Wirtschaft
Lufthansa arbeitet mit Turkish Airlines bereits zusammen.
Lufthansa arbeitet mit Turkish Airlines bereits zusammen.(Foto: REUTERS)

Stärkere Zusammenarbeit gewünscht: Lufthansa flirtet mit Turkish

Die Lufthansa spricht mit ihrem Partner Turkish Airlines über eine verstärkte Kooperation. Eine Fusion gilt aber als unwahrscheinlich.

Die Nachricht elektrisiert die Luftfahrtbranche: Turkish Airlines platzte mit der Botschaft heraus, enger mit der Lufthansa zusammenarbeiten zu wollen. "Es geht jetzt darum, die Kooperation ein Stück weit voranzutreiben", sagt Turkish-Airlines-Verwaltungsratschef Hamdi Topcu in einem Zeitungsinterview. Das Thema sei mit der Lufthansa diskutiert worden. "Das Ausmaß der Kooperation ist derzeit aber noch nicht absehbar", ergänzte er.

Beide Gesellschaften arbeiten im Luftfahrtbündnis Star Alliance und bei ihrem gemeinsamen Ableger SunExpress zusammen. Die Fluggesellschaft vom Bosporus expandiert rapide, kann sich auf einen riesigen und wachstumsstarken Heimatmarkt stützen und hat ein weitverzweigtes Streckennetz geknüpft.

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hatte sich für eine stärkere Zusammenarbeit der beiden Fluglinien ausgesprochen. Erdogan sagte nach seinem Besuch in Berlin vor Mitgliedern der Regierungspartei AK, er stimme mit einem Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel überein, eine "gemeinsame Verwaltung" der beiden Konzerne aufzubauen. Merkel habe dies während seines Besuchs in Deutschland vorgeschlagen. "Ich habe dem zugestimmt", sagte Erdogan.

Video

"Eine vertiefte Kooperation zwischen den beiden Fluglinien wäre für die Lufthansa ein guter Schritt, da Turkish Airlines ein leistungsfähiger Anbieter ist", sagt Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper von Metzler Equities. Die Fluggesellschaft habe in der Region einen guten Namen und könnte den Deutschen helfen, eine strategische Lücke zu schließen. "Der Nahostverkehr kommt immer stärker in den Fokus, da die Golf-Airlines sehr erfolgreich sind." Durch eine Partnerschaft mit der türkischen Vorzeige-Airline könnte die Lufthansa in der Region Fuß fassen, ohne mit den Rivalen Emirates, Qatar Airways oder Etihad anbandeln zu müssen.

Diesen wirft die Lufthansa seit langem unfairen Wettbewerb vor: Dank ihrer staatlichen Eigner kämen die Airlines günstiger an Geld, und die rapide Expansion des Angebots gehe am Bedarf vorbei. Die Golf-Gesellschaften weisen das zurück und überzeugten jüngst andere europäischen Airlines von den Vorteilen von Kooperationen.

Qatar Airways schloss sich jüngst als erster Golf-Carrier einem großen Luftfahrtbündnis an, nämlich der von British Airways angeführten "Oneworld". Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi vereinbarte eine weitreichende Partnerschaft mit dem Branchenriesen Air France/KLM, die noch ausgebaut werden soll. Europas Fluggesellschaften suchen seit einigen Monaten neue Bündnisse mit Konkurrenten. Die Lufthansa, die derzeit einen harten Sparkurs fährt, hatte nach den Übernahmen der vergangenen Jahre weitere Zukäufe zuletzt ausgeschlossen.

Fusion unwahrscheinlich

Wie die künftige Zusammenarbeit aussehen soll, wollte keine der beiden Seiten verraten. Die Lufthansa wiederholte lediglich ihr Statement vom Wochenende: "Wir sind ständig in Gesprächen darüber, wo wir die Zusammenarbeit der Lufthansa mit Turkish Airlines im Interesse unserer Kunden weiter verbessern und intensivieren können." Zusammen betreiben die beiden bereits den Ferienflieger SunExpress - zudem sind sie Mitglied in der Star Alliance.

Eine Fusion sei aber sehr unwahrscheinlich, da es in der Luftfahrt im Gegensatz zu anderen Branchen strikte Regeln für die Nationalität der Eigner gebe, sagt David Pitura, Analyst bei der Investmentbank JP Morgan Cazenove. Ausländer dürften bei der Lufthansa nicht die Mehrheit halten, sonst gingen die raren Start- und Landerechte verloren. Ebenso sei es in der Türkei. Wahrscheinlich sei deshalb ein Gemeinschaftsunternehmen auf bestimmten Strecken, bei denen die Partner Umsätze und Gewinne teilten, betont er. Größter Eigner bei Turkish Airlines ist der Staat, der 49 Prozent der Aktien hält.

Schnelles Wachstum

Turkish Airlines hat in den vergangenen Jahren Anschluss an die globale Elite der großen Airlines gefunden. Vergangenes Jahr flogen 32,7 Millionen Passagiere mit dem Unternehmen - zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Flotte umfasst 190 Flieger. Zum Vergleich: Die Lufthansa beförderte im gleichen Zeitraum mit 700 Flugzeugen gut 100 Millionen Fluggäste. Einsparmöglichkeiten könnten sich beim Betrieb der Flotte ergeben, etwa durch eine Zusammenarbeit bei Wartung und Catering oder mit gemeinsamen Flügen, sagt Pieper. Der Lufthansa käme das sehr gelegen. "Kostensenkungen sind das oberste Ziel der Lufthansa, und die Kooperation hilft, Geld zu sparen."

Der Kranich-Konzern hatte vergangene Woche angekündigt, sein Anfang des Jahres aufgelegtes Riesen-Sparprogramm wegen der hohen Kerosinpreise noch verschärfen zu wollen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen