Wirtschaft
Eines der Knackpunkte der Elektromobilität: das noch löchrige Netz an Ladestationen.
Eines der Knackpunkte der Elektromobilität: das noch löchrige Netz an Ladestationen.(Foto: dpa)

Autobauer wollen sich beteiligen: Kaufprämie für E-Autos rückt etwas näher

Mit 5000 Euro sollen Käufer von E-Autos bezuschusst werden - fordert die SPD. Und die Autobranche soll sich daran beteiligen. Bei einem Treffen im Kanzleramt soll dazu auch eine erste Zahl gefallen sein.

Die deutsche Autoindustrie hat in der Spitzenrunde im Kanzleramt zur Elektromobilität eine erste Hausnummer angeboten, wie stark sie sich an einer möglichen Kaufprämie von 5000 Euro beteiligen würde. Laut Branchenkreisen wären die Hersteller bereit, rund 1300 Euro zuzuschießen, meldet Dow Jones unter Berufung aus Kreise aus Wirtschaft und Politik.

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Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will der E-Mobilität mit einem bis zu 2,5 Milliarden Euro schweren Programm zum Durchbruch verhelfen. Kern ist der Zuschuss für Käufer eines umweltfreundlichen Stromwagens, bei dem Gabriel 5000 Euro vorschweben. Er hatte vor dem Treffen deutlich gemacht, dass er die Konzerne mit in die Pflicht nehmen will. Der SPD-Vorsitzende hat allerdings mit Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen Widerpart im Kabinett. Dieser lehnt die Bezuschussung aus dem Steuersäckel ab. Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich nicht dazu, inwiefern Kanzlerin Angela Merkel inzwischen eine Position bezogen hat.

Am Dienstagabend trafen sich Gabriel, Schäuble und Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf Einladung der Kanzlerin mit den Chefs von Volkswagen, Daimler und BMW. Bis März soll nun ein Plan aufgestellt werden, wie mehr Autos mit Batterieantrieb auf die Straße kommen. Hinter dem Ziel, eine Million Fahrzeuge bis 2020 zu schaffen, hängt Deutschland weit hinterher.

Eine industriepolitische Dimension

Zu dem Plan zählten der Ausbau des Ladenetzes, die Batterie-Produktion sowie "Instrumente zur Verbesserung der Marktentwicklung", sagte Gabriel. Konkretere Angaben, etwa zu staatlichen Zuschüssen für Käufer, machte er nicht. Der Wirtschaftsminister betonte, bei dem Treffen sei man sich über die industriepolitische Dimension der Elektromobilität einig gewesen. Sie entscheide zusammen mit der Digitalisierung über die Zukunft der Branche.

"Wir haben das Ziel, der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen", sagte Dobrindt. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, betonte, Entscheidungen zur Förderung der Elektromobilität sollten noch dieses Jahr wirksam werden. Deutschland müsse Boden gut machen, um Leitmarkt zu werden.

Nach Ansicht von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen sollte ein staatlicher Zuschuss mit einer Extrasteuer auf große Fahrzeuge bezahlt werden. "Aus meiner Sicht würde eine Kaufprämie nur dann sinnvoll sein, wenn sie aus einem Aufschlag auf die Besteuerung von Fahrzeugen mit hohem Spritverbrauch finanziert würde", sagte Hermann der Zeitschrift "Auto Motor und Sport". Außerdem erneuerte er seine Forderung nach einer besseren steuerlichen Abschreibung von Elektroautos. "Ich verstehe nicht, warum der Bund sich da so ziert."

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer drängte die Bundesregierung zur Eile. "Wir müssen jetzt gucken, dass wir die E-Autos auf die Straße bekommen", sagte Dudenhöffer im Gespräch mit Dow Jones. Vor acht Jahren schon sei das Ziel von einer Million Wagen ausgerufen worden, aber passiert sei nichts. Der Autoforscher von der Uni Duisburg-Essen ist davon überzeugt, dass der Wert bis 2020 selbst mit staatlichem Kaufzuschuss nicht mehr erreicht wird. "Wir kommen vielleicht auf 400.000 Autos", meinte Dudenhöffer. Aktuell sind rund 25.000 Stromwagen zugelassen.

Quelle: n-tv.de

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