Wirtschaft
Die Ölexporte Libyens sind gestoppt, ...
Die Ölexporte Libyens sind gestoppt, ...(Foto: dpa)

Export gestoppt: Kein Öl aus Libyen

Libyen exportiert Medienberichten zufolge kein Öl mehr. Als Grund wird die gedrosselte Produktion sowie das schlechte Wetter genannt. Viele Öl- und Gasfelder sollen sich in der Hand der Aufständischen befinden. EU-Energiekommissar Oettinger rechnet damit, dass der Ölpreis einen neuen Höchststand erreicht.

Die Öl-Ausfuhren aus Libyen sind wegen des Volksaufstands gegen Machthaber Muammar Gaddafi offenbar zum Erliegen gekommen. Wegen Produktionsausfällen und schlechten Wetters werde derzeit kein Rohöl mehr außer Landes transportiert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen der Schifffahrtsindustrie. Der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge sinkt auch die Produktion des weltweit zwölftgrößten Ölförderlandes immer stärker. Derzeit fiele die Hälfte der Produktion weg.

Bislang war von Produktionsausfällen von etwa einem Drittel der gewöhnlich etwa 1,6 Mio. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) täglich die Rede. Saudi-Arabien ist nach eigenen Angaben bereits für die libyschen Förderausfälle eingesprungen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger rechnet damit, dass der zuletzt steile Ölpreisanstieg bald ein Ende haben wird.

Stockende Produktion

In den Ölfeldern Sarir, Nafoora und Misla im Osten Libyens werde nur noch etwa halb so viel gefördert wie vor Krisenausbruch, hieß es in den Kreisen. Auch in Hamada sei die Produktion gedrosselt worden. Wegen schlechten Wetters könnten zudem mindestens vier Tanker mit 2,4 Mio. Barrel an Bord nicht ablegen. Der wichtige Hafen Marsa el Brega befindet sich zudem unter Kontrolle von Gaddafi-Gegnern, die den Hafen geschlossen haben. Rohöl hatte sich wegen der Furcht am Markt vor Versorgungsengpässen im Zuge des Aufstands in dem nordafrikanischen Land stark verteuert.

Gedämpft wurde der Preisauftrieb allerdings von der Bereitschaft Saudi-Arabiens, für die Lieferausfälle Libyens in die Bresche zu springen. Alle Nachfragen der Kunden seien erfüllt worden, sagte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco, Chalid al-Fali. Genaue Zahlen könne er aber nicht nennen. In Branchenkreisen hatte es bereits am Freitag geheißen, dass der weltgrößte Exporteur seine Fördermenge um 700.000 Barrel auf mehr als neun Mio. Barrel am Tag hochgefahren und noch Luft nach oben habe.

Höchststände beim Ölpreis

... nun springt unter anderem Saudi Arabien ein.
... nun springt unter anderem Saudi Arabien ein.(Foto: dpa)

Nach Angaben von EU-Energiekommissar Günther Oettinger befinden sich die meisten Öl- und Gasfelder in der Hand der Aufständischen. "Muammar Gaddafi hat offenbar die Kontrolle über viele Öl- und Gasfelder verloren." Eine Blockade von Öl- und Gasexporten als Sanktion gegen das Regime könnte deshalb "auf eine Bestrafung der falschen Leute" hinauslaufen, fügte er hinzu. Zuvor hatten die EU-Staaten Sanktionen gegen Gaddafi und sein Umfeld beschlossen.

Oettinger warnte in Brüssel, dass sich nicht nur die Lage in Libyen, sondern die Unruhe in der gesamten Region auf den Ölpreis auswirke. Wenn aber keine anderen Länder nach Libyen die Ölförderung einstellten, werde der Höchststand beim Ölpreis in den kommenden Tagen erreicht sein. Der Lieferausfall aus Libyen werde die Energieversorgung in der Europäischen Union jedoch nicht beeinträchtigen. Die Ölfirmen hätten erhebliche Vorräte. Außerdem würden andere Länder wie Russland einspringen, um Engpässe zu vermeiden.

Der Preis für Öl der Nordsee-Sorte Brent lag am Abend kaum verändert bei rund 112 Dollar pro Barrel. US-Öl verbilligte sich leicht auf knapp 98 Dollar. Vergangene Woche war der Brent-Preis mit knapp 120 Dollar auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren geklettert. 

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Quelle: n-tv.de

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