Wirtschaft

"Wachstum halbiert sich"Konjunkturabkühlung erwartet

12.04.2011, 12:40 Uhr

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für dieses Jahr ein kräftiges Wachstum der deutschen Konjunktur. 2012 werde die Konjunktur zwar deutlich an Schwung verlieren, betonen die Forscher. Das sei aber kein Grund zur Sorge.

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Rauchende Schornsteine bei ThyssenKrupp in Duisburg. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft dürfte sich nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im nächsten Jahr halbieren. Die Konjunktur werde 2011 um 2,7 Prozent zulegen und sich dann im kommenden Jahr nur noch um 1,4 Prozent verbessern, erklärten die Berliner Forscher.

"Der Aufschwung büßt zwar an Schwung ein, steht aber auf einer soliden Grundlage", hieß es. Impulse kämen zunehmend von der Inlandsnachfrage. Trotz der jüngsten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank dürften die Firmen dank des immer noch günstigen Zinsumfeldes ihre Investitionen weiter hochfahren. Wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt werde sich auch der Konsum der privaten Haushalte positiv entwickeln.

Die Forscher erwarten zunächst kein Abebben der für Deutschland vergleichsweise hohen Inflation. Im März lag die Teuerung wie schon im Februar bei 2,1 Prozent auf damit auf dem höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Die Verbraucherpreise dürften dem DIW zufolge im Jahresschnitt 2011 um 2,2 und 2012 um 2,0 Prozent steigen.

Keine Lohn-Preis-Spirale

Die Inflationsrisiken aus den Lohnverhandlungen seien derzeit aber gering, erklärte das DIW. "Die Tarifabschlüsse waren bislang moderat, so dass kein relevanter Preisdruck auf der Lohnseite entstanden ist. Eine Lohn-Preis-Spirale ist damit bislang nicht in Sicht", sagte der DIW-Kuratoriumsvorsitzende und ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup. Für 2012 sei dieses Risiko dagegen größer. "Dank der kräftigen Produktions- und damit Produktivitätszuwächse seien Lohnsteigerungen von bis zu drei Prozent für die Unternehmen aber gut zu verkraften."

Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich an DIW-Ansicht zwar weiter verbessern. Allerdings sind die Berliner deutlich weniger optimistisch als die anderen führenden Forschungsinstitute. Die Zahl der Arbeitslosen wird laut DIW 2011 im Jahresschnitt nur auf 3,05 Millionen und 2012 nur auf 3,02 Millionen sinken. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die anderen Institute sogar einen Rückgang auf 2,89 Millionen und 2012 auf 2,71 Millionen vorausgesagt. Sie sind in ihrer gemeinsamen Prognose allerdings auch insgesamt zuversichtlicher und veranschlagen das Wirtschaftswachstum für 2011 auf 2,8 Prozent und für 2012 auf 2,0 Prozent.

ZEW-Barometer sinkt

Steigende Preise und höhere Zinsen werden den deutschen Aufschwung auch nach Prognose von Finanzmarktexperten in den kommenden Monaten bremsen. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel im April den zweiten Monat in Folge und deutlich stärker als erwartet. Es gab von 14,1 auf 7,6 Punkte nach, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Die rund 300 befragten Analysten und Anleger schätzten die derzeitige Lage zugleich so gut ein wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Experten rechnen wegen dieser guten Ausgangssituation für 2011 weiter mit einem kräftigen Wachstum.

"Trotz der erfreulichen Konjunkturentwicklung ergeben sich Risiken derzeit vor allem aus den steigenden Rohstoffpreisen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz, der auch den Rat der Wirtschaftsweisen leitet. Die wachsende Inflationsgefahr könne die Europäische Zentralbank dazu veranlassen, ihre Zinsen weiter zu erhöhen. Die Währungshüter hatten ihren Leitzins am Donnerstag erstmals seit knapp drei Jahren angehoben. Damit verteuern sich Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Die meisten Experten rechnen bis Jahresende mit weiteren Zinserhöhungen auf bis zu 1,75 Prozent.

"Kein besonderes Problem"

Risiken ergeben sich dem ZEW zufolge auch durch die Japan-Krise und die Unruhen im arabischen Raum. "Die Unsicherheit, die wir seit dem Erdbeben in Japan und der Nuklearkatastrophe dort haben, spiegelt sich im Rückgang der Konjunkturerwartungen deutlich wider", sagte Ökonom Peter Meister von der BHF Bank.

Ein Ende des Aufschwungs befürchten die Experten aber nicht. "Ein etwas langsameres Wachstum im Frühjahr und Sommer zeichnet sich ab", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. "Allerdings ist das nach dem offenbar sehr starken Wachstum zu Jahresbeginn kein besonderes Problem." Er rechnet weiter mit einem Wachstum von 2,8 Prozent für 2011. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist mit 2,7 Prozent ähnlich optimistisch, sagt aber für 2012 eine Halbierung auf 1,4 Prozent voraus.

Quelle: rts/dpa