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"Zögern bei größeren Ausgaben": Krisen vermiesen Deutschen die Kauflaune

Die Kauffreude der Deutschen ist zwar nach wie vor groß - aber die globalen Krisen verpassen dem Konsumklima hierzulande einen Dämpfer, sagen Marktforscher. Die Bürger stellten sich auf eine anhaltende Konjunkturflaute und weniger Gehalt ein.

Die internationalen Krisen haben zu einer unerwartet deutlichen Eintrübung des deutschen Konsumklimas geführt. Nachdem sich die Stimmung der deutschen Verbraucher bereits im Vormonat entgegen der Erwartung von Experten verschlechtert hatte, schwächte sie sich aktuell noch stärker ab als befürchtet.

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Die Konsumforscher des Marktforschungsinstituts GfK ermittelten für Oktober einen Rückgang ihres Indikators zum Konsumklima von 8,6 Punkten im Vormonat auf 8,3 Punkte. Ökonomen hatten für Oktober lediglich einen Rückgang auf 8,5 Zähler erwartet.

Inzwischen zögerten Verbraucher auch stärker mit größeren Ausgaben. Vor allem beim Kauf von Möbeln und Unterhaltungselektronik gebe es eine etwas stärkere Kaufzurückhaltung als im zweiten Quartal, berichtete GfK-Marktforscher Rolf Bürkl. Schon länger geplante Autokäufe stellten hingegen nur wenige Verbraucher zurück, zeigten entsprechende Umfragen der Nürnberger Konsumforscher. "Trotzdem bewegt sich das Konsumklima weiterhin auf hohem Niveau", sagte Bürkl.

Haushalte stellen sich auf geringeres Einkommen ein

Inzwischen zögerten Verbraucher stärker mit größeren Ausgaben, sagen die GfK-Forscher.
Inzwischen zögerten Verbraucher stärker mit größeren Ausgaben, sagen die GfK-Forscher.(Foto: picture alliance / dpa)

Dennoch: "Die anhaltend angespannte geopolitische Lage, die nun auch in den Augen der Konsumenten die Entwicklung in Deutschland zu beeinträchtigen droht, hat den Optimismus im September weiter schwinden lassen", begründete Bürkl die Entwicklung. Viele Haushalte rechneten nicht nur mit einer anhaltenden Konjunkturflaute, sondern stellten sich auch für die nächste Zeit auf ein geringeres Einkommen ein.

Mit den Konjunkturerwartungen ging es nach dem schon kräftigen Einbruch im Vormonat auch im September weiter bergab. Mit einem Minus von sechs Punkten seien die Verluste des Indikators allerdings wesentlich geringer ausgefallen als im Vormonat, hob Bürkl hervor. Schlechter waren die Konjunkturerwartungen zuletzt im Juli 2013.

Im Sog sinkender Konjunkturaussichten hätten auch die Einkommenserwartungen der Konsumenten im September zum zweiten Mal in Folge Einbußen hinnehmen müssen, erklärte das Konsumforschungsinstitut weiter. Der Indikator sei zwar gesunken, bleibe "jedoch noch deutlich über Vorjahresniveau und stark überdurchschnittlich".

Experte: Psychologie spielt eine große Rolle

Konsumforscher Bürkl warnte gleichwohl vor einer Überbewertung dieser Entwicklungen. Dabei spielt nach seiner Einschätzung vor allem die Psychologie eine große Rolle. Denn objektiv betrachtet hätten die Verbraucher dank der guten Tarifabschlüsse in diesem Jahr sogar mehr Geld verfügbar als im Vorjahr.

Gegen die von der GfK ermittelte leichte Kaufzurückhaltung spreche wiederum die im September stark gesunkene Sparneigung - offensichtlich eine Reaktion auf die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank, vermutet der Konsumforscher. "Für manche Verbraucher bleibt es damit egal, ob sie Ihr Geld zu Hause deponieren oder auf die Bank tragen." Manche Verbraucher befänden sich dadurch in einem regelrechten Dilemma: Sie wüssten nicht so recht, wohin mit ihrem Geld.

Quelle: n-tv.de

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