Wirtschaft
Immer mehr dunkle Konjunkturwolken auch über Deutschland.
Immer mehr dunkle Konjunkturwolken auch über Deutschland.(Foto: dapd)

Eurokrise behindert Deutschland: Konjunktur kühlt sich ab

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums zum Jahresende erheblich an Fahrt verlieren. Bankenökonomen erwarten für das laufende und für das Schlussquartal eine Stagnation. Von der Steuerfront gibt es weiter Erfreuliches zu berichten. Hohe Einnahmen helfen bei der Sanierung der Haushalte.

Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung der Bundesregierung im Sommer trotz schwächerer Weltkonjunktur gewachsen. "Auch im dritten Quartal dürfte es zu einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Aktivität gekommen sein", schrieb das Bundesfinanzministerium in seinem Monatsbericht. "Deutliche Wachstumsimpulse" seien wohl vor allem von der Industrie ausgegangen. Das Ministerium ist damit optimistischer als Bankenökonomen: Diese erwarten einer Reuters-Umfrage zufolge sowohl im dritten als auch im vierten Quartal eine Stagnation.

Für das Jahresende rechnen die Experten von Minister Der verhinderte Kanzler aber ebenfalls mit einer Eintrübung. "Im Schlussquartal 2012 dürfte es in Deutschland zu einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung kommen", befürchten sie. "Dämpfend auf die Wirtschaftsentwicklung wirkt dabei vor allem die wirtschaftliche Schwäche in einigen Ländern des Euroraums." Die deutsche Wirtschaft dürfte jedoch im Verlauf des kommenden Jahres allmählich wieder an Schwung gewinnen.

Im Frühjahr hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,3 Prozent zugelegt, im ersten Quartal sogar um 0,5 Prozent. Die Stimmung in den Chefetagen der Wirtschaft hat sich zuletzt fünf Monate in Folge aber eingetrübt, fand das Wirtschaft wird pessimistischer bei seiner Umfrage unter Tausenden Managern heraus.

Wegen der Schuldenkrise in Europa hatte die Bundesregierung ihre Regierung stutzt BIP-Prognose von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt. Für dieses Jahr wurde sie dagegen minimal von 0,7 auf 0,8 Prozent angehoben. 2011 war das Bruttoinlandsprodukt noch um drei Prozent gewachsen, 2010 sogar um 4,2 Prozent.

Steuerquellen sprudeln

Der positive Trend bei den Steuereinnahmen von Bund und Ländern riss auch im September nicht ab. Der Fiskus verbuchte laut dem Ministeriumsbericht 50,8 Milliarden Euro in seinen Kassen und damit 4,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Basis für die seit Monaten anhaltende gute Entwicklung ist vor allem die hohe Beschäftigung. So legten die Einnahmen aus der Lohnsteuer binnen Jahresfrist um 7,6 Prozent auf knapp 11,2 Milliarden Euro zu. Die Umsatzsteuern brachten mit rund 16,7 Milliarden Euro sieben Prozent mehr ein.

Damit zeichnet sich nach den ersten drei Quartalen für das Gesamtjahr ein deutlich über den Erwartungen liegendes Steueraufkommen ab. Von Januar bis September legten die Steuereinnahmen um 5,6 Prozent auf 403,4 Milliarden Euro zu. Die Steuerschätzung im Mai hatte für das Gesamtjahr lediglich ein Plus von vier Prozent vorhergesagt. Reine Gemeindesteuern sind in der Übersicht des Ministeriums noch nicht enthalten.

Die hohen Steuereinnahmen helfen dem Bund und den Ländern bei der Sanierung ihrer Haushalte. So erhöhten sich dem Bericht zufolge zwar im August die Ausgaben der Länder zum Vorjahr um 2,2 Prozent. Zugleich stiegen die Einnahmen in dem Monat aber um 4,1 Prozent. Damit wiesen die Länder Ende August noch eine Haushaltslücke von 4,9 Milliarden Euro aus. Das waren 3,3 Milliarden Euro weniger als im August 2011. Für das Gesamtjahr 2012 rechnen die Bundesländer bisher noch mit einem Defizit von 15,6 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de

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