Wirtschaft
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Ifo: Leichte Stimmungsbesserung: "Komfortables Leben geht weiter"

Die geopolitischen Krisen sorgen die Chefetagen nicht übermäßig. Billiges Öl und ein schwacher Euro wirken als kleines Konjunkturprogramm. Entsprechend steigt die Zuversicht. Die ING Diba spricht von einer perfekten kleinen volkswirtschaftlichen Welt.

Ungeachtet der Griechenland-Krise und des Ukraine-Kriegs hat sich die Stimmung in der deutsche Wirtschaft im Februar weiter aufgehellt. Es war der vierte Anstieg in Folge. Allerdings legte das Barometer nur minimal von 106,7 auf 106,8 Punkte zu, wie das Ifo-Institut mitteilte. Für die Erhebung wurden 7000 Managern befragt. Ökonomen hatten eine Verbesserung des Ifo-Geschäftklimas auf 107,7 Zähler erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robust gegenüber den geopolitischen Unsicherheiten", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten ihre Lage etwas schlechter als im Vormonat, ihre Geschäftsaussichten hingegen optimistischer.

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Die gesunkenen Ölpreise und der schwächere Euro wirken derzeit wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm für Europas größte Volkswirtschaft: Billigere Energie spart Unternehmen wie Verbrauchern viele Milliarden, während die Abwertung der Währung deutsche Waren in Übersee verbilligt. Rekordbeschäftigung und steigende Löhne schieben zudem den Konsum an.

Verbessert hat sich die Stimmung in der exportabhängigen Industrie. "Ein wichtiger Impulsgeber bleibt das Auslandsgeschäft", sagte Sinn. Die Industrie profitiert vom schwächelnden Euro, der binnen eines Jahres fast 18 Prozent zum Dollar abgewertet hat. Dadurch können Waren auf wichtigen Absatzmärkten wie der weltgrößten Volkswirtschaft USA billiger angeboten werden. Für die Exporterwartungen geht es bereits zum fünften Mal in Folge nach oben.

Etwas Zulauf für Pessimisten

Auch die Einzelhändler sind optimistischer: Sie profitieren davon, dass ihre Kunden durch niedrigere Ölpreise um Milliarden entlastet werden. "Auf den deutschen Verbraucher ist derzeit Verlass", sagte Ökonom Holger Sandte von der Bank Nordea. Im Großhandel, in der Baubranche sowie bei den Dienstleistern erhielt das Lager der Pessimisten hingegen etwas Zulauf.

Am Aktienmarkt zeigten sich die Anleger davon enttäuscht: Der Leitindex Dax grenzte seine Gewinne leicht ein. "Die Zahlen waren etwas enttäuschend gemessen an den Markterwartungen", sagte Sandte. Für DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle ist das aber kein Beinbruch: "Die gute Nachricht ist: Die Erwartungen steigen weiter an, und diese sind für die Investitionen und die kommende konjunkturelle Entwicklung die entscheidende Größe".

Etwas weniger freundlich interpretiert KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die Daten: "Die Unsicherheit ist hoch, die Unternehmen sparen häufig lieber als zu investieren. Mehr als ein stabiles Geschäftsklima ist daher nicht drin", sagte er. Für eine deutliche Wende zum Besseren müssten Europa und Griechenland einen langfristig tragfähigen Kompromiss finden und das Verhältnis zu Russland sollte sich zumindest stabilisieren.

Helaba:Krisenende würde Stimmung beflügeln

Helaba-Analyst Ralf Umlauf stuft die Zahlen dagegen ungeachtet der verfehlten Konsensschätzungen als "solide" ein. Angesichts der politischen Risiken in Europa wüchsen die Geschäftserwartungen aber nicht in den Himmel. "Ein Ende der Krisen in Griechenland und Russland/Ukraine könnte zu weiteren Stimmungsverbesserungen beitragen", sagte er.

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht in den Krisen in Griechenland und der Ukraine ebenfalls die Hauptursache dafür, dass dem deutschen Konjunkturaufschwung weiterhin eine letzte Zutat - die Ausrüstungsinvestitionen - fehlen. "Alles in allem legt der heutige Ifo-Index aber nahe, dass das komfortable Leben in Deutschlands perfekter kleiner volkswirtschaftlicher Welt weitergeht", sagte er. Dafür sorgten niedrige Ölpreise, niedriger Euro-Kurs, niedrige Zinsen und ein robuster Arbeitsmarkt.

Viele Ökonomen gehen inzwischen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um bis zu zwei Prozent wachsen kann. 2014 waren es 1,6 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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