. Doch dieses ungeschriebene Gesetz wackelt - dank japanischer Destillate. Einst als Exoten verschrien, räumen sie immer mehr Preise bei Wettbewerben und Blind Tastings ab - und setzen dabei Trends. Nun ist die Spitzenposition gefährdet.

"For relaxing times - make it Suntory time!" Dieser Werbeslogan, den Bill Murray im viel beachteten Hollywoodfilm "Lost In Translation" völlig ruhig und professionell vorträgt, ist heute ein Klassiker - ebenso wie der Film selbst. Scarlett Johansson schafft damit 2003 den internationalen Durchbruch. Der Film gilt aber auch als Ausgangspunkt für den weltweiten Siegeszug japanischen Whiskys.

Preisgekrönt: Suntorys Yamazaki, 12 Jahre alt.
Preisgekrönt: Suntorys Yamazaki, 12 Jahre alt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Der Film war der Startpunkt für das Interesse an japanischem Whisky hierzulande", bestätigt Eugen Kasparek, Whisky-Experte und "Master of Tasting" bei Whisky & Cigars in Berlin, gegenüber n-tv.de. "Richtig groß - ja fast schon explosionsartig - wurde das Interesse an japanischen Destillaten aber erst, als die Whiskys aus dem Land der aufgehenden Sonne wichtige schottische Wettbewerbe und Blind Tastings gewonnen haben." Das Schicksalsjahr ist 2008. Damals wird Nikka Yoichi, 20 Jahre alt, zum "Besten Single Malt Whisky der Welt" gekürt, vom hoch angesehenen britischen "Whisky Magazine". Mehr als 200 Konkurrenten lässt der Japaner hinter sich. Eine nationale Schmach für das schottische "Mutterland des Whisky".

Seitdem räumen japanische Whiskys regelmäßig Preise ab, wie etwa der Yamazaki, 12 Jahre alt, bei den "San Francisco World Spirits" 2009 (Doppel-Gold). Ihr Randdasein im internationalen Spirituosengeschäft ist somit vorbei. "Unter Kennern ist Japan schon längst kein exotisches Whisky-Land mehr", unterstreicht Kasparek. "Japanische Whiskys haben einen sehr großen Stellenwert, nicht zuletzt deshalb, weil sich große japanische Konzerne seit Mitte der 1980er Jahre in die schottische Whisky-Landschaft eingekauft haben."

Suntory und Nikka marktbeherrschend

Die Rede ist von eben diesem Suntory aus "Lost in Translation" (Eigentümer der Marken Auchentoshan, Bowmore und Glen Garioch) sowie Nikka (Ben Nevis), die selbst zur Asahi-Brauereigruppe gehören. Diese beiden Konzerne sind die größten Whisky-Produzenten in Japan. Seit ein paar Jahren mischt auch der ansonsten für sein Bier bekannte Kirin-Konzern im Konzert der Großen mit.

Die Kirin Brauerei mischt auch kräftig im Whisky-Geschäft mit.
Die Kirin Brauerei mischt auch kräftig im Whisky-Geschäft mit.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Insgesamt gibt es in Japan acht Destillerien, die fünf Besitzern gehören: Yamazaki (Suntory) zwischen Osaka und Kyoto auf Honshu gelegen, Hakushu (Suntory) mit den beiden Brennereien Hakushu Ost und Hakushu West in der Präfektur Yamanashi auf der Insel Honshu, Yoichi (Nikka) auf der Insel Hokkaido, Miyagikyo (Nikka) nahe Sendai, Karuizawa (Kirin) in der Präfektur Nagano, Fuji-Gotemba (Kirin) in der Präfektur Shizuoka sowie Chichibu (Venture Whisky) in der Präfektur Saitama und White Oak (Eigashima Shuzo) auf der Insel Honshu. Whisky-Experte Kasparek, der bei Whisky & Cigars etwa 20 bis 25 japanische Whiskys im Programm hat, vergleicht: "In Schottland dürfte es derzeit rund 120 Destillerien inklusive der geschlossenen geben."

Suntorys Yamazaki gehört zu den bekanntesten japanischen Whisky-Marken.
Suntorys Yamazaki gehört zu den bekanntesten japanischen Whisky-Marken.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
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Die bekanntesten japanischen Marken sind Yamazaki und Nikka. Sie kennt heute nicht nur der Whisky-Kenner, sondern auch der Einsteiger. Die Geschichte des japanischen Whiskys ist dagegen noch fast unbekannt - obwohl seit fast 100 Jahren in Japan Whisky hergestellt wird. Den ersten Kontakt mit dem "Wasser des Lebens" erlebt Japan sogar bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, als ein US-amerikanischer Flottenkommandant nach Japan segelt, um ein Handelsabkommen abzuschließen. Als Gastgeschenkt dabei: ein ganzes Fass und nochmals mehr als 100 Gallonen Whisky. Im Ersten Weltkrieg "revanchieren" sich die Japaner gewissermaßen: Als US-Präsident Woodrow Wilson Truppen nach Sibirien schickt, die dort Kriegsgerät der Alliierten sichern sollten, muss ein Konvoi Kohle in der japanischen Stadt Hakodate aufnehmen. Die Matrosen bekommen frei und ziehen in die Bars der Stadt ein. Dort wird ihnen ein "Scotch Whisky made in Japan" serviert. Bereits nach wenigen Schlucken und Minuten ist der ganze Trupp sturzbetrunken. Das japanische Lebenswasser bringt es auf satte 86 Volumenprozente.

