Wirtschaft
Unterstützer von Premier Erdogan demonstrieren in Istanbul.
Unterstützer von Premier Erdogan demonstrieren in Istanbul.(Foto: dpa)

Währung sackt ab: Krise in der Türkei verschreckt Anleger

In der Türkei tobt der politische Machtkampf innerhalb der regierenden AKP. Angesichts massiver Korruptionsvorwürfe baut Ministerpräsident Erdogan sein Kabinett um. Die seit Monaten andauernde Unsicherheit erschüttert das Vertrauen von Investoren.

In der Türkei drückt die politische Krise auf die dortigen Märkte und erschüttert das zuletzt ohnehin angeschlagene Vertrauen der Finanzmärkte in das Schwellenland. Besonders deutlich zeigte sich das am Wert der Türkischen Lira, die auf ein Rekordtief rutschte. Neben der Währung gerieten auch Staatsanleihen und Aktien massiv unter Verkaufsdruck. "Die jüngsten Meldungen unterminieren die Fassade der Wirtschaftskompetenz der Regierung", sagte US-Anlagestratege Michael Shaoul von Maketfield Asset Management.

Die Lira sank zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit Bestehen der aktuellen türkischen Währung Anfang 2005. Der Dollar legte 4,3 Prozent zu und markierte das neue Rekordhoch bei 2,1761 Lira. Noch am Mittwoch stand der Dollar nur bei 2,06 Lira.

"Die Türkei versinkt in einer politischen Krise, und die türkische Lira ist auf einem historischen Tief", sagte Analyst Olivier Jakob von Petromatrix. Die türkische Notenbank hatte am Dienstag angekündigt, bis zum Jahresende einen Teil ihrer Dollar-Reserven zu verkaufen. Bis zum 31. Dezember sollen täglich 450 Millionen Dollar in den Markt gepumpt werden, im Januar insgesamt drei Milliarden Dollar. Damit solle die Währung gestützt werden, die seit Januar dieses Jahres 15  Prozent an Wert verloren hat.

An der Börse fallen die Kurse

Auch am Aktienmarkt ging es kräftig abwärts. Angesichts der politischen Unsicherheit ziehen Investoren ihr Geld von der Börse am Bosporus ab. In der Folge verlor der BIST-100 4 Prozent und tendierte damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2012. Seit Mitte Dezember steht nun bereits ein Minus von gut 18 Prozent auf dem Kurszettel. Gemessen am Rekordhoch am 22. Mai mit 93.398 Punkten ist die Börse inzwischen um gut ein Drittel eingebrochen.

Zwar seien die Umsätze zum Jahresende hin dünn, wie Teilnehmer sagten. Dennoch würden die Märkte durchgeschüttelt. Vor allem Bankenwerte standen unter Druck. So fielen etwa die Aktien von Finansbank um 7,8 Prozent. Akbank-Papiere hielten sich mit minus 2,5 Prozent deutlich besser.

Bei der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihe stieg die Rendite um 0,46 Prozentpunkte auf 10,27 Prozent. Zuvor hatte die Rendite bei 10,33 Prozent den höchsten Stand seit 2010 erreicht. Vor Beginn der aktuellen Krise in Ankara Mitte Dezember lag der Zinssatz für zehnjährige Papiere noch bei rund 9,3 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit von zwei Jahren.

Machtkampf zwischen einstigen Weggefährten

Wegen der weitreichenden Korruptionsvorwürfe gegen seine Vertrauten hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Regierung komplett neu aufgestellt. Bei einer umfassenden Kabinettsumbildung tauschte er zehn Minister aus, darunter drei wegen der Affäre kurz zuvor zurückgetretene Minister. Hintergrund ist ein erbitterter Machtkampf mit der Bewegung des einstigen Erdogan-Verbündeten und Predigers Fetullah Gülen, der im Exil in den USA lebt.

"Der Korruptionsskandal hat Erdogan und seine Partei erheblich geschwächt", sagte Magnus Lilga, Stratege bei der SEB. Seit dem 17. Dezember, als die Krise begann, sind Dutzende von Repräsentanten zurückgetreten, darunter der CEO der staatseigenen Bank sowie andere Geschäftsleute mit Beziehungen zur Regierungspartei. Sie waren von den Untersuchungen zu Bestechung, Geldwäsche und anderen Vergehen betroffen.

Der Korruptionsskandal trifft das Land zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. "Die türkische Wirtschaft ist ohnehin unter Druck", sagte Olle Holmgren von der SEB. Er verweist auf die niedrige Investitionsquote und die negativen Leistungsbilanz.

Quelle: n-tv.de

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