Wirtschaft
Die Panama-Krankheit könnte große Teile der globalen Bananenproduktion vernichten.
Die Panama-Krankheit könnte große Teile der globalen Bananenproduktion vernichten.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 21. April 2016

Die neue Panama-Krankheit: Killer-Pilz zerfrisst Bananenplantagen

Von Hannes Vogel

Die Uno schlägt Alarm: Eine Pilzepidemie rafft Bananenplantagen in der ganzen Welt dahin. Es drohen Ernteausfälle und womöglich sogar Hunger. Denn echte Gegenmittel gibt es nicht.

Die britische Zeitung "The Independent" nennt es bereits "Bananageddon": Wie eine Epidemie breitet sich ein Pilz über die Kontinente aus und zerstört immer größere Teile der Bananenernte. Die sogenannte Panama-Krankheit sei "eine ernsthafte Bedrohung für die Produktion und den Export", warnt die UN-Welternährungsorganisation (FAO). Schlimmstenfalls sei mit der "massiven Vernichtung des weltweiten Bananenanbaus" zu rechnen.

Das würde nicht nur Milliardenverluste für die Wirtschaft bedeuten: Allein der globale Bananenhandel ist laut FAO rund sieben Milliarden Dollar schwer. Die Wissenschaftler sorgen sich auch um die Ärmsten der Welt: Für Millionen Menschen in Entwicklungsländern sind Bananen ein Grundnahrungsmittel. Der Großteil des weltweiten Anbaus wird von Kleinbauern gestemmt, die Bananen zur Selbstversorgung anpflanzen.

Schon einmal zerstörte ein Pilz die Ernte

Den Garaus macht den Bananen eine bestimmte Variante eines Pilzes namens TR 4 ("Tropical Race 4"). Er befällt die Wurzeln und lässt dann große Teile der Staude verwelken. TR 4 haftet an Arbeitern, Tieren und Maschinen und verbreitet sich so über den Erdboden. Hat sich der Pilz einmal eingenistet, gibt es laut FAO kaum Gegenmittel. Es ist nahezu unmöglich, ihn zu entfernen. Die Sporen können mehr als 30 Jahre im Erdreich überleben.

"Das ist eine Epidemie und wir haben nicht viel Zeit", schreibt Miguel Angel Dita Rodriguez, ein Agrarforscher aus São Paolo, in einer Analyse für die FAO. Die Bananen-Pest grassiert immer heftiger. Schon seit den 90er Jahren geht TR4 in Taiwan, Indonesien, Malaysia und Australien um. Doch nun wurde der Stamm zum ersten Mal außerhalb Südostasiens in Mozambique und Jordanien gesichtet. Damit droht er nach Süd- und Mittelamerika überzugreifen, wo die meisten Bananenplantagen der Welt stehen.

Dort würde sich dann ein Stück Geschichte wiederholen. In den 50er Jahren grassierte schon einmal ein Stamm der Panama-Krankheit - und radierte fast alle Bananen in Südamerika aus. Damals wurde vor allem eine Sorte namens Gros Michel angebaut, auch Big Mike genannt. Durch die tödliche Welle ist sie heute fast ausgestorben.

Schuld ist die globale Massenproduktion

Bis in die 90er Jahre wechselten die meisten Produzenten dann auf die Sorte Cavendish: Sie war gegen den ursprünglichen Pilz-Typ resistent und wächst heute auf nahezu jeder Bananenplantage. Nun bedroht der neue Sporenstamm auch diesen Typ.

Denn besonders die Cavendish-Sorten sind anfällig für die neue Panama-Pest. Sind die Großplantagen einmal befallen, gibt es derzeit nichts, was sie schnell ersetzen kann. Laut FAO gibt es bisher keine weitverbreitete Bananensorte, die resistent gegen die neue Panama-Krankheit ist.

Die Epidemie ist eine direkte Folge der globalisierten Massenproduktion. Kaum anderswo zeigen sich ihre dunklen Seiten so deutlich wie in der Bananenindustrie. Die ganze Welt isst fast nur noch eine Sorte: Rund die Hälfte aller weltweit angebauten Bananen und 95 Prozent aller Export-Bananen sind Cavendish-Sorten. Die brutale Monokultur ist zwar billig und effizient. Aber Epidemien wie die Panama-Pest können sich dank der mangelnden Artenvielfalt rasend schnell ausbreiten.

Quelle: n-tv.de

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