Wirtschaft
Konzerninterne Spannungen: Die Lokführer wollen fünf Prozent mehr und zwei Stunden pro Woche weniger.
Konzerninterne Spannungen: Die Lokführer wollen fünf Prozent mehr und zwei Stunden pro Woche weniger.(Foto: REUTERS)

GDL gibt neuen Termin bekannt: Lokführer streiken am Abend

Bahnreisenden droht das Chaos: Die Lokführergewerkschaft GDL ruft zu einem bundesweiten Bahnstreik auf. In den Abendstunden soll der Schienenverkehr zum Erliegen kommen - inklusive Fernverkehr, Fracht und S-Bahnen.

Die Vorwarnzeit ist knapp bemessen, bis zum Beginn des Streiks bleiben Bahnfahrern, Reisenden und Pendlern nur noch wenige Stunden: In der Nacht auf Dienstag hat die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) den Termin der nächsten Streikaktion bekannt gegeben. Diesmal sollen die Arbeitsniederlegungen am Dienstagabend gegen 21.00 Uhr beginnen und bis Mittwochmorgen 6.00 Uhr andauern, wie GDL-Sprecherin Gerda Seibert mitteilte.

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Im Tarifkonflikt bei der Bahn hatte die GDL zuvor angekündigt, "in den nächsten Tagen zum flächendeckenden, befristeten Streik aufrufen" zu wollen. Um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen, hatte die Gewerkschaft zunächst keinen konkreten Termin genannt. Auf diese Weise kann sich der Bahn-Konzern nur unzureichend auf die bevorstehenden Arbeitsniederlegungen einstellen.

Totalblockade auf der Schiene?

Bahnreisende stehen damit allerdings erneut vor einer harten Geduldprobe: Die Lokführergewerkschaft will mit dem angekündigten Streik den Zugverkehr bei der Deutschen Bahn eigenen Angaben zufolge komplett zum Erliegen bringen. Im Rahmen einer befristeten Streikaktion sollten Fern- und Regionalzüge ebenso stillstehen wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen, erläuterte die GDL-Sprecherin.

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 "Wir geben den Streik so rechtzeitig bekannt, dass alle betroffenen Menschen ihre Verkehrsmittel alternativ planen können", hatte Gewerkschaftschef Claus Weselsky versprochen. Das Zugpersonal lasse sich nicht einschüchtern, hieß es in der GDL-Mitteilung. Das beweise die Urabstimmung, bei der in der vergangenen Woche 91 Prozent der Stimmen auf Streiks entfielen.

Lokführer reizen Kollegen

Nicht alle Arbeitnehmer-Vertreter im Konzern können sich jedoch mit Weselskys Kurs anfreunden. Angesichts wachsender Konkurrenz der GDL mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnte der Konzernbetriebsrat abermals vor einer Spaltung der Belegschaft. "Insbesondere für unsere Kollegen in den Bahnhöfen und auf den Zügen spitzt sich die Situation immer weiter zu", kritisierte der Vorsitzende Jens Schwarz.

Für die Kunden mache es keinen Unterschied, zu welcher Gewerkschaft die Kollegen gehörten. Der Betriebsrat berichtete auch von Streitigkeiten der Kollegen untereinander. Die Bahn nannte den angekündigten Streik völlig überflüssig. Personalvorstand Ulrich Weber wies den Vorwurf zurück, die Bahn verweigere Verhandlungen und treibe die Gewerkschaft in den Konflikt. "Der GDL-Führung geht es aber darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf."

Die Lokführer fordern fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Verhandlungen darüber scheiterten bislang daran, dass die GDL auch für das übrige Personal im Zug verhandeln will, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter. Die Bahn lehnt das ab.

"Nehmt die Brosamen"

Die GDL rivalisiert dabei mit der größeren EVG. Am Donnerstag war nach den bisherigen Warnstreiks eine Urabstimmung über reguläre Streiks zu Ende gegangen. Die Bahn hatte in der vergangenen Woche ein neues Angebot gemacht, um Streiks noch abzuwenden. Demnach sollten die Verhandlungen ruhen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten.

In einem Brief Weselskys an die Arbeitgeber vom Wochenbeginn heiß es dazu: "Übersetzt heißt das: 'Nehmt die Brosamen des Arbeitgebers, bevor euch die Regierung mit einem Gesetz zur Tarifeinheit endgültig den Garaus macht!'"

Quelle: n-tv.de

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