Wirtschaft
Chinas Rohstoffhunger lässt nach: Kupferplatten im Hafen von Shanghai.
Chinas Rohstoffhunger lässt nach: Kupferplatten im Hafen von Shanghai.(Foto: REUTERS)

Rohstoff-Gigant schließt Mine: Kupfer-Krise trifft die Armen

Von Jan Gänger

Was die Aktionäre freut, ist für ein afrikanisches Land eine Katastrophe: Glencore stoppt die Kupferförderung in Sambia. Die Folgen des Preisverfalls des Rohstoffs sind ein Paradebeispiel für die Globalisierung.

Glencore leidet unter niedrigen Rohstoffpreisen: Schulden von 30 Milliarden Dollar drücken den Rohstoffriesen, der Aktienkurs bricht ein. Um dem Preisverfall etwas entgegenzusetzen, stellt der Konzern mit Sitz in der Schweiz seine Kupferförderung in Sambia ein – und vergrößert damit die Probleme, unter denen das afrikanische Land leidet. Ein Land, dessen Bruttoinlandsprodukt mit 27 Milliarden Dollar kleiner ist als der Schuldenberg Glencores.

Für 18 Monate soll die Förderung in den Mopani-Minen ruhen, knapp 3800 festangestellte Arbeiter sollen allein in der Stadt Kitwe entlassen werden. Auch viele der 10.000 bei Vertragspartnern beschäftigten Menschen werden ihren Job verlieren.

Die Entscheidung Glencores sei für Kitwe wie eine Beerdigung, sagte ein Arbeiter der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. "Die Auswirkungen werden enorm sein. Viele Leute müssen dann auf der Straße leben. Die Armutsrate wird hoch sein. Auch die Kriminalitätsrate wird steigen." Den Angaben zufolge hängen allein in Kitwe, der zweitgrößten Stadt Sambias, 20.000 Jobs direkt von Glencores Minenprojekt ab.

"Sie werden leiden": Glencore steht für rund ein Viertel der Kupferproduktion in Sambia.
"Sie werden leiden": Glencore steht für rund ein Viertel der Kupferproduktion in Sambia.(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Die vorübergehende Schließung trifft nicht nur die Region hart, sondern das ganze Land. Kupferförderung sorgt für zwei Drittel der Exporterlöse Sambias und ein Fünftel der Steuereinnahmen.

Hinzu kommt: Im Zuge des Kupferpreisverfalls ist auch die Landeswährung abgestürzt. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Kwacha zum Dollar mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Präsident Edgar Lungu setzte deshalb sogar einen nationalen Gebetstag an. "Gott ist ein Gott der Wunder, und wenn wir ihn darum bitten, wird er uns segnen, und der Kwacha wird wieder steigen", sagte Bischof Simon Chihana.

Sinkendes Angebot, steigender Preis

Kurz vor der Ankündigung Glencores hatte Sambias Regierung die Wachstumsprognose kräftig nach unten korrigiert. Nunmehr geht sie davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 5 Prozent wächst, bislang war sie von 7,2 Prozent ausgegangen. Das Land ist auf kräftiges Wachstum angewiesen. 60,5 Prozent der Bevölkerung lebt nach Angaben der Weltbank unterhalb der Armutsgrenze.

"Sambias Wachstumssaussichten standen angesichts der gedämpften Kupfer-Nachfrage und den durch Dürre bedingten Stromausfällen bereits vor großen Herausforderungen", urteilte die Ratingagentur Moody's. In Sambia wird ein Großteil des Stroms durch Wasserkraftwerke gewonnen.

Glencore steht für etwa ein Viertel der sambischen Kupferproduktion. Auch andere Minenbetreiber reduzieren ihre Kapazitäten. So schloss die chinesische Luanshya eine ihrer zwei Minen in dem afrikanischen Land.

Rund 400.000 Tonnen Kupfer werden durch die vorübergehende Schließung der Glencore-Minen vom Markt genommen. Der Preis legte spürbar zu, nachdem das Management das Vorhaben angekündigt hatte. Der Aktienkurs zog kräftig an. Doch bis sich der Kupferpreis nachhaltig erholt, ist noch ein weiter Weg: Allein seit Anfang Mai hat sich Kupfer - unter anderem wegen schwacher Nachfrage aus China - um rund 20 Prozent verbilligt.

In den kommenden Monaten will Glencore knapp eine Milliarde Dollar in die Mopani-Minen investieren, um die Förderung zu modernisieren und damit die Kosten zu senken. Wie viele Menschen bei Wiedereröffnung beschäftigt sein werden, ist ungewiss. "18 Monate werden wir uns abmühen", sagte ein Ladenbesitzer aus Kitwe der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Es wird nicht nur uns als Familie, sondern auch die Kinder treffen. Sie werden nicht mehr zur Schule gehen, weil wir das Geld nicht mehr haben. Sie werden leiden."

Quelle: n-tv.de

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