Zwei Namen, eine Rivalität

Nach dem Ersten Weltkrieg geht der junge Japaner Masataka Taketsuru 1919 nach Schottland, um die Kunst des Brennens von Whisky zu erlernen. Er heiratet eine Einheimische und als er in seine Heimat zurückkehrt, stellt ihn 1923 Shinjiro Torii ein, der spätere Suntory-Gründer. Die Yamazaki-Brennerei wird gebaut. Torii, Geschäftsmann durch und durch, will die Brennerei möglichst kundennah bei Kyoto bauen. Taketsuru bevorzugt ein der schottischen Landschaft nicht ganz unähnliches Gebiet auf der Insel Hokkaido, im Norden Japans. Torii setzt sich durch. Einige Jahre darauf verlässt Taketsuru den Betrieb.

Whisky-Experte Eugen Kasparek ist "Master of Tasting" bei Whisky & Cigars in Berlin.
Whisky-Experte Eugen Kasparek ist "Master of Tasting" bei Whisky & Cigars in Berlin.(Foto: Whisky & Cigars)

Er baut auf Hokkaido die Destillerie Yoichi, benannt nach dem Ort, in der sie steht. Während Toriis Firma zu Suntory wird, geht auf Taketsuru Nikka zurück, die in den 1950er Jahren von Asahi Breweries übernommen wird. Suntory und Nikka sind in Japans Whisky-Business marktbeherrschend und sich immer noch nicht grün. Gesunde Konkurrenz, an der beide Konzerne gewachsen sind. "Dabei hat sich herauskristallisiert, dass die Nikka-Destillate sich stark an ihren schottischen Vorbildern orientieren, während die Destillate von Suntory wie beispielsweise Yamazaki optimal darauf abgestimmt sind, sie auch zum japanischen Essen zu konsumieren", erläutert "Master of Tasting" Kasparek.

Viele Eigenheiten und ein Makel

Er macht mehrere Besonderheiten bei den japanischen Whiskys aus: Einige der Whiskys seien beispielsweise komplett in Fässern aus japanischer Eiche gereift. "Das waren vorher Sake-Fässer", sagt Kasparek und führt weiter aus. "Eine weitere Besonderheit ist die exorbitant gute Qualität der Sherry-Destillate, also der Whiskys, die mehrere Jahre in Sherry-Fässern gereift sind." Besonders diese Whiskys sind die "großen Winner in dem Spiel", will heißen: Besonders diese sind es, die der internationale Interessent und Genießer nachfragt. "Eine weitere Eigenheit ist die typisch-japanische Eleganz, die sich in den Whiskys des Landes widerspiegelt."

In den Whisky-Regalen von Whisky & Cigars finden sich mehrere hundert Abfüllungen aus diversen Ländern.
In den Whisky-Regalen von Whisky & Cigars finden sich mehrere hundert Abfüllungen aus diversen Ländern.(Foto: Whisky & Cigars)

Allerdings - bei allem Erfolg - hat Japans Whisky derzeit auch einen Makel: Fukushima. "Die Umweltkatastrophe entwickelt sich für die japanischen Destillate zum Desaster", macht Kasparek deutlich. Einzelne japanische Whiskys dürften bereits nicht mehr eingeführt werden. "Dazu gehören etwa auch Destillate der Brennerei Miyagikyo", so Kasparek. Das verknappte Angebot habe natürlich Auswirkungen auf die Preise: "Die Verbraucher müssen für japanische Whiskys tiefer in die Tasche greifen."

Sorgen müssten sich die Genießer japanischer Whiskys aber laut Kasparek momentan noch nicht machen. Zum einen gebe es von offizieller japanischer Seite Unbedenklichkeitserklärungen, auch wenn bei diesen zugegebenermaßen Vorsicht geboten sei. Zum anderen untersuchten die europäischen Importeure die gelieferten Destillate auf radioaktive Substanzen wie Jod 131, Cäsium 134 und 137. "Die gemessenen Werte lagen dabei bisher immer in der Norm", beschwichtigt Kasparek. Das eigentliche Problem - auch für den derzeitigen Erfolg des japanischen Whiskys weltweit - bestehe aber darin, dass niemand die Entwicklung in den kommenden Jahren prognostizieren könne: "Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima werden noch sehr lange spürbar sein."

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Quelle: n-tv.de

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