Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ableger und Millioneneinlagen: Mastercard und Visa bleiben in Russland

Durch US-Sanktionen angesichts der Krim-Annexion kommt es bei einigen Banken in Russland zu Problemen mit Kreditkarten ausländischer Anbieter. Doch nun gibt es einen Kompromiss. Für die Unternehmen wird das teuer.

Die Kreditkartenanbieter Visa und MasterCard können ihre Dienstleistungen trotz der Sanktionen weiterhin in Russland anbieten: Die beiden Unternehmen haben mit russischen Vertretern einen Kompromiss gefunden. "MasterCard und Visa werden weiterhin Geschäfte in Russland machen", sagte Visas Generaldirektor für Russland, Andrew Torre.

Laut russischem Finanzminister Anton Siluanow sind Visa und MasterCard bereit, eigene, in Russland ansässige Zahlungsabwickler zu gründen. Dies werde etwa anderthalb Jahre dauern. Solange würden die beiden Unternehmen mit den in Russland bestehenden Zahlungssystemen zusammenarbeiten. "Sie sind bereit, im Rahmen des neuen Gesetzes zu arbeiten, und wir sind bereit mit ihnen zu kooperieren und werden eine Lösung zu finden", sagte Siluanow.

Damit rüstet sich das Land für den Fall, dass die weltweit gültigen Kreditkarten im Zuge der Ukraine-Krise nicht mehr in Russland eingesetzt werden können.

Unternehmen müssen Geld hinterlegen

Im März hatte es bei einigen russischen Banken Probleme bei Zahlungen mit von ihnen ausgegebenen Kreditkarten von Visa und MasterCard gegeben, nachdem die USA auf die Annektierung der Halbinsel Krim durch Russland mit Sanktionen reagiert hatten. Um weitere Störungen bei der Abwicklung von Kartenzahlungen zu vermeiden, hatte das russische Parlament daraufhin ein Gesetz verabschiedet wonach Visa und MasterCard künftig Hunderte Millionen US-Dollar bei der russischen Notenbank vorrätig halten müssen. Das Geld dient als Sicherheit, für den Fall, dass noch einmal Transaktionen eingefroren werden.

Nach dem Gesetz könnte Moskau 25 Prozent des durchschnittlichen täglichen Umsatzes der Kreditkartenfirmen in Russland im zuletzt abgelaufenen Quartal konfiszieren, falls ihre Dienste nochmals ausgesetzt würden.

Vertreter von Visa und MasterCard erklärten, das am 1 Juli in Kraft tretende Gesetz werde ihre Gewinne schmälern. Die Regelungen schreiben zudem vor, dass alle Kartentransaktionen in Russland innerhalb der Landesgrenzen durch ein nationales Zahlungssystem abgewickelt werden sollen. Laut Siluanow haben Visa und MasterCard derzeit "Probleme" mit der Sicherheitseinlage, die das Gesetz vorschreibt. Beide Seiten würden aber nach einer Lösung suchen.

Übernahme des weißrussischen Modells?

Ein Vertreter des Finanzministeriums hatte zuvor erklärt, Russland hoffe auf eine Einigung mit den Unternehmen, die zur Schaffung eines Bezahlsystems ähnlich der bestehenden Systeme in Frankreich und der Türkei führen werde. In diesen beiden Ländern arbeiten die globalen Kartenanbieter mit den lokalen Wettbewerbern zusammen und bearbeiten die Transaktionen gemeinsam.

Denkbar wäre auch die Einführung des sogenannten weißrussischen Modells - gleichwohl Russland diese Variante eher nicht bevorzugt. Weißrussland gibt internationale Bankkarten aus und bearbeitet alle inländischen Transaktionen selbst. Globale Firmen dürfen die Bearbeitung aber übernehmen, wenn eine Karte außerhalb des Landes verwendet wird. Beide Seiten deuteten an, dass es noch keine endgültige Entscheidung darüber gebe, welches Modell für Russland gewählt werde.

Russlands Banken haben mehrmals versucht, ein lokales Bezahlsystem einzurichten, aber keine von ihnen war damit sonderlich erfolgreich. Die Kunden gaben den weltweit anerkannten Unternehmen Visa und MasterCard den Vorzug. Jetzt aber wird das nationale Bezahlsystem vom Kreml unterstützt und dürfte deshalb schon bald Realität werden.

Quelle: n-tv.de

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