Wirtschaft
Fluglotsen im Tower des Flughafens Düsseldorf.
Fluglotsen im Tower des Flughafens Düsseldorf.(Foto: picture alliance / dpa)

Europas Fluglotsen fürchten um ihren Job: Luftverkehr könnte europaweit stillstehen

Die EU will die Luftverkehrsgesetze verschärfen und einheitliche Regeln für ganz Europa schaffen. Die Fluglotsen glauben nicht, dass das ohne weitere Kosten gehen wird. Der Preiskampf zwinge jedoch zum Sparen, was nur zu Lasten der Sicherheit oder durch Personalabbau gelingen könne. Sie sehen 10.000 Jobs in Gefahr.

Startende und landende Flugzeuge könnten am 10. Oktober europaweit zur Rarität werden. Fluglotsen von 28 nationalen Gewerkschaften wollen aller Voraussicht nach an diesem Tag gegen geplante Vorgaben der EU-Kommission protestieren. Sie befürchten, dass die Pläne von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums alle Flugsicherungen zu drastischen Einsparungen zwingen - mit negativen Folgen für die Sicherheit.

Wie viele Lotsen in den Ausstand treten und wie viele Flüge verhindert werden, steht derzeit noch nicht fest. Die deutschen Fluglotsen wollen in der kommenden Woche beraten, ob und wie sie sich an diesem europäischen Aktionstag beteiligen.

Ursache der Verärgerung ist der von der EU geplante einheitliche europäische Luftraum. Das unter dem Namen Single European Sky bekannte Projekt schreitet aber nicht so schnell voran wie geplant. Deswegen will Verkehrskommissar Kallas die Luftverkehrsgesetze verschärfen und so die Nationen zu einem schnelleren Handeln zwingen. Kallas beklagt seit geraumer Zeit, dass die Mitgliedstaaten den vereinbarten Plänen hinterherhinken.

Der einheitliche Luftraum, der seit Jahrzehnten angestrebt und 2004 in Angriff genommen wurde, gilt als Vorzeigeprojekt zur Reform der europäischen Flugsicherung. Obwohl ein Großteil des Flugverkehrs in der EU grenzübergreifend ist, erfolgt die Kontrolle nach wie vor auf nationaler Ebene, was viel Geld verschlingt. Die Integration des Flugverkehrsmanagements mit dem Ziel, den Luftraum nach Verkehrsflüssen und nicht mehr entlang der Grenzen zu überwachen, soll aber nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Sicherheit erhöhen und Flugstrecken verkürzen, was wiederum der Umwelt zugutekommen soll.

Um die geplanten Ziele zu erreichen, hat die EU den Mitgliedstaaten bestimmte Vorgaben für Sicherheit, Kapazität, Umwelt und Kosteneffizienz gemacht. Die erste sogenannte Regulierungsperiode läuft noch bis Ende 2014. Kallas will nun die Vorgaben für die zweite Periode von 2015 - 2019 verschärfen.

Vorgaben könnten "die Sicherheit gefährden"

Diese geplanten Veränderungen sind den Fluglotsen ein Dorn im Auge. "Die Vorgaben sind total unrealistisch und eine absolute Katastrophe", sagte Matthias Maas, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Flugsicherung, dem "Wall Street Journal Deutschland". Um die Ziele einzuhalten, müssten die Flugsicherungen entweder ihre Gebühren extrem erhöhen oder in einem absoluten Sparwahn verfallen. "Ich weiß nicht, wie die Flugsicherungen das stemmen sollen", sagte Maas. Er ist überzeugt davon, dass die schärferen Vorgaben "irgendwann die Sicherheit gefährden" werden. Es sei nicht möglich, die Flugkapazität den Forderungen entsprechend zu erhöhen und die Kosten bei gleichbleibender Sicherheit drastisch zu senken.

Die Fluglotsen kritisieren, dass durch die von der EU geforderten Einsparungen die Existenzen der Flugsicherungen und damit auch die Arbeitsplätze der Lotsen auf dem Spiel stehen. "Es sind europaweit mindestens 10.000 Arbeitsplätze gefährdet", sagte Maas.

Die deutschen Fluglotsen wollen in den kommenden Tagen diskutieren, ob und wie sie sich an dem europaweiten Aktionstag beteiligen. Den Bestimmungen zufolge obliegt diese Entscheidung dem Bundesvorstand der Gewerkschaft, der am 12. und 13. September zusammenkommt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen